Die Personalsituation beim FC Bayern München ist angespannt. Aus dem ohnehin dünnen Kader brechen mit Niklas Süle und Lucas Hernandez zwei absolute Säulen weg. Alles andere, als einen Ersatz im Winter zu verpflichten, würde die Saisonziele akut gefährden. Bei einem möglichen Neuzugang ist aber Fingerspitzengefühl gefragt.


Trotz eines untypisch schmalen Kaders herrschte und herrscht beim FC Bayern in dieser Saison ein scharfer Konkurrenzkampf. Im Defensivbereich wurden die Spannungen nun aber dadurch aufgeweicht, dass nach dem Kreuzbandriss von Niklas Süle auch noch Lucas Hernandez ausfällt. Nach aktuellem Stand bleibt Kovac nur die eine Option: Joshua Kimmich muss wieder nach hinten Rechts, Jerome Boateng und Benjamin Pavard sind im Abwehrzentrum gesetzt; und mit einer offensiveren Variante als Javi Martinez im defensiven Mittelfeld zu spielen, wäre fatal.


Damit stellt sich die Defensive von Niko Kovac von selbst auf. Allerdings nicht gerade mit seinen Wunschspielern (Boateng, Martinez) respektive -positionen (Kimmich, Pavard). Sollte ein weiterer Abwehrspieler ausfallen, bricht dem deutschen Rekordmeister der Boden unter den Füßen weg. Bei anhaltendem Tanz auf drei Hochzeiten, die die Bayern allesamt mehr zu fordern scheinen, als gewohnt, ist das aktuell ein absolutes Horrorszenario. Dass Präsident Hoeneß nach dem Hernandez-Ausfall an seiner Linie festhält, keinen Ersatz für Niklas Süle zu verpflichten, ist unwahrscheinlich - bei Hoeneß aktuell aber auch nicht restlos auszuschließen.


Gehen die Bayern ohne einen Neuzugang in die Rückrunde, kommt das einem Russischen Roulette gleich. Sich darauf zu verlassen, dass Lucas Hernandez nach der Winterpause wieder bei 100 Prozent ist und bleibt, wäre utopisch. Der französische Weltmeister kam im Sommer bereits verletzt nach München und war schon im Zuge der Länderspielpause angeschlagen. Ohne Pause die gesamte Rückrunde durchzuspielen, sollte für den Neuzugang von Atletico Madrid nicht drin sein. Alternativen gibt es - Stand jetzt - keine. Sein Nebenmann Jerome Boateng würde den Verein lieber gestern als heute verlassen und ist plötzlich unangefochtener Stammspieler. Die Kadersituation beim FC Bayern passt einfach nicht.


Hernandez-Ausfall hin oder her: Die Bayern brauchen einen Neuen


Mittelfristig gesehen braucht der Deutsche Rekordmeister ohnehin einen neuen Innenverteidiger. Jerome Boateng wird sein Glück an der Isar nicht mehr finden und sich wohl - spätestens am Saisonende - einen neuen Verein suchen. Dass die Bayern langfristig mit Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger und entsprechend mit Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld planen können, zeigte sich im bisherigen Saisonverlauf eindrucksvoll. Sprich: Es braucht in Zukunft einen dritten starken Innenverteidiger neben Niklas Süle und Lucas Hernandez, der auch immer mal wieder hinten Links aushelfen wird. Warum also nicht schon in diesem Winter?


Immerhin ist weder bei Hernandez, noch bei Süle klar, wie schnell beide nach ihren Verletzungen wieder funktionieren werden. In dieser Saison wirkte die Bayern-Defensive ohnehin selten sattelfest, ohne Süle-Ersatz droht dem Rekordmeister der Super-Gau - sprich: kein Titel am Saisonende. Einen Ersatz im Winter zu verpflichten ist daher - oder sollte es zumindest sein - alternativlos. Auf dem ohnehin schwierigen Markt zum Jahreswechsel müssen die Verantwortlichen allerdings Fingerspitzengefühl beweisen und den Spagat aus Sofort-Lösung und Perspektive für die Zukunft meistern. 


Die perfekte Lösung für den FC Bayern gibt es nicht


Welche Namen aktuell auf dem Markt sind, wäre spekulativ. Möglich wäre, dass die Bayern einen jungen Verteidiger mit Perspektive verpflichten, der in die Bresche springen könnte, wenn Boateng und Hernandez nicht fit sind; in diesem Fall würde sich allerdings ein Spieler anbieten, der bereits Bundesliga-Erfahrung vorzuweisen hat. Eine weitere Option wäre es, einen gestandenen Verteidiger mit Kaufoption auszuleihen, der als Sofortlösung funktioniert und sich künftig als drittes oder viertes Glied hintenanstellen würde. Das sind sicher keine optimalen Lösungen, doch das ist ein Notnagel selten.


Ein Name, der nicht unter den Tisch fallen darf, ist Lukas Mai. Die Bayern verlängerten seinen Vertrag letzte Woche bis 2022. Hasan Salihamidzic schätzt den 19-Jährigen als "eines unserer größten Talente" ein. Wenn die Bayern ihrer dezidierten Neuausrichtung, wieder Talente aus dem eigenen Stall einzugliedern, gerecht werden wollen, muss Lukas Mai spätestens nach der Saison fester Bestandteil der Profis werden. Das würde eher dafür sprechen, einen erfahreneren Verteidiger im Winter zu verpflichten, der solange den Platz warm hält, bis Mai in seiner Entwicklung weit genug ist, um bei den Profis zu spielen. 


Das Horror-Szenario für Bayern-Fans wäre es trotz eines Lukas Mai in der Hinterhand, wenn der Deutsche Rekordmeister keinen Ersatz verpflichtet. Dann heißt es beten, dass sich Jerome Boateng, Javi Martinez und Lucas Hernandez irgendwie durch die Saison schleppen und gleichzeitig ihre Leistungen bringen. Zumindest die Champions League könnte sich der FC Bayern damit aber eigentlich abschminken. Die Bayern sollten also schleunigst ihre Scouts aussenden und den Markt sondieren; es braucht eine schnelle und effiziente Lösung.