​Am Samstag wartet auf den ​FC Bayern mit Aufsteiger ​Union Berlin eine Pflichtaufgabe. Der Rekordmeister braucht ​gegen die Eisernen nicht nur einen Sieg, sondern sollte sich auch deutlich stabiler zeigen, als in den vergangenen Partien. Fünfmal in Folge musste der FCB zwei Gegentore hinnehmen. Besonders Trainer Niko Kovac steht deshalb im Kreuzfeuer der Kritik. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Samstagnachmittag holte er zum Gegenschlag aus.


Angesprochen auf die Defensiv-Probleme seines Teams erklärte Kovac, dass die Defensive im Moment nicht gelinge. "Wir machen zu viele individuelle Fehler. Man muss Zweikämpfe führen und gewinnen. Wir müssen die Chancen des Gegners und die Gegentreffer minimieren", so der Bayern-Coach.

​​Da auf der anderen Seite des Platzes ebenfalls noch ordentlich Sand im Getriebe ist und allein Robert Lewandowski in Mega-Form immer wieder den Rettungsanker gibt, ​steht Kovac erneut mächtig in der Kritik. Nun könnte man meinen, dass die Aussage, die Defensive gelinge derzeit nicht, als eine Art Bankrotterklärung zu werten ist.


Kovac fordert mehr Respekt - und spürt Vertrauen der Bosse


Davon will Kovac aber nichts wissen - im Gegenteil. Auf der PK wurde der Kroate ziemlich deutlich mit seiner Kritik an den Medien. "Wir sind am achten Spieltag. Das deutet auf eine Tendenz hin. Es gibt genügend andere Mannschaften, bei denen man nach acht Spieltagen anfängt, alles in Frage zu stellen. Wir reden von Respekt, und das hat nicht viel mit Respekt zu tun, wenn man direkt auf den Trainer losgeht", erklärte Kovac.

Die Kritik und Zweifel an seiner Person komme ausschließlich von außen, bemerkte er. In den Medien würden häufig auch Minderheiten als Mehrheit dargestellt. Von den Klubbossen spüre er weiter das volle Vertrauen: "Ich kann Ihnen sagen: Ich bin mit meinen Chefs in Kontakt. Der Sturm wird eher von draußen reingeweht, von daher bin ich recht entspannt."


Kovac springt Favre beiseite


Eine Lanze wollte er bei seiner Kritik auch für Lucien Favre brechen, dem es derzeit ähnlich ergeht. "Man kann nicht, wenn man mal ein Spiel verliert, alles in Frage stellen. Favre ist genauso wie wir mit 15 Punkten Vierter. Und auf einmal ist alles schlecht. Da werden Namen gehandelt, das verstehe ich nicht. Warum immer auf Kosten des Trainers? Auf dem Rücken des Trainers? Es ist komisch, wenn alles immer nur auf eine Person projiziert wird. Der Trainer ist der, der alles leitet", so Kovac weiter.


Man erwarte Siege und darüber hinaus auch noch schönen Fußball. "Wir erwarten das auch. Aber man kann nicht immer schön spielen. An erster Stelle steht der Erfolg", befand er.


Was will Kovac bezwecken?


Erfolgreich ist Kovac derzeit aber nur bedingt. Und wie er ja schon selbst richtig bemerkte, ist der Trainer "der, der alles leitet". Diskussionen über einen Trainer sind deshalb kein neues Phänomen - gerade beim FC Bayern, und gerade wenn es nicht all zu gut läuft. Das müsste Kovac eigentlich am besten wissen.


Mit seiner Medienkritik will er wohl vor allem etwas Luft rauslassen. Dem FCB-Coach selbst wird es am meisten ärgern, dass der FC Bayern derzeit nur wenig mit der Souveränität vergangener Tage zu tun hat. Die Schuld daran liegt mit Sicherheit nicht bei den Medien, aber wohl auch nicht bei Kovac allein.


Aus menschlicher Sicht ist die Schelte deshalb auch nachzuvollziehen. Wirklich verstummen lassen kann er die Zweifel an seiner Person damit aber nicht. Es helfen einzig und allein Siege - und vor allem solche, bei denen der FC Bayern auch noch schön und souverän agiert.