Kein anderer Klub der Bundesliga musste bisher so häufig spielen wie ​Eintracht Frankfurt. Satte 20 Pflichtspiele standen die Adler in dieser Spielzeit bereits auf dem Platz - und dabei haben wir gerade einmal den 10. Ligaspieltag vor uns. Das hohe Pensum auf ebenso hohem Niveau fordert bei der SGE langsam seinen Tribut. Trainer Adi Hütter fallen reihenweise Spieler aus. Frankfurt sieht sich mit Hinblick auf die winterliche Transferphase laut Bild gefordert, nach Verstärkungen Ausschau zu halten.


Mitunter die Qualifikationsrunden für die Europa League, die die Eintracht noch während der Sommerpause absolvieren musste, sind für die hohe Belastung verantwortlich. Frankfurt hat eine englische Woche nach der anderen. Bis zur Winterpause wird Frankfurt satte 31 Partien gespielt haben, also fast eine komplette Bundesligasaison!


Frankfurts Hinrunde im Überblick (Stand 1. November)

​Wettbwerbabsolvierte Spiele​kommende Spiele​​aktuelle Bilanz
​Bundesliga​9​814 Punkte, ​Platz 9, 16:14 Tore
​DFB-Pokal​2​/​Achtelfinale erreicht
​Europa League​3​3​6 Punkte, Platz 2, 3:4 Tore
​Europa League-Quali​6​/​Gruppenphase erreicht
​Gesamt​20​11/​

Um die Belastung nicht als Ausrede für schlechte Leistungen zu benutzen, fordern die Verantwortlichen von ihren Spielern alles. Mit Erfolg, wie es scheint. In der Bundesliga ist man Teil der engen Tabellenspitze, in der Europa League peilt man bereits die Zwischenrunde an und im DFB-Pokal​ setzte man sich gegen den unangenehmen Gegner aus St. Pauli durch.


Wichtige Spieler fallen aus - Regeneration kaum möglich


Doch jeder Erfolg muss irgendwann bezahlt werden. In Frankfurt verschleißen reihenweise Spieler aufgrund des Pensums. Gegen St. Pauli fehlten ​Andre Silva, Filip Kostic, Kevin Trapp und Almamy Toure. Zudem waren Danny da Costa und Martin Hinteregger nach dem Spiel angeschlagen. Mittelfeldmotor Sebastian Rode scheint zudem überspielt, Stürmer Bast Dost ist konditionell noch weit weg vom sicheren Stammspieler und Kapitän David Abraham kämpfte in dieser Saison bereits mit einigen Blessuren.


Stehen der Eintracht dann endlich mal freie Tage zur Verfügung, müssen sich die Spieler entweder ausruhen oder sind auf Länderspielreise. Wie man es auch dreht und wendet: Der ärgste Feind der Eintracht ist aktuell der Fußball selbst.


"Insgesamt merkt man der Mannschaft an, dass wir alle drei Tage spielen", resümiert auch Vorstand Bruno Hübner gegenüber der Bild die eigenen Leistungen. Aus diesem Grund möchte man sich in Frankfurt nach Abschluss der Hinrunde an den Tisch setzen und die weiteren Transferaktivitäten planen. Der Kader soll noch weiter verbreitert werden, obwohl die Eintracht im Prinzip schon sehr gut aufgestellt ist.


Eintracht-Baustellen: Sturm, Abwehr und die Flügel


So hat man im Sturm neben Dost und Silva auch Gonacalo Paciencia und Dejan Joveljic zur Verfügung. Aktuell macht aber nur Paciencia den Eindruck, als könnte er jede Partie spielen. Silva und Dost rotierten sich in der Vergangenheit gegenseitig aus dem Team, meist weil einer der beiden angeschlagen war. Der erst 20-jährige Joveljic scheint zur Zeit noch keine ernsthafte Alternative zu sein. Die Eintracht muss entweder hoffen, ihren Sturm dauerhaft fit zu halten oder ist gefordert, nach Alternativen Ausschau zu halten.


Auch in der Abwehr zeichnen sich Veränderungen ab. In der Dreierkette sind Martin Hinteregger und Makoto Hasebe gesetzt. Für die Position des dritten Innenverteidigers duellierten sich in dieser Saison vor allem Toure und Abraham - der eine ist, der andere war verletzt. Was, wenn beide ausfallen? Als Alternativen stehen der Eintracht nur noch Simon Falette und Evan Ndicka zur Verfügung, Urgestein Marco Russ ist nach seinem Achillessehnenriss noch lange keine Option. Falette ist hierbei aber im Grunde außen vor und hat kaum noch eine sportliche Perspektive. Ndicka ist wie Joveljic mit 20 Jahren noch sehr jung.


Die wichtigste Position scheint allerdings die linke Seite zu sein. Dort zieht Kostic einsam seine Bahnen. Im Kader der Eintracht ist niemand, der den Serben auch nur annähernd ersetzen kann. Während auf der rechten Seite Dauerläufer da Costa mit Timothy Chandler einen ernsthaften Konkurrenten im Nacken hat, hat Kostic den routinierten Erik Durm hinter sich. Der Weltmeister ist zwar solide, aber mehr auch nicht. Ein Ausfall des Serben würde Frankfurt sehr wehtun.


Zentrales Mittelfeld zeigt, wie es gehen kann


Was Hoffnung macht, ist das Mittelfeld der Eintracht. Hier zeigt sich Frankfurt flexibel und kann vielseitig auf Ausfälle reagieren. Neben Rode hat die SGE mit Gelson Fernandes, Mijat Gacinovic, ​Daichi Kamada, Dominik Kohr, Djibril Sow und Lucas Torro sechs weitere ernsthafte Alternativen für die Positionen. Bis auf Torro kann sich auch keiner der Spieler bisher über Einsatzzeiten beschweren, da im Mittelfeld eben viel rotiert wird. Trotz der Rotation ist das Niveau der Zentrale jedes Spiel sehr hoch.


Es scheint daher gut möglich, dass Frankfurt im Winter auch auf den anderen Positionen aufrüstet. Falls die Eintracht auch im internationalen Geschäft weiter dabei ist, wären weitere Transfers zum einen durch die weitere Dreifachbelastung sinnvoll und zum anderen auch bezahlbar.