​Dass der ​FC Bayern München immer tiefer in eine ernsthafte Krise rutscht, ist spätestens seit den beiden letzten Pflichtspielen allen bewusst. Nach dem knappen 2:1 im DFB-Pokal gegen Bochum landete man am gestrigen Samstag mit einer ​1:5-Pleite gegen Eintracht Frankfurt auf der Nase. Doch nicht nur Trainer Niko Kovac, auch die Spieler sollten sich in die Pflicht nehmen. Besonders Mittelfeldspieler Thiago spaltet momentan die Meinungen.


Eigentlich ist der Spanier aus dem Mittelfeld der Bayern nicht wegzudenken. Seit seiner Ankunft in München galt: Ist Thiago fit, spielt er auch. Im Grunde fuhr man mit diesem Konzept größtenteils immer sehr gut, doch aktuell lässt sich der 28-Jährige von der allgemeinen Unsicherheit im Team anstecken.


Thiagos Zahlen des Grauens: 13 Pflichtspieleinsätze, null Tore, nur zwei Vorlagen. Der kicker gab dem Mittelfeldspieler für die Bundesliga sogar einen Notenschnitt von 4,2. Vom einstigen Zauberfuß erkennt man zurzeit wenig.


Dennoch steht der 36-malige Nationalspieler so gut wie immer auf dem Platz und gilt sogar als Lieblingsschüler von ​Trainer Kovac. Nicht wenige forderten jedoch, dass die Stammplatzgarantie von Thiago überdacht werden sollte. Die Qualitäten des Spaniers sollen ersetzbar, der Spieler selbst austauschbar sein. Doch würde die Nicht-Berücksichtigung Thiagos dem Mittelfeld der Bayern überhaupt etwas bringen?


Thiago bei den Bayern außer Konkurrenz


Ganz offen gesagt, nein. Die schlechten Leistungen des Spielers fallen im Kader des FCB gar nicht mal so auf, da die Mannschaft im Kollektiv momentan nicht überzeugen kann. Zumal der Spanier lediglich einen direkten Konkurrenten im Kader hat. Mit Corentin Tolisso interpretiert nur ein weiterer Spieler die Sechser-Position ähnlich wie Thiago.


Im Endeffekt wird es dem ehemaligen Barca-Spieler momentan natürlich auch leicht gemacht, weiter im Mittelfeld gesetzt zu sein. So sorgen die Verletzungssorgen in der Abwehr für eine Abberufung von Javi Martinez, der im eigentlichen Sinne Mittelfeldspieler ist. Da sich mit Niklas Süle und Lucas Hernandez allerdings zwei Innenverteidiger verletzt haben und Jerome Boateng mit glatt Rot gegen Frankfurt vom Platz flog, wird Martinez zukünftig eher in der Abwehr gebraucht.


Auch die Rückkehr von Leon Goretzka beeinflusst Thiago eher kaum. Der deutsche Nationalspieler ist anders als der Spanier eher offensiv anzusiedeln und pendelt zwischen der Achter- und Zehnerposition. Im Endeffekt läuft alles wieder auf einen Zweikampf zwischen Tolisso und eben Thiago hinaus.


Die genialen Momente des Strategen werden wiederkommen


Hier hat der langjährige Bayern-Profi Thiago allerdings vor allem deshalb die Nase vorn, da er in seiner Vergangenheit schon jede Menge Pluspunkte sammeln konnte. Jeder beim FCB weiß um die Qualitäten, die Thiago normalerweise auf dem Platz abliefern kann. Der Spanier benötigt nur einen kleinen Moment, um im Mittelfeld zu zaubern und einen Angriff einzuleiten. Diese Qualität könnte Thiago (theoretisch) jeden Moment auf dem Platz zeigen.


Dass dies aktuell eher semiprofessionell gelingt, mag sicherlich ein Kritikpunkt sein. Doch ein schlechter Thiago auf dem Platz ist immer noch besser als kein Thiago. Der Spanier hat im Prinzip den Status inne, den ​Thomas Müller vor einigen Jahren auch hatte. Damals spielte Müller so gut wie immer und wurde - trotz schlechter Momente - auch kaum ausgewechselt. Diese Strategie belohnte sich irgendwann.


Ähnlich wird es auch bei Thiago sein. Kein anderer Spieler prägt so sehr das Spiel der Bayern wie der Spanier. Das Vertrauen in die Dienste Thiagos wird sich mit Sicherheit bald bezahlt machen.