Im Sommer galt der ​VfB Stuttgart als großer Favorit auf den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga. Nach 13 Spieltagen in der zweiten Liga lässt sich festhalten, dass die Schwaben sich um einiges schwerer tun, als gemeinhin erwartet wurde. Stellt sich die Frage, ob die Stuttgarter den hohen Erwartungen noch gerecht werden können, oder ob sich der Traditionsverein womöglich auf eine alles andere als eingeplante Ehrenrunde im deutschen Unterhaus einstellen muss.​


Trend spricht klar gegen den VfB


Der aussagekräftigste Indikator, um die Aufstiegschancen der Stuttgarter zu bewerten und schlussendlich das einzige was wirklich zählt, ist die Punkteausbeute. Bis zum achten Spieltag war die Elf von Trainer Tim Walter dabei voll im Soll und holte 20 von 24 möglichen Punkten. Die erste Saisonniederlage gegen Wehen Wiesbaden am 9. Spieltag offenbarte aber die bereits zuvor vorhandenen Defizite und leitete eine handfeste Krise ein. ​Die 0:1-Pleite gegen den VfL Osnabrück am vergangenen Spieltag bedeutete für die Schwaben bereits die vierte Ligapleite innerhalb der letzten fünf Zweitligaspiele. 


Keine übermächtige Konkurrenz


Obwohl die Stuttgarter in den letzten fünf Partien nur drei von möglichen 15 Punkten einheimsen konnten, belegen die Schwaben in der Tabelle noch immer zumindest den Relegationsplatz. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass auch die Konkurrenz noch keine Galaleistung an den Tag legt. So beträgt der Abstand auf den Hamburger SV trotz der herben ​2:6-Pleite im Hinspiel gerade einmal drei Zähler. Spitzenreiter Arminia Bielefeld ist zwar schon fünf Zähler enteilt, ob die Arminen dieses Niveau über die gesamte Spielzeit konservieren können, bleibt aber abzuwarten. Die beiden Mitabsteiger 1. FC Nürnberg und Hannover 96 spielen im Aufstiegsrennen ohnehin überhaupt keine Rolle.


Immer wiederkehrende Probleme


Tim Walter gelang es in seiner Amtszeit bislang noch nicht, aus dem VfB ein solides Gebilde zu formen. 18 Gegentore nach 13 Partien sind alles andere als ein Ruhmesblatt und oft erweckt die Mannschaft den Eindruck, dass sie sowohl defensiv als auch offensiv nur einen Plan in der Tasche hat. Viele Gegner konnten sich so auf die immer wieder auftretenden Unzulänglichkeiten prima einstellen. Negativer Nebeneffekt der Niederlagenserie ist zudem, dass sich viele Gegner bei den Spielen gegen den VfB mittlerweile etwas ausrechnen. Aus dem Angstgegner wurde so ein angeschlagener Goliath, der von den Davids der Liga ohne Furcht zu Fall gebracht wird.


Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft


Mut machen kann einem VfB-Fan dieser Tage aber zweifelsohne, dass offensichtlich ist, welch großes Potenzial in der Mannschaft der Stuttgarter schlummert. Geht man die einzelnen Mannschaftsteile durch, muss man zu der Erkenntnis kommen, dass dieses Team in dieser Ligakonstellation schlichtweg einer der Topfavoriten auf den Aufstieg sein muss. Viele junge Spieler sind noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen und könnten sich im Saisonverlauf noch deutlich steigern. Eine Garantie, dass dies auch eintrifft, gibt es freilich nicht.


Didavi-Ausfall konnte nicht kompensiert werden


In den ersten Wochen hatte Daniel Didavi dem Offensivspiel der Schwaben Struktur verliehen. Der 29-Jährige spielte dabei längst nicht immer überragend, hatte aber doch regelmäßig mit dem ein oder anderen Geistesblitz entscheidenden Einfluss. Seit dem 10. Spieltag fällt Didavi aber mit einem Muskelbündelriss aus und wurde seitdem schmerzlich vermisst. 


Philipp Klement wäre eigentlich prädestiniert dafür gewesen, in die Bresche zu springen und das Offensivspiel der Stuttgarter zu koordinieren. Der Neuzugang vom SC Paderborn, der für die Ostwestfalen in der Vorsaison noch satte 16 Saisontore erzielen konnte, ist im Ländle aber noch nicht wirklich angekommen und blieb vieles schuldig. Eine Rückkehr von Didavi könnte dem VfB daher einen neuen Schub geben, auch wenn diese Abhängigkeit, schon alleine aufgrund der enormen Verletungsanfälligkeit des Edeltechnikers, alles andere als beruhigend ist.


Tim Walter ist gefordert

​Die Länderspielpause kommt für den VfB zu einem guten Zeitpunkt, gilt es doch noch eine Menge zu korrigieren. Walter ist dabei nicht nur in taktischer Hinsicht gefragt, sondern täte gut daran, seine Spieler mit Nachdruck auf die Versäumnisse der letzten Wochen hinzuweisen. Einzig und allein die schwache Chancenverwertung ins Feld zu führen, ist dabei deutlich zu kurz gegriffen.


Dabei ist aber definitiv auch Fingerspitzengefühl gefragt, ist das Spiel unter Walter doch vor allem durch Attribute wie Mut und Entschlossenheit geprägt. Mit jeder Niederlage sinkt bei den Spielern, wenn auch größtenteils unterbewusst, die Bereitschaft diese Risiken einzugehen. Auf ein Plan B einlassen, kommt für Walter (noch) nicht in die Tüte. Dies kann als konsequent aber auch ein Stück weit als stur bezeichnet werden.


Derby wird zum Wegweiser


In zwei Wochen steht das enorm wichtige Derby gegen den Karlsruher SC an. Dabei geht es für die Stuttgarter um weit mehr als nur drei Zähler. Nach der Pleite gegen Osnabrück wurde die Mannschaft ​von den mitgereisten Fans heftig kritisi​ert. Wollen sie ihre treuen Anhänger wieder auf ihre Seite ziehen, muss gegen Karlsruhe die Luft brennen. ​Gelingt dies nicht, könnte die Stimmung im Ländle endgültig kippen. Der sportlichen Leistungsfähigkeit wäre dies mit Sicherheit nicht gerade zuträglich.