Vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel des FC Bayern München beim ​FC Augsburg stehen hinter einigen Akteuren des Rekordmeisters ein Fragezeichen. Dazu zählt auch Thomas Müller, dessen Reservistenrolle für ausreichend Diskussionsstoff sorgt. Auch nach der Länderspielpause könnte der 30-Jährige auf der Bank sitzen, dabei ist die Chance auf einen Einsatz von Beginn an so groß wie lange nicht.


Die vielleicht wichtigste Baustelle für Niko Kovac, der am Dienstag seinen 48. Geburtstag feierte, ist die linke Abwehrseite. Lucas Hernández wurde im ersten der zwei EM-Qualifikationsspiele von Weltmeister Frankreich gegen Island (1:0) geschont, ​beim 1:1 gegen die Türkei stand der 23-Jährige aber wieder über 90 Minuten auf dem Platz.


Aufgrund einer Verletzung am Knie verpasste Hernández die beiden vergangenen Pflichtspiele gegen Tottenham Hotspur (7:2) und 1899 Hoffenheim (1:2), gegen die Sinsheimer musste Landsmann Benjamin Pavard auf dem Linksverteidiger-Posten einspringen. Der eigentlich gesetzte David Alaba erlitt bei den Spurs nach einem Zweikampf mit Gegenspieler Serge Aurier einen Haarriss in der Rippe und trainierte laut BILD am Dienstag wieder mit der Mannschaft mit, soll beim anschließenden Trainingsspiel aber nicht mitgewirkt haben.


Eine weitere Problemzone ist das offensive Mittelfeld. Hinter Philippe Coutinho ist Thomas Müller nur die Nummer zwei auf dem Zehner-Posten, im 4-2-3-1 ist entsprechend kein Platz für den Urbayer. Fünf Mal in Serie begann Müller auf der Bank, in Augsburg könnte der Negativ-Rekord auf sechs Partien ausgebaut werden. 

Mit seiner persönlichen Situation ist Müller überhaupt nicht zufrieden, statt Groll zu hegen arbeitet er jedoch intensiv daran, sich wieder einen Stammplatz zu erarbeiten. Während der Länderspielpause veröffentlichte er auf Instagram ein Bild aus dem Fitnessraum, nahm dabei seinen langjährigen Mannschaftskollegen Arjen Robben zum Vorbild.

Anstrengende Länderspielreise, Gnabry fraglich: Darum sollte Müller in Augsburg beginnen


Das Spiel in Augsburg ist durchaus richtungsweisend. Coutinho kehrte zwar frühzeitig von der Länderspielreise zurück, allerdings trug die brasilianische Nationalmannschaft ihre beiden Länderspiele gegen den Senegal und Nigeria (beide 1:1) im Nationalstadion von Singapur aus. Entsprechend liegt eine lange Reise hinter der Leihgabe des FC Barcelona, Kovac könnte seinem Kreativ-Posten daher eine Pause gewähren.


Ein weiteres, wenn auch kleines Argument pro Müller: Ein Einsatz von Serge Gnabry ist ungewiss. Beim 3:0 der deutschen Nationalmannschaft über Estland fehlte der Flügelflitzer aufgrund von muskulären Problemen, konnte seine bemerkenswerte Serie im Dress des DFB (11 Länderspiele, 10 Tore) nicht ausbauen. Laut BILD soll Gnabry in Augsburg wieder mitwirken können, bei einem Ausfall wäre allerdings wohl Ivan Perisic und nicht Müller, der letztmals beim 3:0 im DFB-Pokal gegen Energie Cottbus am 12. August auf der rechten Außenbahn begann, die erste Wahl von Niko Kovac. 


Gegen einen tief und kompakt stehenden Gegner wie dem FC Augsburg könnte Müller mit seinen Laufwegen für Bewegung in der letzten Abwehrreihe sorgen, Räume für das Kombinationsspiel der Münchner eröffnen und Robert Lewandowski Platz verschaffen. Anders als Coutinho blickt er ausgeruht auf das bevorstehende Wochenende, schließlich ist er seit März bei Bundestrainer Joachim Löw außen vor. 


Und: Angetrieben vom Bank-Frust ist mit einem engagierten Auftritt von Müller zu rechnen. "Jetzt geht es darum, den Fokus wieder voll auf das Sportliche zu legen [...]. Was den Konkurrenzkampf betrifft, werde ich nicht lockerlassen und im Training und bei den Spielen weiterhin alles geben", ​erklärte er unmittelbar nach seiner Unmutsbekundung


Kovac weiß, welche Alternative ihm mit Müller zur Verfügung steht. Die Frage ist: Behält er seinen Anti-Rotations-Stil bei und setzt erneut auf Coutinho oder beweist er das nötige Feingefühl, um Müller zum vierten Mal in der Bundesliga von Anfang an auf den Platz zu lassen? Ein erneuter Verzicht würde den Eindruck verstärken, den der Kroate mit seiner unglücklichen Notnagel-Aussage erzeugt hat - und Müller dürfte seine Zukunft weiter überdenken.