Es war erneut ein großer Rückschlag, den der ​SV Werder Bremen gegen ​Borussia Mönchengladbach einstecken musste. Gegen den aktuellen Tabellenführer war für die Bremer nichts zu holen, obwohl sich die Norddeutschen zu keinem Zeitpunkt aufgaben. Doch die unzähligen Baustellen lassen Trainer Florian Kohfeldt immer wieder verzweifeln. Wie sollen die Grün-Weißen bei diesen Mängeln überhaupt gewinnen können?


Am elften Spieltag musste Werder den nächsten Punktverlust hinnehmen. Dabei zeigten sich die Bremer stets gewillt und hätten das Spiel mit etwas mehr Glück ganz anders gestalten können. Doch zu viele Probleme und Schwachstellen bringen die Bremer Woche für Woche um ihre Ernte. Die Analyse fällt allen Beteiligten scheinbar einfach, doch ein Umsetzen von Lösungen wird immer wieder vermisst.


Werder macht es dem Gegner zu einfach


Allen voran muss intern natürlich über die große defensive Anfälligkeit geredet werden. Wie nach der vergangene Woche, sind ​die Erkenntnisse die gleichen, doch mit den nächsten Patzern bestätigen sich die Baustellen nur noch mehr. Und Werder sucht vergeblich nach Lösungen, stößt aber wiederholt an eigene Grenzen. Beispielsweise war die Hintermannschaft der Werderaner erneut äußerst anfällig bei Standardsituationen. Der bereits zehnte Gegentreffer nach ruhenden Bällen lässt erschreckende Zweifel zu.


Mit Standardtrainer Ilia Gruev wollte Werder eigentlich für mehr Stabilität sorgen. Doch es scheint ein gegenteiliger Effekt eingetreten zu sein, denn mit jedem Gegentreffer wird die Angst vor den vielen Freistößen und Ecken größer. Dabei stehen mit Milos Veljkovic oder Theodor Gebre Selassie extrem kopfballstarke Akteure in der Startelf. Ob es auf die fehlende Zuteilung oder Aufmerksamkeit ankommt, muss nun erneut geklärt werden.


Doch nicht nur bei hohen Bällen hat die Defensive immer wieder zu kämpfen. Exemplarisch für die oft zu zaghafte Verteidigung bei Gegentoren war der Abwehrversuch von Marco Friedl, der den Torschützen Patrick Herrmann fast bis zum eigenen Fünfmeterraum viel zu einfach gewähren ließ. Einfache Doppelpässe reichen für den Gegner meist aus, da die Abstände in der Verteidigung unglaublich groß sind. Mit 24 Gegentoren stellt Werder die drittschlechteste Verteidigung der Liga.


Werder verliert an Halt


Auch offensiv haperte es am Wochenende wieder gewaltig. Dass gegen die Fohlen am Ende nur ein Tor heraussprang, lag nicht zuletzt auch an der guten Leistung von Torwart Yann Sommer. Die Bremer ließen wie zuletzt etliche Chancen liegen, Maximilian Eggestein hätte einen Kopfball vor der Halbzeitpause versenken müssen,​ Davy Klaassens verschossenem Elfmeter ist ohnehin nur wenig hinzuzufügen.


Individuelle Patzer wie die von Jiri Pavlenka vor dem zweiten Gegentreffer mehren sich ebenfalls immer mehr. Was bleibt ist die große Ratlosigkeit und die wachsende Frustration. Denn dass es sich bei Werders Problemen um immer wieder kehrende Muster handelt, ist absolut fatal, denn seit Wochen können keine Antworten gefunden werden. Obwohl viele Stammspieler von ihren Verletzungen zurückgekehrt sind und sich das Team einspielen konnte, wirkt es immer noch wie in einem Trainingslager.


Der Einsatz stimmt, doch der Kopf und die Leistungen machen den Bremern große Sorgen. Momentan ist der Abstiegskampf die bittere Realität, in dieser Saison geht es wohl nur noch um Schadensbegrenzung. Sollte der SVW nach der Länderspielpause nicht endlich die bestehenden Mängel beseitigen können, dürfte die Geduld der Verantwortlichen dem Ende zugehen. Was dann passieren würde, mag sich momentan noch kein Fan ausmalen, zumindest nehmen die größten Befürchtungen so langsam Form an.