Der ​FC Bayern liegt in Trümmern. Auf die sportliche Talfahrt und fehlende Entwicklung der Mannschaft reagierte der Deutsche Rekordmeister mit der ​Entlassung von Niko Kovac. Jetzt braucht es den richtigen Nachfolger, der eine Ära prägen muss.


Denn eine Ära endet beim FC Bayern in diesem Jahr: Die von Uli Hoeneß. Begonnen mit der Entlassung von Niko Kovac, der bekanntlich Hoeneß' personalisierter Schützling war, baut der Präsident Stück für Stück ab. Der Umbruch wird heftig - für einen FC Bayern ohne Uli Hoeneß gibt es keine Blaupause. Klar ist: Es braucht jetzt den richtigen Trainer, der im besten Fall eine Ära prägen kann. Verschiedene Typen sind aktuell auf dem Markt.


Erik ten Hag: Der Aufstrebende 


​Als ganz heißer Kandidat wird Erik ten Hag gehandelt. Der Niederländer coacht - mit außerordentlichem Erfolg - Ajax Amsterdam und hat bewiesen, eine junge Mannschaft nicht nur entwickeln, sondern auch etablieren zu können. Ajax wäre wohl gesprächsbereit, wenn die Bayern anklopfen. Mit ten Hag würde der FC Bayern einen aufstrebenden Trainer verpflichten; Ajax Amsterdam ist ten Hags erster Topclub als Trainer.


Zumindest kennt der ​49-Jährige den Verein schon: Von 2013 bis 2015 arbeitete ten Hag als Trainer der zweiten Mannschaft der Bayern. Das noch fehlende Profil des Niederländer könnte allerdings zur Crux werden. Ob Erik ten Hag bereits einen Spitzenclub, der gespalten zu sein scheint, in einer Krisensituation übernehmen, führen und moderieren kann, ist fraglich - und wäre sicher mit einem gewissen Risiko verbunden. Was der Niederländer vermutlich brauchen würde, wäre Zeit. Und die ist beim FC Bayern rar gesät.


Massimiliano Allegri: Der exotische Star


Neben ten Hag gilt Massimiliano - Max genannt - Allegri als heißer Kandidat auf das Kovac-Erbe. Der Italiener ist ein Star in der Branche, keine Frage. In den letzten neun Jahren arbeitete Allegri als Trainer vom AC Mailand und Juventus Turin, lernte dort Erfolg und den Umgang mit absoluten Superstars. Auf dem Papier wäre er der vielleicht klangvollste und aussichtsreichste Trainer für den FC Bayern.


Allegris Problem ist, dass er noch nie außerhalb Italiens arbeitete. In mittlerweile 16 Jahren als Cheftrainer blieb Allegri immer in seinem Heimatland, seine Tauglichkeit außerhalb Italiens muss er noch unter Beweis stellen. Aktuell soll der 52-Jährige, der mit Juventus fünf mal Meister wurde, an seinen Deutschkenntnissen feilen; ​die Sprachbarriere wurde aber bereits für Carlo Ancelotti zum Stolperstein.


Jose Mourinho: Der komplizierte Erfolgsgarant 


Der Name "The Special One" kommt nicht von Irgendwoher. Jose Mourinho wusste in seiner langen Trainerkarriere nahezu überall - Manchester United ausgeklammert - zu überzeugen. Der Portugiese ist kein Freund der feinen Klinge, sondern eher ein Zementanrührer. Mit seinen defensiven Taktiken führte Mourinho schon manch ein Team zu großen Titeln, gewann mit seinem unattraktiven Fußball allerdings selten viel Kredit bei den Fans und im Umfeld des Vereins.


Zudem gilt Mourinho als schwieriger Typ - Butter bei die Fische: Mourinho ist ein schwieriger Typ. Das könnte im heimeligen München zum Problem werden. Der Portugiese hat gerne die Kontrolle über einen Verein und auch über die Transferausgaben; wird ihm dazwischengefunkt, wie bei Manchester United, kann es auch schnell bergab gehen. Mourinho wäre ein Trainer, der in der Hierarchie viel Raum fordern würde und damit kurzfristig den Abschied von Uli Hoeneß deckeln könnte. Langfristig würde es dem FC Bayern in seiner Findungsphase aber nicht gut tun, wenn der Trainer das größte Zepter in der Hand hält. Zudem wäre Mourinho ein teurer Spaß; wenn auch ein Erfolgsgarant.


Arsene Wenger: Der Trainerfuchs


Ebenfalls auf dem Markt: Arsene Wenger.​ Das einzige, das gegen den französischen Trainerfuchs sprechen könnte, ist, dass er seinen Zenit eventuell überschritten hat. Abgesehen davon wäre Wenger ein Trainer, der den Bayern auch über Jahre hinweg gut zu Gesicht stehen könnte und zudem ein echtes Statement in dieser schwierigen Zeit wäre.


Wenger hat außerdem bekanntlich ein Faible für Deutschland; der FC Bayern dürfte sicher einen gewissen Reiz auf den Franzosen ausüben. Mit seinen 70 Lenzen ist Wenger allerdings nicht mehr der Jüngste; den Staffelstab müsste er in einigen Jahren weitergeben. Zumindest wäre die Arsenal-Legende aber jemand, der den hierarchischen Umbruch beim FC Bayern gut moderieren könnte.


Ralf Rangnick: Der Bundesliga-Oldie


Auch Ralf Rangnick wird als Kandidat bei den Bayern gehandelt. Seine Tauglichkeit hat er in vielen Jahren Bundesliga unter Beweis gestellt, zuletzt als Interimstrainer (in Doppelfunktion) bei RB Leipzig. Rangnick ist ein Macher - und ein modernes Fußball-Genie - und würde damit gut ins derzeitige Anforderungsprofil des Deutschen Rekordmeisters passen.

Auch hier muss jedoch das Stichwort Hierarchien fallen: Rangnick ist keiner, der ins zweite Glied rückt, sondern Vereine mitgestalten will. Schon jetzt verteilen sich die Hierarchien beim FC Bayern ungesund. Mit Rangnick könnte beispielsweise Sportdirektor Hasan Salihamidzic weiter ins Abseits rücken; und der trägt die Entscheidung, wer neuer Trainer werden soll, bekanntlich ein Stück weit mit.


Mark van Bommel: Niko Kovac 2.0


Abschließend könnte auch das Modell Kovac erneut aufgegriffen werden: Ein ehemaliger Bayern-Spieler, der sich andernorts erste Lorbeeren verdient hat. Bei Mark van Bommel ist das PSV Eindhoven, bei denen Bayerns ehemaliger "Aggressive Leader" seit etwa anderthalb Jahren unter Vertrag steht und einen beachtlichen Schnitt von 2,06 Punkten erwirtschaftete. Für seine Arbeit erhält van Bommel viel Lob; günstig würde er für die Bayern bei einem laufenden Vertrag bis 2021 aber nicht werden.