Nachdem man in der ​Bundesliga in den letzten drei Spielen gute bis sehr gute Leistungen zeigte, sich aber nicht belohnen konnte, feierte ​Schalke 04 am Sonntagabend einen ​glücklichen Auswärtssieg beim ​FC Augsburg. Die Sané-Verletzung überschattete jedoch die Partie, zudem zeigte der S04 überhaupt nicht das Spiel, was sie eigentlich aufziehen wollen.


Zweimal nach Standards treffen, einmal vom Fehlpass des gegnerischen Verteidigers profitieren. Was sich eher nach einem glücklichen Sieg aus der Vizemeistersaison vor zwei Jahren anhört, war allerdings ein wichtiger Auswärtssieg für die Mannschaft von David Wagner. Gegen ​Arminia Bielefeld hatte man in der ersten Halbzeit eine starke Leistung gezeigt, in den drei Liga-Partien zuvor ebenso - das Spiel heute bisher wohl unumstritten der schwächste Auftritt dieser Saison. 


Das Glück ist mit den Tüchtigen, wie es so schön heißt. Den heutigen Sieg hat man sich so gesehen über die letzten Wochen erarbeitet, wenn auch nicht unbedingt verdient. Dass man ein Spiel, in dem man bereits in der fünften Minute unter enormen Druck und dazu zweimal in Rückstand gerät, doch noch drehen kann, zeigt zumindest, dass Schalke derzeit über viel Mentalität verfügt. 


Sané-Verletzung überschattet den Sieg: Aufbauspiel und Sicherheit nur über ihn?


Durch die ​Verletzung von Abwehrchef Salif Sané wurde quasi das gesamte Aufbauspiel in den Sand gesetzt: Fehlpässe, viel zu wenig Bewegung, Unsicherheit. Die Augsburger machten sich das zum Nutzen, liefen mit vielen Spielern bereits früh und hoch an. Weston McKennie (für Sané in die Innenverteidigung gerückt) und Ozan Kabak hatten zusammen mit Omar Mascarell alle Mühe, den Ball aus der eigenen Hälfte zu spielen. Das 1:1-Halbzeitergebnis bereits schmeichelhaft, nachdem man durch ein Eigentor nach einem Freistoß ausgleichen konnte. Auch in der zweiten Hälfte konnte S04 nicht besser und gelassener aufbauen - viele lange Bälle mussten gespielt werden, die im Ballbesitz der Gegner resultierten. Da der FCA allerdings auch nicht mehr so aufdringlich war, wäre ein Unentschieden am Ende wohl gerecht gewesen. 


In der Innenverteidigung könnte Wagner nun ein größeres Problem drohen. Neben Sané scheint auch Matija Nastasic auszufallen. Der Serbe soll sich wohl im Abschlusstraining verletzt haben, stand heute aufgrund von Achillessehnenproblemen nicht im Kader. Von eigentlich vier starken Spielern für die beiden Positionen bleibt somit vorerst nur Ozan Kabak, der heute sein erst zweites Startelf-Spiel für Königsblau gespielt hat. Auch Juan Miranda wird sich noch gedulden müssen: Der junge Spanier war wegen Sprunggelenksproblemen ebenfalls nicht im Kader. Genauere Untersuchungen werden folgen, ebenso wie bei Sané.


Handelfmeter sorgt erneut für Diskussionen - Schalke mit VAR-Pech


Der zwischenzeitliche Führungstreffer der Augsburger zum 2:1 war das Ergebnis eines gepfiffenen Handspiels von einem insgesamt sehr schwachen (wie eigentlich alle Schalker) Bastian Oczipka. Über diese Entscheidung wurde viel und emotional diskutiert. Aus S04-Sicht ist es - auch wenn es den Regeln nach (die ohnehin höchst diskutabel sind und stets für Verwirrung sorgen) womöglich ein Elfmeter war - schlichtweg unfair und nicht verständlich, dass eine solche Aktion geahndet wird, mögliche Handspiele von Thorgan Hazard, Benjamin Pavard oder Ivan Perisic hingegen nicht. Markus Weinzierl, Didi Hamann und Heribert Bruchhagen wunderten sich bei Sky90 ebenfalls über die getroffene Entscheidung und thematisierten auch die nicht gegebenen Elfmeter für die Königsblauen.



Auch wenn man gegen die Mannschaft von Martin Schmidt bei weitem nicht den Fußball gezeigt hat, den man eigentlich spielen möchte, wird der Sieg den Schalkern guttun. In der Tabelle sind sie durch die drei Punkte auf den sechsten Platz gerückt, punktgleich bis zum dritten Platz. In der Nachbetrachtung könnte man sogar noch deutlich besser dastehen, hätte man die verdiente Führung gegen den ​1. FC Köln über die Zeit sowie den Ball gegen überforderte ​Dortmunder im Derby über die Linie gebracht. Auch die Niederlage gegen die ​TSG Hoffenheim war während des Spiels nicht zu erwarten, doch so ist der Fußball nun einmal - und von dieser immer wieder überraschenden und nicht immer fairen Art konnte man heute selbst profitieren.

Gründe für schlechten Auftritt finden, weiterarbeiten, gute Aspekte zusammenfügen


Wagner und sein Team müssen weiterhin analysieren, wo die Gründe für die schlechte Halbzeit gegen Bielefeld lagen, ebenso, wieso man sich heute so extrem schwergetan hat. Kombinationen über zwei, drei Stationen waren fast nie vorhanden. Gefühlt ist beinahe jeder dritte Ball versprungen oder zum Gegner übergelaufen - eine dominante oder zumindest sichere Spielweise kommt so natürlich nicht zustande. Es bleibt aus S04-Sicht zu hoffen, dass sich Sané und Nastasic schnell erholen werden. Benjamin Stambouli wird vermutlich erst zur Rückrunde wieder richtig einsatzbereit sein. 


Der Charakter der Mannschaft stimmt, am nächsten Wochenende gegen ​Fortuna Düsseldorf muss man vor heimischem Publikum wieder deutlich besser spielen und sich zudem belohnen. ​Im Pokal bekommt man es im Achtelfinale mit ​Hertha BSC zu tun, ebenfalls in der Veltins-Arena auf Schalke.