Am Samstag kommt es zum wichtigsten Spiel der Hinrunde für ​Schalke 04 und ​Borussia Dortmund - das Revierderby steht an. Auch wenn man dieses Mal mit unterschiedlichen Vorzeichen aufeinandertrifft, ist es doch immer ein Spiel, das in beide Richtungen kippen kann. Das sind die Schlüsselpunkte aus S04-Sicht vor dem Spiel.

Das Derby zwischen dem S04 und dem BVB war, ist und bleibt immer ein ganz besonderes Duell. Man merkt es spätestens zu Beginn der jeweiligen Trainingswoche, dass das Revierderby ansteht und am Wochenende wieder zigtausend rivalisierende Fans auf dem Weg ins Stadion sein werden und man sich als anschließender Verlierer monatelang Sprüche der Siegermannschaft anhören darf.

In dieser Hinrunde trifft man jedoch mit mal unterschiedlichen Vorzeichen aufeinander. Während die Königsblauen in der letzten Saison gegen den Abstieg kämpften und Dortmund um die Meisterschaft mitspielte, konnten sie in "der verbotenen Stadt", wie es dann heißt, 4:2 gewinnen. Wie immer wird es auch dieses Mal wichtige Schlüsselpunkte geben, die über den Verlauf des Spiels entscheiden werden.

Gier, Wille und Leidenschaft - Grundtugenden werden überlebenswichtig


Im Fußball sind Motive wie der Wille, die Leidenschaft und die Gier das tägliche Brot für Spieler. Es sind vereinfacht gesagt grundlegende Tugenden, die man immer an den Tag legen muss, als Grundstein für alles Weitere. Im Derby werden diese aber nochmal doppelt so großgeschrieben. Es muss um jeden Meter gekämpft und jeder Zweikampf so angenommen werden, als wäre es der letzte. 

Marco Reus,Felix Zwayer

Die Mannschaft von David Wagner hat in den ersten acht Spielen der Saison gezeigt, dass sie auch als Einheit auf dem Feld agieren und funktionieren kann. Man hat nicht nur Fortschritte in der spielerischen Entwicklung machen können, hin zum geplanten Offensivfußball, sondern auch als geschlossenes Team hat man wieder einen großen Schritt nach vorne gehen können. 


Das ist auch wichtig, damit u. a. das Pressing und die Kompaktheit in den jeweiligen Situationen stimmen. So müssen die Schalker erneut beweisen, dass sie als Team funktionieren. 


Unabhängig von der spielerischen Marschroute, die Wagner ihnen mitgeben wird, muss man die enorm wichtigen, wenigen Prozentpunkte mehr zeigen, um einen Vorteil zu haben. So geschehen beim letzten Derby in Dortmund. 


Serdar- und McKennie-Rückkehr noch offen


Bei der Niederlage gegen die ​TSG Hoffenheim hat man gesehen, wie wichtig Suat Serdar und Weston McKennie derzeit für Schalke sind. Zwar hat man das Spiel über weite Teile stark dominiert, gut gespielt und wenig zugelassen - die fehlende Kreativität und Unberechenbarkeit haben jedoch deutlich gefehlt. Über die letzten Wochen hat man u. a. auch an den erzielten Toren gesehen, welche Relevanz das Mittelfeld innehat.

Serdar ist momentan in sehr guter Form. Durch die passende Aggressivität in den Zweikämpfen und im Pressing, dazu den wichtigen Laufwegen und der Cleverness vor dem Tor, hat er sich auch die Berufung zur A-Nationalmannschaft verdient. Dazu harmoniert er im Spiel gut mit Amine Harit, was für das Offensivspiel sehr wichtig ist. Dass dort etwas fehlt, hat man am Sonntagabend gemerkt.

Auch die Option, McKennie einsetzen zu können, wäre wertvoll. Als Spieler ist er jemand, der defensiv keinen Zweikampf scheut und sich zugleich auch offensiv einbringen kann. Dazu ist er vielseitig einsetzbar, was die gewisse, bereits angesprochene, Unberechenbarkeit ausmachen kann. Sollte man während des Spiels umstellen müssen, hat man in dem 21-Jährigen einen Spieler, den man flexibel einsetzen kann. Dementsprechend wäre es sehr wichtig, wenn beide für das Derby einsatzbereit wären.

Die Offensive muss wieder kaltschnäuziger werden - ein Chancen-Festival ist nicht zu erwarten


Auch wenn die Defensive der Dortmunder in den letzten Wochen nicht den besten Eindruck vermittelt hat, werden die Schalker keine Riege an zahlreichen Großchancen herausspielen können. Das hat man zwar gegen den ​SC Paderborn gut geschafft, doch auch ein kriselnder BVB ist eine ganz andere Hausnummer. 


Bereits gegen Hoffenheim hat man erlebt, wie ein eigentlich starkes Spiel ausgehen kann, wenn man nicht genug Großchancen herausspielt, und die wenigen Chancen dann nicht nutzt. 

Fans Schalke 04

Für Samstag wird es daher enorm wichtig, dass man wieder an Effektivität gewinnt. Ob der bzw. die Stürmer dann Guido Burgstaller, Ahmed Kutucu oder sonst wie heißen, ist zunächst zweitrangig. Um die womöglich gegebenen Schwächen der Defensive auszunutzen, und somit auch zeitgleich in nicht allzu große Gefahr der weiterhin sehr starken Dortmunder Offensive zu geraten, muss man deutlich effektiver werden. Im Derby wird man es sich nicht erlauben können, mit etwaigen Chancen leichtfertig umzugehen. 


4-2-3-1 oder wieder 4-4-2 mit Raute? Das Pressing wird wichtig


Während Wagner gegen vermeintlich schwächere Mannschaften wie Paderborn, ​Mainz 05 oder ​Hertha BSC auf das gewohnte ​4-2-3-1-System vertraue, weil man mit eigenen Ballbesitzanteilen mehr herausspielen wollte und musste, ist das 4-4-2 bislang die effektivste Methode im Bezug auf das Pressing. 


Sowohl gegen ​RB Leipzig, als auch gegen Hoffenheim ließ Wagner in der Rautenformation antreten und die Gegner sehr hoch und mutig anlaufen. Beide Male zahlte sich dies spielerisch - und gegen Leipzig auch rechnerisch - voll aus. 

Salif Sane

Auch gegen Dortmund wird es sehr wichtig sein, den Aufbau des Gegners zu vereiteln oder zumindest zu stören. Mit Axel Witsel beispielsweise hat der BVB einen Spieler, der durch wenige Aktionen im Mittelfeld gefährliche Angriffssituationen erspielen kann. So sollte ​die vermeintliche Schwachstelle, die Defensive, erneut früh angelaufen und gestört werden. Dadurch erscheint das 4-4-2 mit der Raute zunächst als beste und offensichtlichste Variante. 


So oder so wird viel darauf ausgerichtet sein, der BVB-Offensive wenn möglich erst gar nicht den Ball zu überlassen. Mit Spielern wie Marco Reus, Julian Brandt, Jadon Sancho und weiteren verfügt man über eine enorme Qualität, die sich mit wenigen Pässen vor ein Tor spielen kann. Dementsprechend werden Ballgewinne im obersten Drittel eine große Bedeutung haben.