Die Enttäuschung über die ​0:3-Niederlage bei Eintracht Frankfurt war den Profis von Bayer Leverkusen deutlich anzumerken. Die Spieler fanden ebenso klare Worte für die schwache Leistung wie Trainer Peter Bosz, der das erlaubte Wechselkontingent am liebsten überschritten hätte.


Ob ein "gebrauchter Tag" oder eine "miserable Anfangsphase", bei Bayer Leverkusen waren sich alle einig: So, wie am Freitagabend in der Commerzbank-Arena, darf man in der Bundesliga nicht auftreten. In einer schlampigen Anfangsphase der Gäste erzielte Goncalo Paciencia nach nur vier Minuten mit der ersten Chance des Spiels die Führung für die Frankfurter Eintracht, eine knappe Viertelstunde später erhöhte der Portugiese per Handelfmeter auf 2:0. 


Speziell in den ersten 20 Minuten war die Werkself überhaupt nicht im Spiel. Nach dem Seitenwechsel war eine Leistungssteigerung zu erkennen, die Chancenverwertung machte der Elf von Peter Bosz aber einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Die Quittung: Bas Dost besiegelte mit seinem dritten Saisontor den 3:0-Endstand. Es war das achte Tor des Niederländers im sechsten Pflichtspiel gegen die Werkself, nur gegen Excelsior Rotterdam (9) und dem aktuellen portugiesischen Zweitligisten GD Chaves (12) traf er häufiger.


Klare Analyse statt Zurückhaltung


"Die ersten 20 Minuten waren inakzeptabel", klagte Gäste-Keeper Lukas Hradecky, der einen ungemütlichen Abend an seiner alten Wirkungsstätte erlebte (zitiert via RP Online). Angreifer Kevin Volland pflichtete ihm bei: "Solche 20 Minuten wie zu Beginn dürfen uns nie wieder passieren – nicht bei diesem Verein und nicht unter diesem Trainer."


Beim klubeigenen Sender Bayer 04-TV legte Hradecky nach: "Da war keine Zweikampfstärke, zu viel Platz zwischen den Linien, und dann haben sie das auch effektiv genutzt." Auch das "Spielglück" habe gefehlt, so der Finne, der trotz der Leistungssteigerung in Durchgang zwei resümierte: "Das war nicht gut von uns. [...] Das darf uns nicht mehr passieren."


Einen besonders bitteren Abend erlebte Mitchell Weiser. Der Rechtsverteidiger begann zum dritten Mal in Folge in der Startelf, nach nur 30 Minuten wurde er von Bosz für Karim Bellarabi ausgewechselt. "Wir mussten reagieren", begründete der 55-Jährige diese Entscheidung, allein an Weiser habe der schwache Auftritt aber nicht gelegen. "Ich darf nur dreimal wechseln, sonst hätte ich womöglich noch mehr Spieler herausgenommen."


Baumgartlingers "Worst Case"


Aus Sicht von Julian Baumgartlinger verlief der gestrige Abend "auf ganzer Linie enttäuschend. Die erste halbe Stunde war nicht würdig, so kann man nicht auftreten. Da waren wir viel zu passiv." Das frühe Gegentor bezeichnete der Österreicher als "Worst Case. Das gibt erst einmal ein schlechtes Gefühl."


Die mangelnde Chancenverwertung sei "das zweite Manko", allerdings, so Baumgartlinger, hätte man das Spiel "von vornherein enger halten" müssen. "Dann", so der 31-Jährige, ​der kürzlich seinen Vertrag ​bis 2021 verlängerte, "ist man nicht darauf angewiesen, dass einem auch mal einer reinrutscht."


Die Werkself, unterstrich er, wusste, was sie in Frankfurt erwarten würde; verhindern konnte sie die zweite Niederlage aus den vergangenen drei Pflichtspielen aber nicht. Wie schon in der Vorsaison drückt gegen die direkte Konkurrenz der Schuh, nach dem 0:4 bei Borussia Dortmund und dem 1:1 gegen RB Leipzig erlebte Leverkusen in Frankfurt die nächste Enttäuschung. Mannschaft und Trainer müssen sich gemeinsam weiterentwickeln, um die Big Points im Kampf um die internationalen Plätze gerade in der Rückrunde nicht zu verpassen.