​Mit den letzten beiden Erfolgen gegen Borussia Mönchengladbach (im Pokal) und den bis dato ungeschlagenen VfL Wolfsburg am vergangenen Liga-Wochenende (3:0) haben der ​BVB und sein Trainer​ Lucien Favre die erregtesten Gemüter rund um den Signal-Iduna-Park fürs erste besänftigt. Zeit für Favre zum Durchschnaufen - und für eine Reflexion über seine Idealvorstellung einer Mannschaft.


Im Interview mit dem Spox und DAZN gab der Schweizer Fußballlehrer einen Einblick in seine Idealvorstellungen einer Mannschaft. 


Verfechter des Ballbesitz-Fußballs


"Damals wie heute ist meine Philosophie, mit dem Ball zu spielen, um Chancen zu kreieren und ihn so lange und häufig wie möglich zu besitzen. Effektiver Ballbesitz ist sehr wichtig, man muss aber auch die anderen Seiten sehen", sagt Favre und spricht damit die Balance zwischen Offensive und Defensive an. 


"Man kann nicht immer nur spielen und spielen und spielen, sondern muss auch wissen, wie man verteidigt und kontert. Es braucht Zeit, mit einer Mannschaft all diese Facetten zu erarbeiten und sie ihr beizubringen", doziert der Trainer. 


Zeit ist nun aber leider ein sehr extrem kostbares - weil seltenes - Gut in einem Fußballverein. Man kann sogar die Gleichung aufstellen: je ambitionierter ein Klub, um so weniger Zeit bekommt ein Trainer in ihm, um Erfolg zu haben. 


"Wenn man es beherrscht, zu verteidigen, zu kontern, das Spiel zu machen und den Gegner durch Pässe und Dribblings zu destabilisieren, dann ist man eine sehr gute Mannschaft", fährt Favre fort. 


Wohlwissend, dass sein Team momentan ein Stück weit von diesem Idealzustand entfernt ist. Was zu Beginn einer Saison (wir haben gerade ein Drittel der Spielzeit absolviert!) auch nichts ungewöhnliches ist. Doch dann sind wir schon wieder beim Stichwort Ambition. 


Doch trotz der vor der Saison recht vollmundigen Ankündigungen von seiten der Verantwortlichen, um die Meisterschaft mitspielen zu wollen, muss man auch der Realität ins Auge sehen. Jede Mannschaft (auch die Galaktischen von Real Madrid) muss sich erstmal finden. Zeit für Entwicklung haben. 


"Man darf nie stillstehen"


"Ich habe damit auch nie aufgehört, da man sich als Trainer wie als Spieler immer weiterentwickeln und verbessern muss und nie stillstehen darf." Ganz bewusst nimmt sich der Trainer dabei nicht aus: 


"Wenn es möglich ist, sollte man jede Woche etwas dazulernen, um voranzukommen. Ich sehe es als eine Pflicht an, sich umzuschauen und zu beobachten, welche Trainingsmethoden und -übungen andere haben. Man sollte auch viel über seinen Beruf und dessen Entwicklungen lesen. Das halte ich nur für logisch und glaube auch, dass das die Mehrheit der Trainer genauso macht."


Bereits am Dienstag (21.00 Uhr) bekommen Favre und seine Schützlinge eine weitere Gelegenheit, ihren Entwicklungsstand zu messen: dann kommt nämlich der Tabellenführer aus der Serie A, Inter Mailand, zum wohl vorentscheidenden Spiel um den zweiten Platz in der Champions-League-Gruppe F.