Nicht nur in Deutschland wird das vorschnelle Hinterfragen und Entlassen der Trainer scharf diskutiert. Befürworter dieses Schlachtbankprozesses gibt es eigentlich keine; wirklich konsequente Vereine aber auch nicht. Es ist ein Produkt des Umfelds - und damit kaum zu moderieren.


Es gibt Vereine wie den Hamburger SV, die Trainer austauschen wie Neymar Jr. seine Frisur. Dass der HSV liebevoll der "Dino" genannt wird, kommt aber nicht von irgendwoher; und lässt sich auch auf die Trainer-Thematik anwenden. Das Wechselspiel mit den Trainern ist nämlich zu einem Dilemma der Moderne gereift. Und nahezu jeder Verein, nicht nur der Hamburger SV, spielt dabei munter mit.


Kovac beim FC Bayern: Irgendjemand muss ja den Kopf hinhalten


Aktuell ist es der ​FC Bayern, der einen Trainer vorschnell zur Schlachtbank geführt hat. Nicht, dass die ausbleibenden Resultate und die fehlende Entwicklung in der Mannschaft eine Entlassung von Niko Kovac nicht rechtfertigen würden. Nur hieß es, wenn wir uns nicht verhört haben, letzte Woche noch aus München, dass dem Trainer von medialer und öffentlicher Seite kein Respekt entgegengebracht werden würde und die Situation der Bayern ohnehin richtig gut wäre. Klar, ein 5:1 gegen Frankfurt ist harter Tobak, allerdings resultierte das auch aus einer frühen Roten Karte. Und der Arbeitsverweigerung der Mannschaft. Kovac' Fehler? Ganz sicher nicht. Aber irgendwie doch. Und irgendjemand muss ja den Kopf hinhalten. 


Das Problem bei dieser ganzen Geschichte ist schnell erzählt: Dem Anspruch, sei er vom Verein oder der Öffentlichkeit ausgegeben, kann ein Trainer nicht mehr gerecht werden. Das liegt zum einen daran, dass es Vereinen nicht gelingt (Ausnahmen bestätigen hier die Regel), mediale Kritik zu moderieren. Zum anderen ist der Fußball ein schnelllebiges Geschäft geworden, das Entwicklungsprozesse nur noch antiquiert. Die Geschwindigkeit der Branche ist aktuell auf Stromschnellen eingestellt; wer da nicht mitmacht oder nicht mithalten will, ist ein Dinosaurier. 


Mainz und Freiburg: Kein messbarer Erfolg


Nur ganz wenige Vereine schwimmen noch gegen diesen Strom. Der FSV Mainz 05 zum Beispiel. Oder der SC Freiburg. Zugegeben: Dort fehlt aber auch der messbare Erfolg; eine konstante Steigerung der wirtschaftlichen Lage sowie die jährliche Qualifikation für die Bundesliga werden nicht mehr als Erfolg anerkannt. Vereine wie Mainz oder Freiburg haben den Vorteil, dass sie dadurch relativ ruhig arbeiten und gegen den Strom schwimmen können. Die Fortschritte sind erkennbar, reichen allerdings nicht für den großen Zirkus. Und auch für diese Vereine wird es zunehmend schwieriger. 


Das nächste Problem, das die Trainer untergräbt, sind nämlich die Spieler. Schnelllebigkeit zeigt sich im Fußball kaum so deutlich, wie hier; das bekommen auch die Dinosaurier aus Mainz und Freiburg zu spüren. Die Ousmane Dembeles, die Kai Havertzes und die Jadon Sanchos dieser Welt spielen nicht mehr für Vereine, sondern für sich selbst. Das ist legitim und schlichtweg das Ergebnis der Entwicklung des modernen Fußballs. Einem Trainer wird dadurch allerdings die Möglichkeit geraubt, Entwicklungsprozesse innerhalb einer Mannschaft voranzutreiben; das geht nicht, wenn Jahr für Jahr die Schlüsselspieler weiterziehen. Und andersherum fehlt das Commitment der Spieler zu einem Verein oder eben einem Trainer; denn das könnte ihren persönlichen Erfolgsweg gefährden. 


Die Grundvoraussetzung für einen Trainer gibt es nicht mehr


Das Ergebnis dieser Addition ist Druck, der auf den Trainer gelegt wird und eine gewisse Halbwertzeit, die vorausgesetzt wird. Trainer metamorphisieren zu Eintagsfliegen. Aktuell gibt es vielleicht noch eine handvoll Trainer in Europa, die unantastbar sind (Guardiola, Klopp, Streich) - dabei sollte ebendas die Grundvoraussetzung eines Trainers sein. Und eigentlich ist es auch genau das, was die Vereine fordern: Mehr Geduld und mehr Vertrauen in die Trainer. Nur leider leben eben diese Vereine das nicht vor. Denn sie sind alle Produkte des Umfelds. Der Moderne Fußball ist keine Plattform für Entwicklung; es ist ein Schauplatz von Triumph oder Untergang.