Uli Hoeneß zieht sich als Präsident des FC Bayern zurück und beendet damit eine Ära. Der Mann, an dem sich die Geister scheiden, geht allerdings nochmal auf die große Jagd: Er glaubt daran, dass die Bayern keinen Transfer tätigen müssen, der die 100 Millionen Euro überschreitet - bei ausgerufenen Transferzielen der Größenordnung Kai Havertz oder Leroy Sane ein heroisches Vorhaben.


Es gab da mal einen alten Mann, der war Fischer. Nun, es gab ihn nicht wirklich, sondern lediglich in der Phantasie von Ernest Hemingway. Dieser Fischer jedenfalls wurde scheinbar vom Pech verfolgt: 84 Tage lang fuhr er raus auf das Meer, ging jedoch jedes mal leer aus. Am 85. Tag will der Fischer, nennen wir ihn Uli (Verzeihung, Ernest!), die Pechsträhne ein für alle mal beenden. Und er fährt noch einmal hinaus auf das Meer.


Was er dort findet, ist ein gewaltiger Marlin, mit dem er sich zwei Tage einen zermürbenden Kampf liefert und den Marlin schließlich mit seiner Harpune tötet. Da er den riesigen Fisch nicht auf sein Boot ziehen kann, schleppt er ihn angebunden zurück zu seinem Heimathafen. Auf dem Rückweg werden allerdings Haie von dem Blut des Marlin angezogen und obwohl der Fischer einige von ihnen töten kann, fressen sie seine Beute letztlich auf und der Fischer kehrt lediglich mit dem Skelett seines größten Fanges heim. 


Uli Hoeneß und das Meer


Der Kampf, den sich Uli Hoeneß (respektive der FC Bayern) im Sommer lieferte, war der mit Leroy Sane und Manchester City. Nach Monaten des Chaos und unglücklichen Auftritten (Stichwort: Grundgesetz!) sollte Sane die Pechsträhne des Deutschen Rekordmeisters beenden. Die Bayern hatten den deutschen Nationalspieler zwar am Haken, konnten den Fisch allerdings nicht an Bord ziehen. Uli Hoeneß wagt nun einen mutigen Schritt: Er stellt in Aussicht, dass ein Transfer über 100 Millionen Euro Ablöse nicht nötig sei; wenn man sich denn geschickt anstelle. 


Und nun steht dem scheidenden Präsidenten des FC Bayern ein Kampf mit den Haien des Fußball-Meeres bevor. Sane - oder auch Havertz im kommenden Sommer - nach München zu locken, klingt nach einem machbaren Vorhaben. Die beiden allerdings für unter 100 Millionen Euro zu verpflichten, erscheint dem alltäglichen Fußball-Laien utopisch. Die aufgerufenen Ablösesummen von Manchester City und Bayer Leverkusen liegen weit über der von Hoeneß angesprochenen Grenze. 


Alles ist möglich, wenn du Uli Hoeneß heißt


Uli Hoeneß wäre allerdings nicht Uli Hoeneß, wenn ihn ein solches Hindernis aufhalten würde. Zugegeben: Wie der Wurstfabrikant das anstellen möchte, ist uns ein Rätsel. Wenn jemand dieses Rätsel aber lösen kann, dann ist es Uli Hoeneß. Es könnte seine letzte Fahrt raus auf das Meer sein. Und er wird blutig und geschunden heimkommen. Mit dem nötigen Geschick und einer Unze Glück ist es dem großen Macher des FC Bayern aber zuzutrauen, diesen größten aller Fische an Land zu ziehen. "Noch einmal stürmt...", schrieb William Shakespeare. Und genau das tut Uli Hoeneß; er sticht ein letztes mal in See, um sich sein letztes aller Denkmale zu bauen.