​Heimlich, still und leise hat sich ​Robin Gosens bei Atalanta Bergamo in den letzten beiden Jahren zu einem unverzichtbaren Spieler entwickelt. Auch in der Bundesliga hat man den 25-jährigen Außenverteidiger seit geraumer Zeit auf dem Zettel. Ein Wechsel zum FC Schalke 04 in diesem Sommer scheiterte am vehementen "Nein" der Norditaliener. 


Heute Abend (21.00 Uhr) geht es für Gosens und seine "Göttliche" (wie der Klub in Italien genannt wird) zum wohl schwierigsten Gegner der Champions-League-Gruppe C: ​Manchester City.


Der Auftakt mit zwei Niederlagen (gegen Dinamo Zagreb und Schachtar Donezk) ist durchaus noch ausbaufähig. Dennoch lebt der in Emmerich am Rhein geborene Gosens momentan seinen ganz persönlichen Traum: Königsklasse. Im Interview mit Sport1 sagt er:


Champions League "was ganz Besonderes"


"Es ist was ganz Besonderes, keine Frage. Jeder von uns weiß, dass Champions League im Klubfußball das Maximale ist, was du zocken kannst. Wenn du dann dort das erste Mal auf dem Platz stehst und die Hymne hörst, musst du schon sehr abgezockt und kühl sein, wenn das nichts mit dir macht. Ich hatte Gänsehaut und gedacht: 'Wie geil! Was geht hier eigentlich ab?' Das versuchst du im Spiel natürlich auszuschalten, aber vielleicht ist unbewusst doch eine gewisse Nervosität da, oder du hast den Drang, noch mehr zu machen als sonst, und machst dadurch Fehler, weil du versteifst. Ich glaube, das sind schon Gründe, die gerade in der ersten Partie eine Rolle gespielt haben." 


Ausgerechnet jetzt, da Atalanta zum ersten Mal am wichtigsten Fußball-Wettbewerb für Vereinsmannschaften teilnimmt, wird deren Stadion renoviert. Die Champions-League-Heimspiele tragen die Schwarz-Blauen deshalb im eine Autostunde entfernten San Siro von Mailand aus. Das Stadion dort, so Gosens, sei zwar toll und beeindruckend - doch bei den Atalanta-Spielen eben auch nur halb gefüllt.


"Ich spiele lieber im eigenen Hexenkessel, da haben wir dann die Hütte voll, dort ist es noch mal viel geiler, und das würde den Gegner noch mehr beeindrucken", so Gosen zu dieser Situation. 

Was in im Gewiss-Stadium, in dem die Norditaliener nun zumindest schon ihre heimischen Liga-Spiele austragen, alles möglich ist, hat das Eröffnungsspiel gegen US Lecce gezeigt: "Unsere Ultra-Kurve ist jetzt näher am Feld, da ist keine Distanz mehr. Da hast du das Gefühl, die stehen direkt mit dir auf dem Platz. Die Jungs auf den Rängen haben das Stadion auch gut eingeweiht und noch ein bisschen mehr Körner rausgeholt als sonst, glaube ich. Das war schon sehr beeindruckend."


So beeindruckend wie die letzten Jahre seiner noch jungen Karriere. Durch konstant gute Leistungen hat sich der Abwehrspieler mittlerweile in einen illustren Kreis gespielt: den der zehn teuersten deutschen Fußballspieler, die (noch) kein Länderspiel absolviert haben. Sein aktueller Marktwert liegt bei zwölf Millionen Euro. Die Schalke wohl bereit gewesen wäre, zu zahlen. Doch am Ende verweigerten die Atalanta-Bosse die Freigabe. Für Gosens dennoch kein Grund, Trübsal zu blasen oder unzufrieden zu sein. 


Ziel: Bundesliga


"Atalanta weiß, dass ich von der Bundesliga träume. Und beim Ziel Schalke geht es ja auch um die Nähe zur Familie. Ich bin 50 Kilometer entfernt von Gelsenkirchen aufgewachsen, habe noch viele Freunde dort. Aber wenn Atalanta auf mich setzt und mich nicht gehen lassen will, stelle ich mich natürlich nicht quer. Zwar gibt es prominente Beispiele von Spielern, die sich weggestreikt haben. Aber das gehört sich nicht. Man hat sich an seinen Vertrag zu halten. Und der Verein hat dich ja mal gekauft, Vertrauen in dich gehabt und dir die Plattform gegeben. So war es bei mir: Atalanta hat mich damals als No-Name-Spieler aus den Niederlanden gekauft, mich aufgebaut. Ich finde es respektlos, sich einfach wegzustreiken."


Traum von der Nationalmannschaft


Einen anderen Traum hegt Gosens ebenfalls: nämlich das Trikot der DFB-Elf tragen zu dürfen. Bislang gab es noch keinen Anruf von Jogi Löw. Doch Gosens lässt sich dadurch nicht beirren. Im Gegenteil: mit wohltuender Bescheidenheit lässt er keinen Zweifel daran, dass er mit dem bislang Erreichten sehr zufrieden ist - und weiter an einer Nominierung arbeitet: "Meine subjektive Meinung ist, dass ich mich qualitativ nicht mehr weit weg von der Nationalmannschaft befinde und ich dort eine Rolle spielen könnte. Ich habe zwei Jahre lang Serie A auf Top-Level gespielt, habe Europa League gespielt, spiele dieses Jahr Champions League. Entsprechend habe ich schon die Ambition, mich für die Nationalmannschaft zu empfehlen. Das geht aber nur über harte Arbeit, und dann muss ich hoffen, dass der Bundestrainer genauso darüber denkt."


Auf das leidige Thema Rassismus angesprochen (am Wochenende gab es leider wieder Vorkommnisse in dieser Richtung beim Spiel Sampdoria Genua gegen AS Roma) wird Gosens deutlich und bezieht klare Kante: "Rassismus ist Rassismus. Wer das herunterspielt – da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Affenlaute oder andere rassistische Äußerungen sind einfach nur scheußlich und abartig. Da sind wir als Spieler in der Pflicht, uns immer wieder klar dagegen zu positionieren, wie auch die Vereine und die Gesellschaft generell, um den Rassisten klarzumachen, dass das abscheuliches Verhalten ist. Von den Spielern kommt auch viel Kontra, ehrliches Kontra, und das müssen wir weitermachen, damit die Kacke endlich mal aufhört."

Nicht aufhören will Gosens mit seiner unaufhaltsamen Karriere. Gut möglich, dass er in den nächsten Jahren seine Zelte in der Bundesliga aufschlägt. 


Gosens Karriere in Kürze:

Klub​​Zeitraum​Liga-SpieleTore​
​Jong Vitesse​2013-2015​130
​FC Dordrecht (Leihe)​2014-2015​51​3
​Heracles Almelo​2015-2017​60​4
​Atalanta Bergamo​2017-​56​7

(Quelle: wikipedia.de)