Der Vertrag von Mario Götze bei ​Borussia Dortmund läuft im kommenden Sommer aus. Klarheit über einen Verbleib oder Abgang soll erst im kommenden Jahr herrschen. Wird der Weltmeister sich für die "Echte Liebe" oder eine Scheidung entscheiden? Eine Gegenüberstellung von Rationalität und Emotionalität.


Zuerst einmal die knallharten Fakten: Götze ist in Dortmund unter Trainer Lucien Favre kein gesetzter Stammspieler. Der 27-jährige Mittelstürmer spielte in der laufenden ​Bundesliga-Saison nur ein einziges Mal über die vollen 90 Minuten. Dem einstigen Superstar fehlt es an Spielpraxis und damit verbunden auch an Athletik, Tempo und Power. 

​Götze selbst ließ zuletzt wissen, er fühle sich topfit, wolle auf höchstem Niveau spielen. Er ist hungrig, hat gewisse Ansprüche und Ambitionen. Mit der Reservisten-Rolle in Dortmund gibt er sich nicht mehr zufrieden. Der BVB möchte gerne unter den gleichen sportlichen Konditionen mit Götze verlängern. Finanziell soll bei einer Verlängerung rund ein Viertel seines Gehaltes eingespart werden, denn aktuell gehört Götze mit zehn Millionen Euro Gehalt zu den Topverdienern im Verein. Ein Gehalt, das der sportlichen Leistung des Angreifers einfach nicht mehr gerecht wird. 

Die Borussia bietet Götze zur Zeit keine rosige Zukunft. Sollte Cheftrainer Lucien Favre seinen Vertrag bis 2021 erfüllen, dürfte sich an seiner Rolle in Dortmund nicht viel ändern. Mit einem Transfer im Winter könnten die Verantwortlichen noch einmal ein wenig Geld in die Kassen spülen, ehe Götze nicht verlängert und den Bundesligisten im Sommer ablösefrei verlässt.


Möglichkeit 1: Beide Seiten betrachten die Situation realistisch und die Zukunft des Spielers betreffend sinngemäß. Der Schlussstrich, eine Verlängerung mache überhaupt keinen Sinn, dürfte dann sowohl vom Klub, als auch von Götze aus, schnell gezogen werden.


Götzes Leistungsdaten 19/20

WettbewerbSpieleToreVorlagenSpielminuten
Bundesliga72-368 von 630
Champions League2-164 von 180
DFB-Pokal2--23 von 180
Insgesamt1121455 von 990


"Echte Liebe" verhindert Scheidung

Die nüchterne Betrachtungsweise ist damit geklärt. Emotionslos und kalt lässt sich sagen: Eine Verlängerung macht für beide Parteien keinen Sinn. Am Ende entscheiden vor allem Götze selbst sowie BVB-Boss Hans-Joachim Watzke über die Zukunft des Dortmunder Eigengewächses. 


Zwei Menschen, die selbstverständlich Emotionen und Gefühle haben und obendrein durch eine schwarz-gelbe Brille schauen. Zwar kam Götze nach seiner Rückkehr zum BVB im Jahr 2016 nicht mehr so in Fahrt, wie in seiner Zeit vor dem Wechsel zum ​FC Bayern, dennoch hat er dem Verein enorm geholfen und mit der Borussia Geschichte geschrieben. In den Saisons 2010/11 und 2011/12 holte er mit den Schwarz-Gelben die Deutsche Meisterschaft, 2012 und 2017 gewann er mit ihnen den DFB-Pokal. Bereits mit zarten 19 Jahren verhalf er seiner Borussia mit 15 Scorerpunkten in 26 Spielen zum Double 2012 - gab immer alles für den Klub. 

Mario Goetze

Mario Götze bejubelt seinen 1:0-Siegtreffer in München im November 2011, später wird der BVB Double-Sieger

Man kann Götzes aktuelle Situation vergleichen mit einer Ehe, die in Trümmern liegt. Beide Seiten wollen sich nicht eingestehen, dass es zur Zeit nicht rund läuft, da sie sich eigentlich noch lieben. In solch einem Ehe-Verhältnis befinden sich auch Borussia Dortmund und Mario Götze. Götzes aktuelle Karrieren-Situation kann als Trümmerhaufen verstanden werden, der droht völlig einzubrechen, sollte es keine Veränderung geben. Dennoch fällt es ihm schwer, sich von seiner Liebe zu entreißen. Er hat seiner Borussia so viel zu verdanken, es hängen so schöne Erinnerungen an seiner schwarz-gelben Ehe, dass er sich nicht scheiden lassen möchte, geschweige denn kann.

Möglichkeit 2: In seinen Adern fließt schwarz-gelbes Blut und auch er hat seine Spuren im Verein hinterlassen. Beide Seiten können eine erneute Trennung beziehungsweise Scheidung einfach nicht übers Herz bringen. Eine Verlängerung muss aus emotionaler Sicht einfach her. Gerade weil Götze den Claim des Vereins "Echte Liebe" verinnerlicht hat, wird er noch einmal verlängern und darauf hoffen, dass man ihm noch einmal etwas zurückgibt, was er dem Klub schon in seinen jungen Jahren schenkte: Kampf, Vertrauen und Herzblut.