​​Borussia Dortmund musste sich am Mittwoch ​Inter Mailand mit 2:0 geschlagen geben. Dabei wurden den Schwarz-Gelben von den deutlich zielstrebigeren Gastgebern ihre Grenzen schonungslos aufgezeigt. Vor allem die maue Offensivleistung der Borussen gab zu bedenken. Auffällig dabei, dass zum wiederholten Male der Ausfall von Stürmer Paco Alcacer nicht im Ansatz kompensiert werden konnte.


In den vergangen Jahren wurde zumeist Dortmunds Erzrivale ​FC Bayern München heftig dafür kritisiert, in der Sturmspitze mit Robert Lewandowski auf nur ein, wenn auch äußerst treffsicheres, Pferd zu setzen. Doch mittlerweile sind es die Borussen, die in vorderster Front noch ausrechenbarer erscheinen und überhaupt keinen schlagkräftigen Plan B auf den Platz bringen können.


BVB ohne Reus und Alcacer harmlos


Seit nunmehr vier Pflichtspielen müssen die Borussen auf die Dienste ihres spanischen Torjägers verzichten, der zuerst mit einer Achillessehnenverletzung zu kämpfen hatte und nun von muskulären Problemen ausgebremst wird. Zuletzt hatte daher ​Kapitän Marco Reus, noch mehr als ohnehin schon, die Offensive der Schwarz-Gelben geschultert. 


Gegen Inter fiel nun auch der Nationalspieler der Borussen angeschlagen aus und hinterließ eine Lücke, die die Dortmunder nicht im Ansatz zu schließen vermochten. Nicht von ungefähr verwies ​Sportdirektor Michael Zorc laut dem Spiegel nach Abpfiff sofort darauf, dass man bei der Bewertung der Niederlage ​nicht vergessen dürfe, "dass unsere beiden besten Torschützen nicht dabei" waren.

1. FC Koeln v Borussia Dortmund - Bundesliga


Etwas mehr als die erbrachte Leistung im Guiseppe Meazza wäre aber mit Sicherheit dennoch zu erwarten gewesen, schließlich konnte man im Gegensatz zu den Vorwochen die Schlappe nicht auf eine zu verschwenderische Chancenverwertung schieben - da sich der BVB schlichtweg kaum aussichtsreiche Tormöglichkeiten erarbeiten konnte.


Brandt auf ungeliebter Position komplett verschenkt


In Abwesenheit der beiden Goalgetter setzte Coach Lucien Favre gegen die Nerazzurri ​auf ein 3-4-3-System und schenkte ​Julian Brandt in der Sturmspitze das Vertrauen. Wie bereits bei den ersten Gehversuchen auf dieser ungewohnten Position, hinterließ der ehemalige Leverkusener aber auch an diesem Abend in seiner Rolle als falsche Neun einen sehr unglücklichen Eindruck.


Das Spielerprofil von Julian Brandt

Position​LA​
​Alter​23
​Marktwert​50 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2024
​BVB-Spiele​11
​BVB-Tore​1
​BVB-Vorlagen​2

(Marktwert laut transfermarkt.de)


Wirklich überraschend dürfte dies für keinen Fußballfan sein, schließlich ist Brandt seit jeher dafür bekannt, eher aus der Tiefe des Raumes zu agieren und sich erst durch schnelles Kurzpassspiel in den Strafraum zu kombinieren oder gar aus der zweiten Reihe den Abschluss zu suchen. Gegen ​Inter wirkte der Nationalspieler daher teilweise regelrecht überfordert und hatte nicht das nötige Timing für einen Mittelstürmer. Immer dann, wenn er im Zentrum gebraucht wurde, hatte er sich zuvor nach hinten fallen lassen - und umgekehrt.


Auch Sebastian Kehl, seines Zeichens Leiter der Lizenzspielerabteilung der Borussia, räumte nach der Partie ein, dass es vor allem an der "Strafraumbesetzung" gehapert habe. Dabei agierte längst nicht nur Brandt wirkungslos, auch Thorgan Hazard bekleidete phasenweise das Zentrum, konnte aber ebenfalls kaum etwas ausrichten. Von der Spielanlage her passt auch der junge Belgier ohnehin nicht in die vorderste Front und gilt vielmehr als ausgewiesener Flügelspezialist.


BVB braucht einen echten Backup


Einer, der in der Vergangenheit durchaus unter Beweis stellen konnte, dass er sich in die Rolle einer falschen Neun hineinfuchsen kann, ist Mario Götze. Der 27-Jährige hat unter Favre aber weiterhin einen sehr schweren Stand und so wurde dem Weltmeister von 2014 auch beim Spiel in Mailand noch Jacob Bruun Larsen als Einwechselspieler vorgezogen. Dass auch der junge Däne eigentlich kein ausgemachter Mittelstürmer ist, setzt dem Ganzen die Krone auf.


Summa summarum lässt sich festhalten, dass den Borussen ein weiterer echter Stürmer definitiv gut tun würde. Da sowohl Reus als auch Alcacer sehr verletzungsanfällig sind, kann es im Nachhinein als regelrecht töricht bezeichnet werden, dass man sich im Sommer auf dieser Position trotz ausreichend finanzieller Mittel nicht breiter aufgestellt hat. Etwaige Unruhen durch aufkommende Konkurrenzkämpfe muss ein Spitzenklub und auch ein erfahrener Coach wie Lucien Favre schließlich aushalten können.


Sollte keine der anderen Offensivkräfte in den kommenden Wochen und Monaten eine (aktuell kaum vorstellbare) Veränderung an seiner Spielweise vornehmen, sollte im Winter daher über einen Backup fürs Sturmzentrum nachgedacht werden. Eine komplette Abkehr vom ​angedachten Matchplan Favres muss daher nicht einmal zwingend einhergehen, ein Plan B in der Hinterhand könnte aber bei einer hoffentlich auch international langen Saison der Dortmunder noch sehr wichtig werden.