Der Tag nach dem denkwürdigen Auftritt des FC Bayern München bei Eintracht Frankfurt verlief turbulent. Noch am Morgen wurde mehrfach vermeldet, dass Niko Kovac den Rekordmeister weiterhin betreuen darf - am Abend gab der Klub aber die einvernehmliche Trennung mit dem bisherigen Übungsleiter bekannt. Markus Hörwick, ehemaliger Pressesprecher der Bayern und aktueller Medienberater von Kovac, ahnte diesen Ausgang bereits im Januar 2018.


Von 1983 bis 2016 war Hörwick die erste Anlaufstelle für externe Pressevertreter, begleitete die Bayern auf unzähligen Pressekonferenzen und erlebte so auch viele unterschiedliche Trainer, zu denen unter anderem Udo Lattek, Jupp Heynckes, Giovanni Trapattoni, Ottmar Hitzfeld, Felix Magath und Pep Guardiola zählen. 


Mittlerweile kümmert sich Hörwick als Medienberater um Kovac und pflegt dadurch ein gutes Verhältnis zum nun Ex-Trainer der Bayern. Nach 65 Pflichtspielen, von denen Kovac 45 gewann und nur acht verlor, entschied er sich am Sonntagnachmittag nach einem Gespräch mit Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic für einen sofortigen Rückzug trotz Vertrags bis 2021. 


Salihamidzics merkwürdige Stellungnahme


Pikant: In der offiziellen Pressemitteilung wählte Salihamidzic, der in den vergangenen Wochen deutliche Kritik an der Mannschaft übte, exakt die selben Worte wie Rummenigge nach der Trennung von Carlo Ancelotti vor zwei Jahren: "Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele in dieser Saison erreichen können", wurde der Bosnier zitiert.

Der FC Bayern war eine Nummer zu groß - Hörwick empfahl Zwischenschritt


Von Anfang an galt Kovac nur als C-Lösung, wurde in der Öffentlichkeit allen voran von Rummenigge immer wieder gerügt und soll die Kabine nach und nach verloren haben. Probleme deuteten sich bereits in der vergangenen Saison an, als exemplarisch galt das schwierige Verhältnis zu James Rodriguez. Unter Heynckes gehörte der Kolumbianer zu den absoluten Leistungsträgern der Mannschaft, Kovac aber degradierte ihn zum Bankdrücker - daraufhin kehrte James im Sommer nach Madrid zurück.


Hörwick ahnte bereits im Januar 2018, dass das Experiment Kovac scheitern würde. In einer Ausgabe der ​Sport1-Talkshow 'Doppelpass' erklärte er auf Nachfrage von Moderator Thomas Helmer, ob Kovac der richtige Mann für einen Klub wie dem FC Bayern sei: "Irgendwann mal. [...] Ich glaube, Niko bräuchte noch einen Schritt dazwischen." 


Seiner Meinung nach benötige der Rekordmeister "einen gestandenen Trainer, der gewisse Dinge benötigt." Dazu zähle ein Händchen für Topspieler wie dem abgewanderten James Rodriguez, Philippe Coutinho, Robert Lewandowski oder Thomas Müller. "Bayern München", so Hörwicks damaliges Urteil, "kann kein Risiko eingehen bei einem Trainer." 


Spätestens am Sonntag stellte sich heraus, dass er recht behalten sollte. In den kommenden beiden Partien gegen Olympiakos Piräus und Borussia Dortmund wird Hansi Flick an der Seitenlinie stehen, die Spekulationen um mögliche Nachfolger haben längst Fahrt aufgenommen. Nach nicht einmal anderthalb Jahren ist das Kapitel Kovac zu Ende.