Den Vorwurf der Blutleerigkeit musste sich der BVB in den vergangenen Wochen zuhauf gefallen lassen. Daran änderte auch die sensationelle zweite Halbzeit gegen Inter Mailand nichts. Cheftrainer Lucien Favre braucht jetzt unbedingt frisches Blut.


Zweikämpfe: Mangelhaft. Kampfbereitschaft: Mangelhaft. Fußballerische Klasse: Mangelhaft. Das BVB-Zeugnis für die Deklassierung beim FC Bayern liest sich wie eine Horror-Bilanz. Die Borussia konnte das Selbstvertrauen aus dem wichtigen Champions-League-Sieg gegen Inter Mailand nicht mit an die Isar bringen und sucht weiterhin nach der erwarteten Meisterform.


Machbares Bundesliga-Programm für den BVB


​Lucien Favre steht indes in Dortmund nicht zur Disposition. Trotzdem muss der Schweizer reagieren, um die Mannschaft wieder auf Vordermann zu kriegen. Nach der Länderspielpause empfängt der BVB den potenziellen Aufbaugegner Paderborn, anschließend warten der FC Barcelona, Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf. In der Bundesliga steht Dortmund ein machbares Programm ins Haus (auf Düsseldorf folgen Mainz, Leipzig, Hoffenheim und der FC Augsburg) - das birgt die Chance für einen bitter benötigten Lauf.


Dazu muss der BVB aber - selbst gegen Paderborn - ein ganz anderes Gesicht als zuletzt in München zeigen. Das bedeutet: Zeit für die Rotationsmaschine. Mit Thomas Delaney saß zuletzt einer der zweikampf- und führungsstärksten Dortmunder auf der Bank; eigentlich sollte der Däne für Favres teilweise überforderte Mannschaft unverzichtbar sein. Julian Weigl hingegen ist zwar nicht das Gesicht der schwarz-gelben Formschwäche, aber derzeit trotzdem die schlechtere Wahl.


Der BVB vermisst Reus und Alcacer


Auch Marco Reus wird - trotz einer bisher ganz schwachen Saison - benötigt. Zuletzt plagten den Kapitän immer wieder Verletzungsprobleme, die er über die Länderspielpause auskurieren soll. Gleiches gilt für Paco Alcacer, der im Sturmzentrum schmerzlich vermisst wird. Das Spiel der Borussia ist auf das Duo Reus/Alcacer zugeschnitten; sie fehlen aktuell an allen Ecken und Enden. Mario Götze und Julian Brandt vertraten Favres Offensivstars zwar annehmbar bis gut, lassen allerdings den nötigen Esprit vermissen, um das Spiel an sich zu reißen.


Deutlich überspielt wirken hingegen Manuel Akanji, Jadon Sancho und Nico Schulz. In der derzeitigen Verfassung ist das Trio kaum bundesligatauglich und bringt den BVB dadurch immer wieder in Schwierigkeiten. Nominell sind Sancho, Akanji und Schulz absolute Verstärkungen für die Westfalen; davon sind sie aktuell aber weit entfernt. Dass Raphael Guerreiro, Jacob Bruun Larsen, Dan-Axel Zagadou oder auch Leonardo Balerdi trotzdem kaum Chancen bekommen, kann dem Mannschaftsgefüge einfach nicht gut tun. 


Der BVB braucht nach der Länderspielpause unbedingt einen Lauf, um in dieser Saison endlich auf die richtige Spur zu wechseln. Das Programm dafür liest sich vielversprechend, Lucien Favre ist allerdings unter Zugzwang. Mit dem aktuell blutleeren Personal gibt es für die Borussia in dieser Spielzeit nichts zu holen; es braucht einen Tapetenwechsel.