​Beim ​FC Bayern München ist die Nachwuchsarbeit in den letzten Jahren wieder deutlich mehr in den Fokus gerückt. Mit der Eröffnung vom FC Bayern Campus im August 2017 hat der deutsche Rekordmeister ideale Bedingungen für die Förderung seiner Talente geschaffen. Der ehemalige Co-Trainer Andries Jonker sieht seinen Ex-Verein im Jugendbereich gut aufgestellt. Alphonso Davies bezeichnete der Niederländer als guten Anfang.


Thomas Müller, Holger Badstuber und ​David Alaba sind die letzten drei Eigengewächse, die den Durchbruch beim deutschen Rekordmeister geschafft und sich erfolgreich im Profikader etabliert haben. Ex-Cheftrainer Louis van Gaal schenkte dem Trio damals das Vertrauen und bewies damit einen hervorragenden Riecher. 


"Van Gaal hat sich durch den Mut ausgezeichnet, auf ganz junge Spieler zu setzen, bei allen seinen Vereinen", erklärte Jonker im Interview mit Sky Sport. Der 57-Jährige stand van Gaal fast zwei Spielzeiten lang als Assistent zur Seite. Nach dessen Entlassung im April 2011 sprang Jonker als Interimstrainer bis zum Saisonende ein und war anschließend eine Spielzeit lang Übungsleiter der U23. 


Trainer scheuen das Risiko


In der heutigen Zeit sei es für die Trainer jedoch deutlich schwieriger, junge Spieler einzubauen. "Wenn du heute zweimal infolge verlierst, wackelst du", so der Niederländer. "Welcher Trainer geht heute dieses Risiko ein? Das ist die große Frage. Das ist das Problem, nicht nur bei Bayern, sondern im Spitzenfußball." Spitzentrainer hätten die Möglichkeit, "ganz tolle Spieler zu holen. Wenn du mit diesen Spielern verlierst, erntest du Kritik. Aber die Vorwürfe sind härter, wenn du mit ganz jungen Spielern verlierst", gab Jonker zu Protokoll. 


Beim FC Bayern sieht der 57-Jährige, der seit Sommer Trainer und Sportdirektor beim niederländischen Zweitligisten SC Telstar ist, im Nachwuchsbereich gute Bedingungen. "Alles ist super organisiert - und jetzt ist die Zeit da, um inhaltlich zu arbeiten", erklärte der einstige Co-Trainer. Der deutsche Rekordmeister habe zwar schon einige junge Spitzentalente verpflichtet, es wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die intensivierte Nachwuchsarbeit Früchte trägt. "Dass ein ​Alphonso Davies jetzt bei den Profis spielt, ist gut und es ist ein Anfang", so Jonker. "Es wäre natürlich schön, wenn der nächste Müller oder Badstuber aus der Region Bayern hochgezogen werden könnte."