Nach der dreimonatigen Sperre für Clemens Tönnies als Aufsichtsratsvorsitzender des ​FC Schalke 04 kehrt er nun in sein Amt und in seinen Dienst zurück. Die Art und Weise der Kommunikation und der Darstellung seitens des Vereins ist der Sachlage bezüglich jedoch völlig unangemessen - man kann die Uhren nicht einfach wieder auf Null stellen. Ein Kommentar.


Anfang August wurde einer der größten Vereine Europas durch ​die Aussagen seines Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies ins Wanken gebracht. Zur Thematik des Klimaschutzes äußerte er sich wie folgt: "... dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." 


Ein Satz, der eigentlich ohne jeden Zweifel als diskriminierend, völlig verallgemeinernd und rassistisch zu deklarieren ist. Es gibt auch auf dem Kontinent Afrika Probleme, auch in Bezug auf den Klimaschutz, die man ansprechen sollte - aber gegenüber 1,3 Milliarden Menschen ein Bild zu zeichnen, das einen ganzen Kontinent als zurückgebliebene Landschaften ohne Strom und Bildung zeigt, das ist was gänzlich anderes.


Die Darstellung zur Rückkehr ist blamabel - Video aufgesetzt und falsch


Nun kann man über das Für und Wider der Entscheidung des Schalker Ehrenrats (die dreimonatige Amtspause) diskutieren, oder Wortmeldungen anderer Fußball-/Sport-Prominenz wieder hervorholen. Das sind jedoch vergangene Dinge, die mit der neuen und aktuellen Problematik eher wenig zu tun haben. Denn mit der Rückkehr, und speziell mit der Art und Weise der Rückkehr, zeigt der Verein, wie man eben nicht mit diesem Thema umgehen sollte.


Kaum war die Sperre abgelaufen - über die man zunächst denken kann, wie man mag; sie ist nun einmal so getroffen worden - gab es die ersten zahlreichen Willkommensgrüße aus dem S04-Vorstand, dazu versöhnliche Sätze aus dem "Da wurde ich falsch verstanden"-Sortiment, sowie ein extra mit dem von Sat1 bekannten Moderator Matthias Killing gedrehtes Video (ganze zwölf Minuten), in dem sich Tönnies erklären darf.

Tönnies wird dargestellt als Opfer - Kritik schlimmer als die Aussage?


Bevor man die einzelnen Punkte jeweils näher beleuchtet, muss man bereits den ersten großen Kritikpunkt anmerken. Bei all der Charme-Offensive, die nun gefahren wird, macht es den klaren Eindruck, Clemens Tönnies sei das wahre Opfer - und das ist er mitnichten. Es macht den Eindruck, als hätte man Tönnies zum Schutz drei Monate verstecken müssen, weil er von vielen Seiten kritisiert wurde. "Wir alle freuen uns sehr auf Clemens Tönnies in seiner gewohnt aktiven Rolle", so S04-Sportvorstand Jochen Schneider auf der Vereins-Homepage. Das mag man durchaus, rein auf die Arbeit bezogen, so sehen - aber die vorhergegangene Problematik einfach außer Acht zu lassen und so zu tun, als müsse man nun einfach alles hinter sich lassen, ist schlicht nicht richtig.


Das bereits angesprochene Video an sich bedarf eigentlich schon genügend Kritik. Dass man einen bekannten Moderator (und Schalke-Fan) einlädt, dieses zu führen; dass man sich absichtlich im gemütlich aufgeräumten Büro ablichten lässt; dass man damit einsteigt, Tönnies trage nun Bart, weil er Großvater geworden ist; das alles zeigt den aufgesetzten Plan, wieder Friede, Freude, Eierkuchen rund um die Personalie zu bringen. Der Fokus des Videos liegt viel mehr darauf, wie schlimm die Auszeit für Tönnies gewesen sein muss, als darauf, wie schlimm, falsch und verallgemeinernd die Aussage einer geschriebenen Rede war - und das ist eine total verfehlte und unpassende Herangehensweise, die dem Verein Schalke 04, mitsamt seiner großen Bemühungen und der Arbeit gegen Diskriminierung, schadet. 


Im WAZ-Interview schlägt Finanzvorstand Peter Peters ganz ähnliche Töne an. Er betont vor allem die von Tönnies geleistete Arbeit auf Schalke. Um es zu betonen: Diese Arbeit kann man in allen Ehren halten, sowohl zum Sponsoring, als auch zu Verhandlungen oder sonstigen Dingen. Sie haben in diesem Moment aber nichts mit der getroffenen Aussage, der getroffenen Strafe und der nun anstehenden Rückkehr zu tun. 


Und natürlich hat man eine "zweite Chance" verdient, aber auch die muss man sich erarbeiten. Wenn von tatsächlicher Reue, einem glaubhaften Bedauern der Worte oder einer klaren Einsicht eines groben Fehlers die Rede ist, meint man keine One-Man-Show zur Rückkehr oder eine erste "Entschuldigung" Anfang August, die sich mit keinem einzigen Wort an die tatsächlich beleidigten Menschen richtet.

Aufarbeitung notwendig - stattdessen: Inszenierung


Schalke hat sehr viel aufzuarbeiten. Dass man als Verein den Fokus auf das sportliche Geschehen richten möchte - das muss man sich eingestehen - ist an sich verständlich. So wie man es jedoch ganz aktuell tut, ist es falsch. Diese Inszenierung, dieses erzwungene Opfer-Bild von Clemens Tönnies, diese sprunghaften Aussagen seitens der mächtigen Leute innerhalb des Klubs: Sie helfen am Ende niemanden und schaden dem Verein noch zusätzlich. 


​Wann er wieder ins Stadion kommen würde, wisse er noch nicht, lässt Tönnies im Interview wissen. Er sei momentan geschäftlich zu sehr eingespannt, will es aber wissen lassen, wenn es "lieber heute als morgen" wieder der Fall sein wird. Mit einer Reaktion der Fans dürfte man sehr wahrscheinlich rechnen. Nicht nur wegen der getroffenen Aussage an sich, sondern auch wegen der desaströsen Darstellung am heutigen Tag.