​Dass es dem ​BVB momentan an Durchschlagskraft mangelt, ist angesichts der letzten Resultate (0:2 in Mailand; 0:0 auf Schalke) offensichtlich. Jetzt rächt es sich, dass Trainer ​Lucien Favre im Sommer ausdrücklich auf die Verpflichtung eines Stoßstürmers verzichtete. 


Favre wollte im Sommer keinen Stoßstürmer


Lucien Favre ist halt kein Freund von großen, robusten Stürmern. Lieber operiert der Schweizer mit kleinen, wendigen und technisch guten Stürmern a la Alcacer oder Marco Reus. Das Problem: diese treffen momentan das Tor nicht. Der Spanier traf in der Liga zuletzt Mitte September beim deutlichen 4:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen. In den beiden nachfolgenden Spielen (gegen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) ging der Stürmer leer aus - und verpasste die letzten drei Partien aufgrund einer Achillessehnenreizung. 


Marco Reus wiederum konnte zwar vor eineinhalb Wochen das Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach durch seinen fünften Liga-Treffer entscheiden, blieb aber auch in diesem Spiel, wie schon in den Wochen zuvor, auffällig blass und uninspiriert. Gegen ​Schalke enttäuschte der Nationalspieler (kicker-Note: 5) erneut auf ganzer Linie. 


Wie man es derzeit auch drehen und wenden mag - die Borussia hat ein Stürmer-Problem. Und muss sich diesen Schuh selbst anziehen. Optionen auf dem Markt wären da gewesen. So hat der Liga-Konkurrent aus ​Leipzig noch kurz vor Transferschluss in Patrik Schick einen Angreifer an Land ziehen können, dessen Eigenschaften dem Vize-Meister durchaus gut zu Gesicht stünden. Schon die bloße körperliche Präsenz (1,87 Meter) des tschechischen Nationalspielers würde dem BVB in puncto Strafraumpräsenz sicherlich weiterhelfen. 


Und wenn auch die Statistiken von Schick nach seinem Wechsel zur AS Roma ein wenig nachgelassen haben, so hat er während seiner Zeit bei Sampdoria Genua durchaus unter Beweis gestellt, dass er weiß, wo das Tor steht. 


Der einzige Offensiv-Spieler im Kader des BVB, den man von seinen körperlichen Voraussetzungen her als wuchtigen Stürmer bezeichnen könnte, ist Jacob Bruun Larsen. Doch der hat aktuell unter Favre einen schweren Stand und kommt eigentlich eher über die Außenbahn. In den letzten fünf Bundesligaspielen stand der Däne zwar im Kader, kam dabei aber zu keiner Minute Einsatzzeit. 


Zorc sieht "genügend Tore"


Auf die Problematik des im Kader fehlenden Stoßstürmers angesprochen, antwortete Sportdirektor Michael Zorc auf der PK vor dem Gladbach-Spiel ausweichend: "Man kann immer darüber philosophieren. Obwohl wir in den vergangenen beiden Spielen nicht so erfolgreich waren, was das Toreschießen angeht, glaube ich, dass wir im Saisonverlauf insgesamt genügend Tore geschossen haben. Es geht aber auch immer um Verfügbarkeiten und Möglichkeiten."


Oder um die Vorstellungen eines Trainers, der mittlerweile arg in der Kritik steht. Der musste angesichts der mauen Leistung seiner Offensiv-Abteilung im Revier-Derby zugestehen, dass seinem Team die Killer-Mentalität abhanden gekommen ist: "Am Ende hatten wir gegen Schalke zwei, drei große Möglichkeiten. Das könnten wir besser machen." 


Mit einem weiteren treffsicheren Stürmer im Kader allemal.