Der SC Freiburg ist das Überraschungsteam der Bundesliga. Im DFB-Pokal mussten die Breisgauer nun allerdings schon in der zweiten Runde die Segel streichen. Fluch oder Segen?


Im Pokal gegen Union Berlin bediente sich Christian Streich am Dienstagabend der Tiefe seines Kaders. Ergänzungsspieler wie Roland Sallai durften sich in der zweiten DFB-Pokalrunde beweisen, Stammkräfte wie Philipp Lienhart oder Lukas Höler wurden geschont. Das bessere Ende hatte nach 90 (präzise: 92) Minuten der Gast aus der Hauptstadt für sich: Andrich traf in der 87. Minute zur Führung, Gentner machte in der 92. Minute den Deckel drauf. Es ist der erste Rückschlag für den SC Freiburg in dieser Saison - und es ist ein guter.


Freiburger Pokalaus: Ein Segen?


Christian Streich wird das sicher anderes sehen, doch das Pokalaus birgt für den SC Freiburg Chancen. Obgleich der Sport-Club eine fantastische Bundesligasaison spielt und sich auch schon gegen die Großen zur Wehr setzen konnte (zuletzt: RB Leipzig), wären die Freiburger Aussichten im Pokal nicht wirklich vielversprechend. Um im Pokal wirklich weit - sogar bis ins Pokalfinale? - zu kommen, fehlen dem SCF individuelle Klasse und Erfahrung. Klar, der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze und ist immer für Überraschungen gut. Doch Freiburgs Erfolgsaussichten sind in dieser Saison in der Bundesliga einfach deutlich höher als im Pokal.


Und sie sind mit dem Aus gegen Union Berlin noch gestiegen. Der Sport-Club ist der einzige Bundesligist in der oberen Tabellenhälfte, der nicht mehr auf zwei oder sogar drei Hochzeiten tanzt. Während der BVB, die Bayern oder Wolfsburg in den kommenden Wochen alle drei Tage von Spiel zu Spiel hecheln, kann Christian Streich mit seiner Mannschaft konzentriert arbeiten und hat genug Zeit, seine Spieler ausführlich auf jeden Gegner vorzubereiten. Das ist ein Umstand, der sich bezahlt machen kann. Die (physische) Entlastung fällt ebenso ins Gewicht; wenn Streich will - und es keine schwerwiegenden Verletzungen gibt -, braucht er überhaupt nicht zu rotieren.


Freiburg kennt sich mit belastender Dreifachbelastung aus


In diesen Genuss sind in den letzten Jahren einige Bundesliga-Mannschaften gekommen. Zuletzt Borussia Mönchengladbach, die im vergangenen Jahr ebenfalls in der zweiten Runde des DFB-Pokals scheiterten und die Bundesliga als Tabellenfünfter abschlossen. Dass sich die Fohlen nicht für die Champions League qualifizierten, ließ sich lediglich auf eine bemerkenswert schwache Rückrunde zurückführen. Der volle Fokus auf die Bundesliga ist ein Segen. Auch Freiburg kennt sich mit Doppel- und Dreifachbelastung aus: 2013/14 spielten die Breisgauer in der Europa League, kamen mit der zusätzlichen Belastung aber nicht zurecht und schlossen die Bundesligasaison auf Platz 14 ab.


Butter bei die Fische: Das Aus im Pokal hätte sich in Freiburg niemand gewünscht. Nichtsdestotrotz dürfte es den Breisgauern gut tun. In der Bundesliga steht für die Mannschaft von Christian Streich auch weiterhin ein schweres Programm an: Bremen, Frankfurt, Leverkusen, Gladbach und dann Wolfsburg. Gut, dass Christian Streich seine Jungs ohne Ablenkungen auf diese Knaller vorbereiten kann. Und wenn der Sport-Club dieses Programm ordentlich übersteht, könnte in dieser Saison wirklich was drin sein für den Sport-Club.