​Der ​FC Schalke 04 rutschte in der vergangenen Spielzeit tief in den Tabellenkeller ab. Als eine der Hauptursachen wurde die verfehlte Transferpolitik unter Ex-Manager Christian Heidel und dabei insbesondere der Fall ​Hamza Mendyl ausgemacht. Vor der aktuellen Spielzeit wurde das Scouting-System bei den Königsblauen daher komplett umgekrempelt.


Wie die BILD in Erfahrung gebracht hat, war noch in der Vorsaison bei der Suche nach neuen Talenten für die Knappen keine klare Linie zu erkennen gewesen. Vielmehr sei allzu häufig auf das Prinzip Zufall gesetzt worden. Exemplarisch soll hierfür die Verpflichtung von Außenverteidiger Hamza Mendyl abgelaufen sein, der nach einer schwachen Saison auf Schalke mittlerweile an den französischen Klub FCO Dijon ausgeliehen ist.


Mendyl wurde trotz Bedenken von Schalke verpflichtet


Dabei soll es sich bei Mendyl seit jeher nicht gerade um das Transferziel Nummer Eins gehandelt haben. Vielmehr sollten die Schalke-Scouts im Vorfeld der Saison 18/19 in der Ligue 1 nach ​einem anderen Spieler Ausschau halten und stießen dem Bericht zufolge dabei nur zufällig auf den heute 21-jährigen Marokkaner. Da auf der linken Defensivseite der Schalker ein Engpass drohte, machte man angesichts der unerwarteten Möglichkeit schnell Nägel mit Köpfen.


Für den Youngster legte man immerhin stolze sechs Millionen Euro Ablöse auf den Tisch und ging dabei bewusst ein großes Risiko ein. So sollen bereits damals die disziplinarischen Mängel des jungen Franzosen bekannt gewesen sein, ​Christian Heidel setzte seinen Willen aber dennoch durch. Nicht nur in diesem Fall soll der Kaderplaner die Ratschläge seiner Scouting-Abteilung ignoriert haben.


Heidel setzte auf eigene Kontakte


Obw​ohl die Schalker damals mit Chef-Späher Fabio Casanueva einen fähigen Talentsucher in ihren Reihen hatten und dessen Mitarbeiter in der Video-Abteilung die ganze Welt auf dem Radar hatten, soll Heidel oftmals sein eigenes Süppchen gekocht und auf sein eigenes Netzwerk zurückgegriffen haben.


Brancheninsider berichten laut dem Boulevardblatt zudem über einen Vorfall, bei dem die verschiedenen Lager bei der Einschätzung eines Spielers extrem weit auseinander gelegen haben und sich infolgedessen immer weiter distanzierten.


Schneider und Reschke reformieren die Scoutingabteilung


Unter der Führung des neuen ​Sportvorstand Jochen Schneider und seines Kaderplaners Michael Reschke ziehen die Schalke seit dieser Saison wieder an einem Strang. Dabei holte das Duo mit Adrian Babic einen weiteren ausgewiesenen Fachmann mit ins Boot. Der ehemalige Chefscout von Bayer 04 Leverkusen kombinierte die Scoutingabteilung der Profis mit ihrem Pendant aus der Jugend und sorgte damit für einen deutlich besseren Austausch.


Darüber hinaus setzen die Schalker bei der Einschätzung potenzieller Neuzugänge neben der Videoanalyse vermehrt auf Live-Sichtungen und ein ausgeklügeltes Bewertungssystem, das durch viele Parameter für mehr Transparenz und eine höhere Treffsicherheit sorgen soll. Erkannt wurde zudem, wie wichtig es ist, die eigene Jugend zu stärken. Um in Zukunft mehr Eigengewächsen den Durchbruch zu den Profis zu ermöglichen, startete man daher das neue Projekt Local Heroes.​