​Nach Vier-Tore-Führung doch nicht als Sieger vom Platz zu gehen - dies ist in der langen Geschichte des Fußballs schon ein paar Mannschaften widerfahren. Deutschland gegen Schweden (2012), Paris St.Germain (das sich vor drei Jahren nach einem 4:0 im Hinspiel dem FC Barcelona im Rückspiel doch noch mit 1:6 geschlagen geben musste), dem BVB (2017, und ausgerechnet gegen Schalke) und - dem ​VfL Bochum.


4:0-Führung des VfL gegen die großen Bayern!


Der muss bekanntlich morgen Abend (20.00 Uhr) in der zweiten Runde des DFB-Pokals im heimischen Vonovia-Ruhrstadion gegen den großen ​FC Bayern antreten. Vor gut 33 Jahren stand diese Partie in der Bundesliga am sechsten Spieltag auf dem Programm. 


Das Stadion der Bochumer hieß damals noch ganz unspektakulär und ein wenig trocken "Stadion an der Castroper Straße" (zum "Ruhrstadion" wurde es erst drei Jahre später). Mit 18.000 war es auch nur halb gefüllt. 


Der VfL spielte schon damals hauptsächlich gegen den Abstieg. Eine vermutliche Klatsche des im Mai zum dritten Mal zum Europapokalsieger der Landesmeister gekürten FC Bayern wollten sich die meisten der Bochumer Fans wohl nicht antun. 


Sie dürften ihr Fehlen bitter bereut haben. Denn an jenem 18. September 1976 entwickelte sich eines der denkwürdigsten Spiele in der Geschichte des deutschen Fußballs. Zur Halbzeit führter der Underdog sensationell mit 3:0. Kurz nach der Halbzeit erhöhten die Westdeutschen sogar auf 4:0. 


Münchener Aufholjagd


Dann begann der FC Bayern eine nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd: nach Treffern von Karl-Heinz Rummenigge (54.), Georg Schwarzenbeck (56.) und dem unvermeidlichen Gerd Müller (64.) waren die Münchener wieder bis auf ein Tor herangekommen. 


Und Müller "müllerte" weiter. Sein Strafstoß in der 74. Minute bedeutete das 4:4. Die Fans des VfL hatten diesen Schock noch gar nicht richtig verdaut, da lagen sie auch schon zum ersten Mal an diesem Tag hinten: Uli Hoeneß hatte zum 5:4 für die Bayern eingenetzt. 


Alles vorbei für den VfL? Nicht an diesem Abend. Jupp Kazcor, mit seinem zweiten Treffer, glich zum 5:5 aus. Das Remis hätten sie damals wohl auch gerne mitgenommen (trotz der zwischenzeitlichen mehr als komfortablen Führung). Doch Hoeneß hatte was dagegen und schürte seinerseits seinen Doppelpack zum 5:6-Entstand. 


Keine Fernsehbilder von diesem Spiel


Kuriosum am Rande: von dem Spiel selbst gibt es keine offiziellen Fernsehbilder. Dem VfL-Fan Werner David ist es zu verdanken, dass im Bochumer Stadtarchiv bis heute wenigstens eine Super8-Filmrolle mit den fünf Toren des VfL lagert.