Die Regelhüter vom International Football Association Board (IFAB) haben im Frühjahr ​einige neue Regeln beschlossen, die zur laufenden Saison eingeführt wurden. Neben der Handspiel-Regel wurde unter anderem auch eine Änderung bei Spielerwechseln vorgenommen. Nun ist eine weitere Neuerung bei Auswechslungen im Gespräch.


Seit dieser Saison muss der ausgewechselte Spieler den Platz an der nächstgelegenen Außenlinie verlassen. Beim IFAB ist derzeit eine weitere Regeländerung bezüglich Spielerwechsel in Planung, die es ermöglichen soll, Spieler mit Kopfverletzungen (Gehirnerschütterungen) auf Zeit auszuwechseln, wie es beim Rugby der Fall ist. Das Wechselkontingent wird dabei nicht beansprucht. "Wir nehmen das Thema Kopfverletzungen sehr ernst, wollen keine Zeit verlieren", erklärte IFAB-Sprecher Lukas Brud gegenüber der Sport Bild. "Im Vordergrund steht sicherlich der Schutz der Spieler." 


Das IFAB habe zum Thema Kopfverletzungen verschiedene Meinungen von Schiedsrichtern, Trainern, Ex-Profis und eines Professors (Spezialgebiet Gehirnerschütterungen) eingeholt. "Aber das Thema ist zu komplex, um schnell zu entscheiden, ob eine Auswechslung auf Zeit die richtige Maßnahme ist", sagte Brud, weshalb eine Expertengruppe Vorschläge ausarbeiten soll, auf deren Grundlage bei der nächsten IFAB-Jahreshauptversammlung (Ende Februar/Anfang März) eine Entscheidung getroffen werden kann. 


"Müssen etwas finden, das sowohl Spieler als auch das Spiel schützt"


Grundgedanke hinter diesen Überlegungen ist, dass ein am Kopf verletzter Spieler für die Dauer eines SCAT-5-Tests (rund zehn Minuten) ausgewechselt wird und anschließend, sofern keine Gehirnerschütterung vorliegt, wieder eingewechselt werden kann. Damit die betroffene Mannschaft in dieser Zeit nicht in Unterzahl agieren muss, soll ein anderer Spieler eingewechselt werden. "Es handelt sich bei Gehirnerschütterungen um eine nicht sichtbare Verletzung. Wir müssen etwas finden, das sowohl Spieler als auch das Spiel schützt", betonte Brud.


Allerdings gibt es nicht nur beim DFB und der DFL Bedenken, dass der temporäre Wechsel ausgenutzt wird, um beispielsweise in der Schlussphase einen "vierten" Wechsel vorzunehmen, indem ein Spieler eine Kopfverletzung vortäuscht. "Es wird wahrscheinlich in die Richtung gehen, dass es in irgendeiner Form eine Auswechslung gibt. Aber ob das eine temporäre Auswechslung von zehn Minuten als beste Lösung sein wird - darüber zu spekulieren ist es noch zu früh", so der IFAB-Sprecher gegenüber der Sportzeitschrift.