​Der ​FC Bayern München mühte sich unter der Woche zu einem 3:2-Pflichtsieg bei Olympiakos Piräus. Das spannendste Detail des Erfolges war dabei, dass neben Philippe Coutinho auch Thomas Müller in der Startelf stand. Angeblich denkt ​Coach Niko Kovac aktuell darüber nach, aus dem Experiment Methode zu machen. Ob dies aber auch im Sinne aller Beteiligten wäre, darf bezweifelt werden.


Beim Spiel gegen den griechischen Traditionsverein hatte Coutinho auf der Zehn gestartet und ​Thomas Müller beackerte zu Beginn die rechte Außenbahn. Da der Leihspieler des FC Barcelona an diesem Abend wenig Kreativität versprühte, rückte im Spielverlauf Müller in die Zentrale und Coutinho spielte fortan auf der linken Außenbahn. Zumindest für den ehemaligen deutschen Nationalspieler zahlte sich diese Rochade aus, konnte er doch gleich zwei Torvorlagen beisteuern und war insgesamt einer der auffälligsten Offensivsspieler der Münchner.


Kovac lässt mehrere Varianten trainieren


Da trotz des Auswärtsdreiers bei Olympiakos viel Kritik an der Spielweise der Bayern aufgekommen war, sieht sich Coach Niko Kovac anscheinend fast schon gezwungen, an seiner allgemeinen taktischen Anordnung zu feilen. So will Sport1 in Erfahrung gebracht haben, dass der kroatische Cheftrainer in einem Geheimtraining am Freitag gleich mehrere Systeme einstudieren ließ.


Bei einer Variante spielten dabei Thomas Müller und Philippe Coutinho in einem 4-3-3-System im Zentrum Seite an Seite und wurden lediglich durch Thiago oder Corentin Tolisso auf der Sechs abgesichert. In anderen Abschnitten der Trainingseinheit stellte Kovac seine Schützlinge aber auch wieder im altbekannten 4-2-3-1-System auf, wobei sich entweder Müller oder Coutinho vor dem Duo aus Thiago und Tolisso austoben durften.


Neues Kovac-System stellt Balance auf die Probe​


Am Samstagnachmittag geht es für die Münchner vor heimischem Publikum ​​gegen den Aufsteiger Union Berlin. Die Überlegungen von Kovac kommen daher nicht von ungefähr, ist gegen den Underdog aus der Hauptstadt doch mit sehr viel Spielanteilen für die Gastgeber zu rechnen. Durchaus fraglich erscheint jedoch, ob Müller und Coutinho ihr Spiel gut genug aufeinander abstimmen könnten, um sich nicht gegenseitig auf den Füßen zu stehen.


Beide Spieler sind nicht gerade dafür bekannt, ein Ausbund an defensiver Stabilität zu sein und würden ihrer Absicherung auf der Sechs eine echte Herkulesaufgabe bereiten. Gegen die - mit Verlaub - deutlich schwächer besetzten Berliner könnte diese Marschroute zwar noch aufgehen und auch im DFB-Pokal gegen den VfL Bochum müsste den Münchnern wohl nicht angst und bange werden.


Bereits die beiden darauffolgenden Ligaspiele gegen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund könnten jedoch ein großer Stolperstein sein, zumal in der nach zahlreichen Verletzungen immer wieder neu besetzten Abwehrkette des Rekordmeisters auch noch sehr viel Luft nach oben ist.


Rotation statt Addition


Anstatt vom taktischen System abzurücken, könnte Kovac dieser Tage auch einfach auf das gute alte Rotationsprinzip setzen. Folgt der 48-Jährige dabei dem Trend der letzten Spiele, könnte er sich dazu durchringen, Müller mal wieder von Beginn an eine Chance auf der Zehn zu geben. Nach gutem Start konnte Coutinho in den letzten Wochen schließlich kaum mehr Werbung in eigener Sache machen und wäre es nur gerecht, wenn auch für den brasilianischen Starspieler das Leistungsprinzip gilt.


Müller und Coutinho im Direktvergleich:


Müller​​Coutinho
Position​​HS​OM
​Alter​30​27
​Marktwert​35 Mio. €​90 Mio.€
​Vertragslaufzeit​30.06.2021​30.06.2020 (Leihe)
​Bayern-Spiele​497​10
​Bayern-Tore​186​2
​Bayern-Vorlagen​173​4


(Marktwerte laut transfermarkt.de)


Klar ist aber auch, dass sich durch diese Personalie die Spielweise der Münchner ändern würde. So gilt Coutinho vor allem als starker Vorlagengeber und ist prinzipiell wohl am ehesten in der Lage, durch punktgenaue Zuspiele auf Lewandowki auch aus der Zentrale heraus für Gefahr zu sorgen​. Um das Spiel der Bayern nicht allzu flügellastig zu gestalten, erscheint dieses taktische Werkzeug auf dem Papier eigentlich als die ideale Ergänzung.


Da der Zauberer vom Zuckerhut aber derzeit nicht in der Lage zu sein scheint, ​diese Qualitäten konstant auf den Rasen zu bringen, könnte man - auch um das Spiel nicht komplett ausrechenbar zu machen - wieder auf die Stärken von Müller setzen. Der 30-Jährige hat einen deutlich größerer Zug zum Tor und hat sich schließlich einst als Raumdeuter in ganz Europa einen Namen gemacht. Eine gesunde Konkurrenzsituation, bei dem beide Spieler allein aufgrund ihrer Leistungen beurteilt werden, wäre daher zielführender als der krampfhafte Versuch beide Spieler gleichzeitig spielen zu lassen, auch auf die Gefahr hin, dass sie sich gegenseitig eher hemmen, denn stärken.