Der Videobeweis erhitzt an jedem Fußball-Wochenende die Gemüter. Noch immer wird das Konzept, das mehr Fairness und Klarheit in den schnellen Sport bringen soll, äußerst schlecht umgesetzt. Auch an diesem Spieltag hat sich erneut gezeigt: So funktioniert das nicht!


Es ist wichtig, zwei Dinge auseinanderzuhalten. Auf der einen Seite hat man die Möglichkeit und das Konzept des Videobeweises mitsamt der Video-Schiedsrichter und der Kommunikation bzw. Transparenz. Auf der anderen Seite gibt es die derzeitige Umsetzung dessen. Das, was einen so positiven Einfluss haben könnte, und teilweise auch schon hat, wird dennoch schlecht und fragwürdig umgesetzt. 


Fragwürdiges (Nicht-)Eingreifen, zu lange Dauer, wenig Transparenz und und und...


Immer wieder kommt es zu Situationen mit dem VAR, die sowohl Trainer, Spieler, als auch Fans und Experten ratlos zurücklassen. Dabei bietet der Videobeweis mit der dazugehörigen modernen, technischen Ausstattung die Möglichkeit, es so viel besser zu machen. Das übergeordnete Problem: Er bringt in der ​Bundesliga weiterhin mehr Diskussionen und neue Fragen, als Lösungen. 


In der Entscheidungsfindung an sich wird es immer wieder mögliche Fehler geben. Schließlich sitzen auch vor den Bildschirmen nur Menschen. Nichtsdestotrotz passieren immer wieder Fehler in der Umsetzung, die so nicht passieren dürfen. Beim Spiel zwischen dem ​1. FC Köln und dem ​SC Paderborn wurde eine Situation im Spiel laufen gelassen, und damit ein Tor erzielt. Soweit so gut, denn dann darf der Videobeweis auf mögliche Unzulänglichkeiten überprüfen. In diesem Fall ging es um eine mögliche Abseitsposition. An den heimischen TV-Geräten konnte der Zuschauer in der ersten Wiederholung erkennen, dass es ein reguläres Tor und somit offensichtlich kein Abseits war. Das alles in ungefähr 20 Sekunden. Auf dem Platz brauchte man mit dem Videobeweis ganze zwei Minuten und 24 Sekunden. Das darf nicht sein.

"Wo bleibt denn da der Videoschiedsrichter?!" - Jeder Fan, gefühlt jede zweite Woche


Auch beim Topspiel am Samstagabend zwischen ​Borussia Dortmund und ​Borussia Mönchengladbach gab es erneut Fragen. Das wegen einer sehr knappen Abseitsposition zurückgenommene Tor von Thorgan Hazard war zwar ein guter Einsatz, doch auch hier die Umsetzung fragwürdig. So kam der Impuls zur Überprüfung erst vom Linienrichter, der sich nach Abschluss der Szene unsicher war - zuvor, so wurde es kommuniziert, hätte der VAR erst gar nicht überprüft. 


Später gab es eine Szene bei einem Zweikampf zwischen Mats Hummels und Patrick Herrmann, bei der Hummels den Gladbacher am Fuß erwischte, ihn kurz vor dem Tor umgrätschte und der Gladbacher deshalb am Abschluss gehindert wurde. Dass die Schiedsrichter auf dem Platz  eine Ecke für die Fohlenelf gaben, zeigte eindeutig, dass man davon ausging, Hummels hätte den Ball gespielt - was eben nicht der Fall war. Der VAR hätte sich melden und eine erneute Beobachtung der Szene empfehlen können. Primär, weil Schiedsrichter Sascha Stegemann den Zweikampf (der undurchsichtig war) grundlegend falsch einschätzte und bewertete. 


Das waren jedoch nur drei Beispiele in zwei einzelnen Spielen. Themen wie die Transparenz für Stadionbesucher und TV-Zuschauer sind ebenfalls im höchsten Grade verbesserungswürdig, die schnelle Umsetzung simpler Szenen wird noch immer vermisst, die Emotionen werden nach Torerfolgen anders wahrgenommen. So wie das Hilfsmittel des Videobeweises immer wieder umgesetzt wird, ist er keine Hilfe.

An anderen Stellen funktioniert es deutlich besser - viel Arbeit steht an


Bei der Weltmeisterschaft 2018, als man befürchtete, die mit dem VAR ungeübten Schiedsrichter würden für Probleme und hitzige Debatten sorgen, lief es über weite Teile sehr reibungslos. Schiedsrichter aus Asien, aus Afrika und anderen Teilen der Welt, die zuvor nie mit dem Videobeweis gearbeitet hatten, trafen schnelle und richtige Entscheidungen. Es wurde kurz kommuniziert, oftmals der schnelle Schritt nach draußen zum Bildschirm gesucht, und innerhalb weniger Szenen die jeweilige Entscheidung getroffen - so wünscht man es sich seit mittlerweile über zwei Jahren auch auf nationaler Ebene. 


Auch wenn es in anderen Ligen ähnliche Probleme gibt, wie gestern beim ​Duell Manchester United gegen den FC Liverpool, muss sich vor allem der Verband in Deutschland weiterhin die Frage stellen, was man ändern und verbessern kann. Der Videobeweis muss endlich zu dem ersehnten Mittel der schnellen Fairness werden, mit dem möglichst wenige Fragen offen bleiben. Weil das bislang keineswegs der Fall ist, besteht noch immer dringender Handlungsbedarf.