Am achten Spieltag setzte es für ​Schalke 04 erst die zweite Niederlage der laufenden Saison. Dabei drückt die Art und Weise viel mehr auf die noch immer gute Stimmung, als die verlorenen drei Punkte an sich. Der früher oder später zu erwartende Rückschlag kam allerdings zur Unzeit: Das Derby steht an.


An zwei Spieltagen hintereinander hatte der FC Schalke die Möglichkeit, sich die Tabellenführung zu schnappen. Das wäre ohne jede Frage ein rein symbolischer Wert gewesen, der vor allem die schnellen und erfolgreichen ersten Schritte der Entwicklung der Mannschaft unter David Wagner gezeigt hätte. Dass man es zweimal verpasst hat, diesen Schritt zu gehen, ist an sich alles andere als fatal - dennoch kommt dieser Rückschlag nach der bitteren ​2:0-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim, auch mit seiner Art und Weise, zur Unzeit. 


Weiterhin wichtige Fortschritte - das Derby nach dem Rückschlag


Zunächst ist es wichtig festzuhalten, ​dass der S04 weitere Fortschritte gemacht hat. Auch am gestrigen Abend zeigte die Mannschaft neue Facetten in ihrem Spiel auf - eine solch dominante und sichere erste Halbzeit hat man seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen. Das sehr frühe und hohe Pressing funktionierte gut, durch gemeinsames Auftreten und die Disziplin im Spiel kamen die Königsblauen immer wieder schnell in Ballbesitz. Die Mannschaft von Alfred Schreuder hingegen sah aus, als wäre sie eingeschüchtert gewesen. 


Dass es mit dieser Entwicklung weiter vorangeht, ist mittel- und langfristig sehr wichtig. Dass man irgendwann ​in den kommenden Wochen einen Rückschlag einstecken muss, war abzusehen und jedem klar. Doppelt ärgerlich sind nun aber die Umstände: Zum einen, weil man ein Spiel wie am gestrigen Abend niemals verlieren darf. Eigentlich wäre das Schlimmste ein Unentschieden gewesen, bei dem man an der eigenen Chancenverwertung gescheitert ist. Zum anderen, weil am kommenden Samstag das wichtigste Spiel der Hinrunde ansteht: Das Derby gegen ​Borussia Dortmund


Sobald man die Revierderbys über mehrere Jahre beobachtet, weiß man, dass die jeweilige Form vor diesem Spiel kein bisschen aussagekräftig ist. Wer sich nur an das letzte Duell im April erinnert, wird das bestätigen. Dass man auf Schalke nicht den komplett positiven Schwung ins Derby mitnehmen wird, weil allen voran dennoch eine Niederlage steht, ist dann eben doch eine Art Rückschlag. Gleichzeitig hat der BVB ein für sich enorm wichtiges 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach über die Bühne bringen können.

Schalke lernt - die richtigen Schlüsse aus starken 70 und schwachen 20 Minuten ziehen


"Wir lernen", betont David Wagner immer wieder. Und damit hat er auch völlig recht. Mannschaft und Trainer müssen lernen, aus solch dominanten Auftritten auch einen verdienten Sieg einzufahren. Nach gerade einmal dreieinhalb Monaten Zusammenarbeit kann und darf es immer wieder Stellen geben, an denen bestimmte Dinge nicht so funktionieren, wie man sie sich vorstellt oder wünscht. Aus der viel zu geringen Torgefahr gestern und gegen den ​1. FC Köln am Spieltag zuvor, wird Wagner die richtigen Schlüsse ziehen müssen - und das nicht nur in Bezug auf das anstehende Derby in der heimischen Veltins-Arena. 


Man merkt auf Schalke: The trend is your friend, auch wenn es heute noch immer schmerzen kann, gestern nicht nur nicht gewonnen, sondern sogar verloren zu haben. TSG-Trainer Schreuder nannte den S04 den "bisher schwersten Gegner", gegen den man hat spielen müssen, und nahm dabei absichtlich den ​FC Bayern nach außen. Auch das ist eine Bestätigung der Schalker Form. 


Die Belohnung für das über ganz weite Strecken gute Spiel wird man sich dann am Samstag abholen wollen und mit dem Schwung aus einem Derby-Sieg in den darauffolgenden Spielen auch den einen oder anderen Ball mehr über die Linie drücken müssen. Die S04-U19 hat es am gestrigen Vormittag bereits vorgemacht: Mit einem sicheren 4:0 konnte man in Dortmund gewinnen, und das auch durch einen couragierten und leidenschaftlichen Auftritt.