Wir haben zwar gerade erst November, dennoch ist der ​FC Bayern München schon auf der Suche nach Ostereiern. Gut, die Ostereier haben zwar die Form eines Trainers, dennoch ist es eher untypisch, dass der FCB jetzt schon Bedarf nach einem neuen Coach hat. Nachdem die Bayern in den vergangenen Tagen reihenweise Absagen von möglichen Trainern ​bekamen, sensten sie nun selbst mit Arsene Wenger eine mögliche Option ab. Dafür möchte es vielleicht sogar Gründe geben, doch wieder einmal übertönt beim FCB die Art und Weise die eigentliche Entscheidung.


Nachdem sich die Bayern und Niko Kovac sich auf eine Vertragsauflösung einigten, war der ein oder andere außenstehende Fußballfan schon etwas überrascht. Es gab keine öffentliche Schlammschlacht, keine legendäre Pressekonferenz und auch Juan Bernat wurde nicht an der Säbener Straße gesehen. Alles ging ruhig und ohne Skandal vonstatten.


Seit vergangenem Sonntag ist man daher nun auf der Suche nach einem neuen Trainer. Bis dahin wird das Ensemble der Säbener Straße von den Assistenztrainern Hansi Flick und Hermann Gerland geleitet. Keine schlechte Besetzung, das muss man zugeben. Doch der FCB hatte noch einen ganz anderen Luxus. Niemand anderes als ​Arsene Wenger, französische Trainerlegende und langjähriger Arsenal-Coach, bot den Bayern seine Dienste an.


Und nicht nur das. Der mittlerweile schon 70-Jährige hätte womöglich nicht einmal die dauerhafte Lösung der Bayern sein wollen, sondern lediglich den Trainerposten bis zum kommenden Sommer übernehmen (auch wenn es hier widersprüchliche Meldungen gibt). Die Münchner hätten folglich noch einige Monate mehr Zeit gehabt, sich nach dauerhaften Alternativen umzusehen. Auch die Winterpause hätte so im vollen Umfang genutzt werden können, in welcher ein Trainerwechsel wohl einfacher zu vollziehen wäre.


Wenger wäre also gut vorstellbar gewesen. Erfahren, deutschsprachig, offen sympathisiert mit dem FCB - was will man da eigentlich mehr? Der Franzose schien die perfekte (Übergangs-) Lösung zu sein.​


War sie aber nicht, zumindest nach Meinung der Bayern-Bosse. Obwohl es nach übereinstimmenden Medien hieß, dass man sich erst nach dem BVB-Spiel zu der Trainerfrage äußern werde, ​schob der FCB Wenger bereits gestern den Riegel vor. "Der FC Bayern schätzt Arsene Wenger für seine Arbeit als Trainer bei Arsenal London sehr, aber er ist keine Option als Trainer beim FC Bayern München", hieß es laut einer Mitteilung der Bayern an die Bild.


Rumms. Nach den Absagen seitens von Erik ten Haag (Ajax Amsterdam), Thomas Tuchel (PSG) und Ralf Rangnick (RedBull) verzichtete der FCB folglich auf die einfachste, aber wohl auch sicherste Option auf der Trainerbank. Im morgigen Bundesligahammer gegen Borussia Dortmund werden also weiter Flick (und Gerland) auf der Bank sitzen. Obwohl man noch unter der Woche sagte, dass man sich erst nach dem BVB-Spiel weiter zur Trainerfrage äußern werde. Man möchte wohl Flicks Perfomance an der Seitenlinie testen.


"Experiment" Flick mit ungewissem Ausgang


Und genau hier spielt der FCB mit dem Feuer. Wer sagt, dass der ehemalige Co als Chefcoach funktioniert? Wer verspricht den Bayern, dass man mit Flick an der Seite wieder nach dem Erfolg greifen kann? Woher nehmen die Bayern die Sicherheit, dass Wenger keine bessere Option als Flick gewesen wäre?


Man weiß es nicht. Was man allerdings weiß, ist, dass die Bayern ein Problem haben, falls die kurzfristig eingerichtete Trainerbank - anders als wohl erwartet - einbricht. Mit Wenger schoss der FCB den einzigen frei verfügbaren und öffentlich interessierten Trainer auf dem Markt ohne offensichtlichem Grund und vor allem vorschnell ab (Jose Mourinho mal ausgeklammert). Schafft es Flick nicht, das Ruder herumzureißen, stehen die Bayern abermals vor der Trainerfrage. Und dann ist es fraglich, ob Wenger in solch einem Fall überhaupt noch Lust auf München hat.


Abgesehen davon kann man auch über das 'Wie' der Mitteilung diskutieren. Wenger besitzt in Europa einen Status wie kaum ein Zweiter. Lediglich Sir Alex Ferguson, Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes dürften einen ähnlichen, unumstrittenen Ruf haben wie der Franzose. Dass man nun diesen nicht mal mehr durch eine eigens veröffentlichte Pressemitteilung, sondern via der Bild-Zeitung ablehnt, grenzt da schon an Respektlosigkeit. Da wurde einem Verein schon einmal die Ehre zuteil, dass sich ein solcher Trainer dem Verein anbot, um zu helfen (!!!) und doch veröffentlicht man am Ende nicht einmal mehr selbst die Absage.


Absage unnötig - Bayern vergrault sich vorschnell eine mögliche Option


Jaja, mag man da sagen, keiner weiß, welche Gespräche zwischen den Bayern und Wenger liefen. Stimmt, doch gerade deshalb sollte man nach außen hin sorgsam mit solchen Gerüchten sein. Was der Fan nicht weiß, lässt ihn nur spekulieren. Und Spekulationen bringen nur Unruhe und weitere Fragen. Bestes Beispiel ist dieser Kommentar.


In den sozialen Netzwerken wurde die die Absage allerdings gar nicht mal so schlecht aufgenommen. Der ein oder andere Bayerfan bejubelte die Entscheidung. Wenger sei zu alt, zu eingestaubt und ohne frischen Wind. Hier mal ein kurzer Reminder: Jupp Heynckes war 72, als er im Oktober 2017 abermals beim FCB anheuerte...


Im Endeffekt mag es vielleicht sogar sportliche oder organisatorische Gründe geben, warum die Bayern Arsene Wenger ablehnten. Das ist ihr gutes Recht und möglicherweise sogar verständlich. Doch der Ton macht eben die Musik. Der Umgang und die ganze Organisation der Trainerfrage ist zu hinterfragen. Mit der voreiligen Absage macht sich der FCB einmal mehr nur unnötig Probleme. Geht das Experiment mit Flick schief und sagt in den kommenden Wochen kein anderer Trainer zu, stehen die Bayern unter Umständen als Verlierer da. Mit Wenger hätte man bis zum Sommer Ruhe gehabt, nun aber wird Bayern München bald wieder den Druck spüren.