​Es war ein symbolhaftes Bild, welches ​Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem Abpfiff des Duells gegen den ​SC Freiburg abgab. Der Übungsleiter knickte zusammen, war fassungslos über den so enttäuschenden Nachmittag und ließ seiner Frustration ganz unbewusst freien Lauf. Der SVW verschenkte weitere Punkte, nicht zum ersten Mal hängen die Köpfe in den Reihen der Bremer.


Am Ende der Partie stand es mal wieder nur Unentschieden. Vor heimischem Publikum dominierte Werder den Gast aus Freiburg phasenweise nach Belieben, doch das Endergebnis von 2:2 war letztlich die bittere Realität. Trotz einer guten und ansprechenden Leistung, kosteten die vielen Baustellen zwei wichtige Punkte. Die Bremer scheinen dabei in einem echten Teufelskreis zu stecken.


Die Standardschwäche ist nicht zu fassen


Vor allem bei Standards zeigen sich die Norddeutschen immer wieder anfällig. Mit neun Gegentoren nach ruhenden Bällen, rangiert Werder am Ende dieser Wertung. ​Dabei verstärkte sich Bremen vor der Saison extra mit dem Standardtrainer Ilia Gruev, doch von Sicherheit oder einem abgeklärten Abwehrverhalten ist überhaupt nichts zu spüren.


Es war die 93. Spielminute, als ein weiterer Ball in den Bremer Strafraum segelte. Ömer Toprak verhielt sich zu passiv, Nils Petersen bugsierte den Ball irgendwie über die Linie. Der Gegentreffer steht sinnbildlich für die große und unerklärliche Anfälligkeit. Dabei fehlt es immer wieder an der nötigen Ruhe und Ausstrahlung, die vor allem von Neuzugang Toprak erwartet wurde. Zudem bringt sich der SVW durch unnötige Fouls rund um den Strafraum nur selbst in solch prekäre Situationen.


Des weiteren offenbart der SVW in der Defensive vor allem bei Umschaltsituationen enorme Schwächen. Die offensivausgerichteten Außenverteidiger kommen bei Gegenstößen immer wieder zu spät, die Innenverteidiger sind bei hohem Tempo zu oft überfordert. Allgemein fehlt es einigen Bremern ebenso an Selbstbewusstsein, was sich in unterschiedlichsten Situationen widerspiegelt. Gestern war es Philipp Bargfrede, dem nach seiner Einwechslung überhaupt nichts gelingen wollte.


Werder lernt nicht aus den Fehlern


Dass die Grün-Weißen also einige Baustellen offenbaren, hat sich in den letzten Wochen immer wieder gezeigt. Doch wie Florian Kohfeldt nach dem Spiel richtigerweise herausstellte, können die vielen Fehler nicht behoben werden. "Wir lernen nicht", so der Übungsleiter frustriert. Die teils gravierenden individuellen Fehler paaren sich mit den bereits vorhandenen Mängeln. Werders Stagnation hat System, selbst nach fünf Ligaspielen ohne Niederlage steckt Bremen in einer Krise.


Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Chancenverwertung, diese ist vor allem bei eigener Führung katastrophal. So hätte Bremen nach dem zwischenzeitlichen 2:1 den Sack zu machen müssen. Doch Leonardo Bittencourt oder Milot Rashica versagten vor dem Tor immer wieder die Nerven. Noch nie ging Werder in dieser Saison mit mehr als zwei Toren in Führung, die fehlende Reife und Kaltschnäuzigkeit lassen auf ein mentales Problem schließen. Und genau dieses entwickelt sich für Werder immer mehr zum Teufelskreis.


In den kommenden Wochen muss deswegen weiter hart gearbeitet werden. In der vergangenen Saison schien der SVW allerdings keine Mannschaft zu sein, die sich lange an den selben Problemen aufhielt. Die Personalsituation darf nun nicht mehr als Ausrede genommen werden. Alle Bremer müssen an einem Strang ziehen, ihren Anführern wie dem unermüdlichen Davy Klaassen oder Rashica folgen.


Die Trendwende muss jetzt eingeleitet werden, nur so ist das große Saisonziel überhaupt noch möglich. Der Optimismus in Bremen schwindet allerdings stetig, mit jedem Punktverlust kommen mehr Zweifel auf. Die ganze Mannschaft steht vor der größten Reifeprüfung der letzten Jahre und hat nur eine Chance, diese zu bestehen. Am kommenden Wochenende steht das vielleicht entscheidendste Duell der Saison an, nur ein Sieg gegen ​Borussia Mönchengladbach hilft den Bremern wirklich weiter.