Durch das ​torlose Revierderby am Samstag zwischen ​Schalke 04 und ​Borussia Dortmund hat sich an der Kritik an Lucien Favre nichts geändert. Weiterhin steht der BVB-Coach unter Druck - auch, weil er das Team anscheinend nicht mehr richtig erreichen und motivieren kann.


Nach dem Spiel am Samstag sagte Lucien Favre, dass man aus Dortmunder Sicht mit einem Unentschieden und dem Punkt gegen Schalke zufrieden sein müsse. Zuvor hatte man eine schwache Leistung der Schwarz-Gelben gesehen, bei der die letzten zehn Minuten - in denen man mehrere Ballaktionen in der S04-Hälfte verzeichnen konnte - schon fast das Highlight waren. 


Favre-Kritik reißt nicht ab - gegenüber der Mannschaft zu distanziert und emotionslos?


Nach einem solch uninspirierten Auftritt in einem Derby steht Favre weiterhin in der Kritik. Obwohl ein solches Duell immer außerhalb der derzeitigen Form steht und es ein Spiel ist, was viele Fehler vergessen machen kann, war es eine beinahe enttäuschende Leistung des BVB. So wird immer mehr daran gezweifelt, ob der Trainer die Mannschaft noch so gut erreichen und motivieren kann, dass man aus diesem Leistungstief kommt.


Wie die Bild berichtet, gilt Favre intern als distanziert, zu ruhig und zu wenig emotional. Dass er die Spieler siezt, sowie auch andersherum, ist dabei nur ein ganz kleiner Aspekt, der jedoch die gewisse Distanz zeigt. Die Analysen und Vorbereitungen auf die Gegner entsprächen zwar regelmäßig einer sehr guten Arbeit, auch die Trainingseinheiten seien abwechslungsreich gestaltet - allerdings fehle die Motivation, die er an die Mannschaft abgeben kann. Seine stetige Forderung nach "Geduld", vor allem bei Rückständen, sei für den einen oder anderen in Dorn im Auge - laut wird er nie, emotional ebenso wenig. 


Kritik bzw. Einschätzungen kommen auch von anderen Leuten im Fußballgeschäft. So äußerte sich auch Olaf Thon am Sonntag im Sport1-Doppelpass zur Thematik: "Da braucht man in Dortmund wie auf Schalke Emotionen, da braucht man einen, der Gas gibt, die Leute mitnimmt." Für ihn sei die emotionale Distanz und die (zu) ruhige Art ebenfalls ein Aspekt, der für den BVB eher negativ sei. Dazu kritisierte er die Aufstellung mit ​Mario Götze als Mittelstürmer, schließlich gewinne dieser "keinen Kopfball und ist nicht schnell genug".


Auftritte des BVB sorgen für Ärger - "Das ist im Verantwortungsbereich des Trainers"


Auch Marcel Reif suchte große Teile der Schuld beim Trainer, auch wenn Favre wisse, "dass er ist, wie er ist": "Ich muss aber abverlangen können, dass eine Mannschaft wie der BVB in einer Saison anders auftritt, als das, was sie bisher abliefert. Das ist im Verantwortungsbereich des Trainers."


So ist die Lage in Dortmund nach den ersten drei Spielen der schwierigen Wochen (Mönchengladbach, Inter, Schalke) gewiss nicht entspannter geworden. Besonders die Art und Weise der Auftritte ist Grund zur Sorge - so hätte der S04 das Derby eigentlich gewinnen müssen, scheiterte jedoch an Pech (Pfosten und Latte), sowie an der derzeit nicht ausreichenden Chancenverwertung. 


So werden die nächsten vier Spiele weiterhin von enormer Bedeutung sein, sowohl für den BVB insgesamt, als auch für Lucien Favre. Nach dem Pokalspiel gegen Gladbach am Mittwoch, folgen in der Liga die Spiele gegen den noch immer ungeschlagenen ​VfL Wolfsburg und ​Bayern München - währenddessen noch das Rückspiel gegen Inter Mailand in der Champions League vor heimischem Publikum.