​Im Jahr 2003 kaufte die amerikanische Glazer-Familie den englischen Traditionsklub ​Manchester United für umgerechnet 790 Millionen Pfund. Durch die Anhängerschaft ging damals ein Aufschrei der Empörung. Man fürchtete, dass der Klub zum reinen Spekulationsobjekt verkommen könnte. Dreizehn Jahre später machen Gerüchte über einen neuen Verkauf die Runde.


Die Bilanz unter den Glazers liest sich gar nicht mal so schlecht: sechs Meisterschaften, zwei Pokalsiege, der Europa League-Sieg 2017 und - ganz wichtig! - der ​Champions-League-Triumph von 2008 (gegen Chelsea) sind keine so schlechte Ausbeute. Wenn man entsprechende Maßstäbe ansetzt.


Sportlicher Abstieg in den letzten Jahren


Doch die Red Devils sehen sich traditionsgemäß auf einer Höhe mit den ganz Großen im Weltfußball. Und angesichts von vier Champions-League-Triumphen der Königlichen aus Madrid im selben Zeitraum, relativiert sich die Bilanz ein wenig. Und elf Jahre, die seit dem Finale von Moskau mittlerweile ins Land gegangen sind, sind im Fußball doppelt so lang - also eine halbe Ewigkeit. 


Auch unter Erfolgscoach ​José Mourinho (2016-2018) gab es keinen neuen Höhenflug. Zwar wurde die Europa League vor zwei Jahren gewonnen, doch dies alles andere als überzeugend, geschweige denn berauschend. 


Überzeugenden, berauschenden Fußball müssen die Fans im Old Trafford schon zu lange entbehren. Die allgemeine Stimmung im Theater der Träume ist seit Jahren, sagen wir mal, optimierungsfähig. 


Von daher könnten die neuesten Gerüchte erheblichen Zündstoff bergen: Die Marca, die sich wiederum auf nicht genannte Quellen in England beruft, verkündet nämlich, dass der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman ein Kaufangebot vorbereitet. Angeblich soll er bereit sein, drei Milliarden Euro für die Aktienmehrheit hinzublättern. 


Eigentlich hatten die Glazers nicht vorgehabt, den Verein schon jetzt zu verkaufen. Dass sie es irgendwann mal tun würden, stand jedoch auch so gut wie fest. Jetzt könnte die aktuelle sportliche Abwärtsentwicklung, die entsprechende finanzielle Verluste mit sich bringt, die amerikanischen Eigentümer zum Umdenken bewegen. 


Chevrolet kündigt Sponsorenvertrag


Der Trikotsponsor Chevrolet hat in diesem Zusammenhang bereits angekündigt, den noch bis 2021 laufenden Vertrag nicht zu verlängern. Der amerikanische Autobauer zahlt den Engländern für den 2014 geschlossenen Sponsorenvertrag satte 410 Millionen Pfund. Grund für Chevrolets Entscheidung: Die Bosse des Mutterunternehmens General Motors sollen unzufrieden mit der sportlichen Entwicklung des Klubs sein. 


'Doch muss es ausgerechnet bin Salman sein?', könnte man sich aus Sicht der United-Fans fragen. Zur Einordnung: Bin Salman gilt als Drahtzieher des Mordes an dem saudi-arabischen Journalisten Kashoggi, der nach seinem Betreten der saudischen Botschaft in Istanbul nicht mehr lebend gesehen wurde. Die politische Verantwortung dafür hat bin Salman auch kürzlich übernommen. Nur mit dem Mord selbst will er nichts zu tun gehabt haben. 


Wenn also vor dreizehn Jahren die Empörung unter den Fans der Red Devils groß war, als der Klub in amerikanische Hände gelangte, kann man von einem Tsunami der Entrüstung ausgehen, wenn dieser geplante Deal mit dem saudi-arabischen Königshaus tatsächlich über die Bühne geht.