​Granit Xhaka wurde in den letzten Wochen ein Opfer übelster Beschimpfungen und Anfeindungen. Der Mittelfeldspieler des ​FC Arsenal ließ seiner Wut bei einer Auswechslung im Oktober freien Lauf, was für viel Kritik bei den Anhängern der Gunners sorgte. Daraufhin verlor er sein Kapitänsamt und steht womöglich vor dem endgültigen Aus bei den Londonern.


Sportlich durchlebt der Schweizer momentan die vielleicht schwerste Zeit seiner Karriere. Als eigentlicher Führungsspieler sollte er die kriselnden Gunners wieder in die Erfolgsspur führen. Doch schwankende Leistungen und sein Eklat vor wenigen Wochen brachten ihn um den Lohn der harten Arbeit. Im Interview mit dem Schweizer SonntagsBlick spricht er nun über die aktuelle Situation und die Horrorszenarien mit den Fans.


Nachdem sich der 27-Jährige einige Tage zurückziehen konnte, geht es ihm nun deutlich besser. "Man kann wohl sagen, dass alles sehr turbulent war. Vor allem die letzte Woche war für mich eine sehr spezielle emotionale Erfahrung. Mir geht es aber wieder sehr gut, ich habe diese Woche gut trainiert und freue mich auf die nächsten Einsätze. Im Klub und natürlich auch in der Nati."


Die Reise zur Nationalmannschaft dürfte für Xhaka eine passende Auszeit sein. Zusammengefasst erlebte der Profi in den letzten Tagen eine wahre Tortur, die mit dem Zerwürfnis auf dem Spielfeld begann und in wüsten Beleidigungen in den sozialen Medien endete. Die Reaktionen der Fans schockten den Profi am meisten, emotional war es für den Schweizer in jedem Fall höchst belastend.


Anschuldigungen unter aller Würde


Was Xhaka erlebte dürfte kein Fußballer so einfach wegstecken: "Als meine Rückennummer auf der Tafel des vierten Offiziellen aufleuchtete und daraufhin hämischer Jubel der eigenen Fans losbrach, hat mich das sehr getroffen und aufgewühlt. Es war sehr schmerzhaft und frustrierend. Für mich ist diese Reaktion noch heute nicht nachvollziehbar, vor allem in dieser Vehemenz und wie extrem ich hier angefeindet wurde.​"


Noch schlimmer war das Verhalten der vermeintlichen Anhänger allerdings im Netz, unter einigen Posts von Xhaka hinterließen viele Nutzer Kommentare, die nicht nur den Profi selbst angriffen. "Was einmal als «Schwarzes Brett» für Freunde begann, wird heute mehr und mehr zum Forum für Leute, die andere beleidigen wollen." So wurden seine Frau und seine neugeboren Tochter diffamiert, Drohungen und Unheilswünsche waren keine Seltenheit.


Obwohl der Schweizer den Kontakt zu den Fans immer schätzte, haben sie für ihn mehr als nur eine deutliche Grenze überschritten. "Was ich hier erfahren musste, hat nichts damit zu tun, das überschreitet jedes normale Maß." Xhaka wisse um die Bedeutung des Kapitänsamts für die Londoner Anhänger, doch solche Anfeindungen sind in keinem Zusammenhang verständlich. Deshalb veröffentlichte der Profi eine Stellungnahme, in der er über die Anschuldigungen und seine Enttäuschung berichtete.


Xhaka ist für jede Unterstützung dankbar


Seine offenen Worte fanden im Internet viel Gehör, sowieso standen ihm einige Fans trotz der schweren Zeit stets zur Seite. Dazu haben ihn nach dem Vorfall sogar einige ​Mannschaftskameraden zuhause besucht, um sich nach dem Kollegen zu erkundigen: "Es haben mich einige meiner Mannschaftskollegen besucht, das ist richtig, und das fand ich grossartig. Sie haben mich positiv motiviert, mich nicht unterkriegen zu lassen und vor allem aufgezeigt, wie viele Arsenal-Fans weltweit die Reaktion der Fans im Stadion auch nicht gut fanden und verurteilt haben."


Einzig Trainer Unai Emery zeigte nur wenig Verständnis und setzte den Schweizer als Kapitän ab. Vermutlich auch als Schutz zog er ihn für die kommenden Tage aus dem Verkehr, wie es nach der Länderspielpause weitergeht, ist noch ungewiss. Xhaka selbst gibt sich zumindest wie gewohnt kämpferisch: "Gehen Sie davon aus, dass ich weiterkämpfe und mich in jedem Training anbiete. Für mich ist die letzte Woche abgehakt und ich bin bereit." Damit will er auch dem letzten Fan beweisen, wieso er zu Arsenal gehört.