Unter Niko Kovac hatte Javi Martinez einen schweren Stand. Der defensive Mittelfeldspieler war nur noch Reservist, steht unter Interimstrainer Hansi Flick nun aber wieder stärker im Fokus. Aufgeben kam für ihn trotz geringer Spielpraxis nie in Frage - dafür ist er sich einem ehemaligen Förderer zu ähnlich, wie er in seiner Kolumne für das Socrates Magazin schreibt.


Die Rede ist von Matthias Sammer. Der 52-Jährige fungierte von 2012 bis 2016 als Sport-Vorstand des ​FC Bayern, dem in dieser Zeit historische Erfolge gelangen: 2013 gewannen die Münchner als erste deutsche Fußballmannschaft das Triple, wurden auch in den Folgejahren Deutscher Meister und krönten sich 2014 und 2016 mit dem Double. 


"Auch wenn er mittlerweile nicht mehr für den FC Bayern tätig ist, möchte ich sagen, dass er für mich zu meiner Anfangszeit in München eine sehr wichtige Person war", schreibt Martinez rückblickend. So habe ihm Sammer unmittelbar nach seinem Wechsel von Athletic Bilbao im Sommer 2012 das Bayern-typische 'Mia san mia'-Gefühl eingebläut. "Ich [...] trage es mittlerweile wie selbstverständlich in mir. [...] Wenn du es als Mannschaft richtig lebst, kann 'Mia san mia' eine Waffe sein. Auch das hat mir Matthias Sammer vor Augen geführt."


Besonders als "junger Spieler" sehe man zu einer "Legende" wie Sammer auf, so Martinez. Allerdings habe er auch wegen ähnlichen Charakterzügen ein gutes Verhältnis zum heutigen externen Berater von ​Borussia Dortmund: "Seine Leidenschaft für den Fußball ähnelt meiner stark. Wir haben auch einen ähnlichen Charakter, denke ich. Uns beiden ist die Kommunikation nach außen nicht so wichtig, wie die Dinge intern klar und deutlich anzusprechen. [...] Matthias Sammer liebt wie ich den Wettbewerb und die Herausforderung, sich auf dem Platz mit den besten Spielern und Klubs der Welt zu messen. Immer mit dem Ziel zu gewinnen. Und immer mit dem Antrieb, von Siegen nie genug zu haben."


Lewandowski beklagt Mangel an Führungsspielern


In den vergangenen Wochen wirkte es jedoch so, als sei diese Erfolgsgier innerhalb der Mannschaft verloren gegangen. Zwar gewannen die Münchner vier der vergangenen fünf Pflichtspiele, die Auftritte sprachen aber eine eindeutige Sprache. Von 'Mia san Mia' ist derzeit nicht mehr viel übrig, weshalb es nun darauf ankommt, das Feuer so schnell wie möglich wieder zu entfachen. 


Robert Lewandowski sieht dahingehend jedoch einige Schwierigkeiten. Der Stürmer bemängelte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung​dass momentan zu wenige Führungsspieler auf dem Platz stehen: "In jedem Mannschaftsteil, in jeder Linie sollte es einen Anführer geben: Torwart, Abwehrspieler, einer aus dem Mittelfeld, einer aus der Offensive, das wäre perfekt. Es kann nicht ein Spieler alle führen, das ist zu viel, das ist unmöglich", so Lewandowski, "eine Achse, die nur aus [Manuel] Neuer und Lewandowski besteht, ist zu wenig."

Martinez: Kimmich wird "eines Tages" Kapitän


Einer, der in den Augen von Martinez die geforderte Verantwortung übernehmen könnte, ist Joshua Kimmich. "Er ist ein Spielertyp, der ideal zum FC Bayern passt. Der schon in jungen Jahren all die Werte des Klubs verinnerlicht", schwärmt er vom 24-Jährigen, der am Samstag sein 189. Pflichtspiel für den Rekordmeister absolvieren wird. "Deshalb bin ich davon überzeugt, dass er viele, viele Jahre beim Verein spielen und die Mannschaft vielleicht eines Tages auch als Kapitän anführen wird. Er ist ein echter Führungstyp. Er scheut sich nicht, voran zu gehen und Verantwortung zu übernehmen."

   

"Kapitän ist etwas, wo man hineinwachsen muss, was man sich durch stetig gute Leistung erarbeiten muss. Natürlich ist das ein großes Ziel vielleicht. Aber: Um dahin zu kommen, muss man immer seine Leistung abrufen, und das ist primär mein Ziel.", erklärte Kimmich bereits im März 2018 im Gespräch mit der tz (zitiert via Sport1). Beschleunigen könnte dies eine fixe Position in der Mannschaft, denn nachdem Kimmich seit 2017 als Rechtsverteidiger agierte, kommt er in dieser Saison häufiger im defensiven Mittelfeld zum Einsatz. Sobald er seine Rolle gefunden hat, kann er endgültig eine tragende Säule werden.