Wirft man einen kühlen Blick auf das Fußballgeschäft, geht es bei der Verpflichtung von Neuzugängen schlussendlich darum, für möglichst wenig Geld die bestmöglichste Leistung zu erhalten. Bei dieser Kosten-Nutzen-Analyse ragt derzeit vor allem ​Serge Gnabry heraus. Nun sollen die Hintergründe offen gelegt worden sein, wie es den dem ​FC Bayern München einst gelang, den derzeit so treffsicheren Angreifer für wenig Geld an die Isar zu locken.​


Der Weg von Serge Gnabry in Richtung seines lange gehegten Traums FC Bayern war alles andere als geradlinig. Gegenüber der Sport BILD resümierte der Stürmer nun, dass sich diese Herangehensweise für ihn bislang voll ausgezahlt hat. "Es werden heute sehr hohe Ablösesummen gezahlt, klar. Für mich hat mein Weg super funktioniert. Ich wollte mich Schritt für Schritt verbessern, um am Ende bei einem Verein wie dem FC Bayern Leistungsträger zu werden", so der 24-Jährige.


Gnabrys Sprungbrett: Olympia 2016

Bereits in jungen Jahren hatte der gebürtige Stuttgarter den Sprung in die Jugendabteilung des ​FC Arsenal gewagt, konnte sich in fünf Jahren bei den Gunners aber nie wirklich durchsetzen und wurde häufig verliehen. So wirklich in den Fokus der Öffentlichkeit konnte sich der schnelle Angreifer erst bei Olympia 2016 im Dress der deutschen Auswahl spielen und machte dabei auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge auf sich aufmerksam.​


Nach Informationen der Sport BILD war dabei insbesondere Gnabrys Galaauftritt gegen Fidschi verantwortlich dafür, dass Rummenigge seinem damaligen Kaderplaner Michael Reschke die Aufgabe erteilt hatte, das Riesentalent an die Säbener Straße zu lotsen. Dem Bericht zufolge schreckten die Münchner dabei vor kniffligen Winkelzügen auf dem Transfermarkt nicht zurück.


Schnell reifte bei den Bayern der Plan, sich die Rechte an dem Youngster zu sichern und ihn prompt an einem anderen Klub zu verleihen. Als der ​SV Werder Bremen ebenfalls ins Wettbieten um den Stürmer einstieg, erkannten beide Vereine angeblich die Win-Win-Situation und einigten sich klammheimlich drauf, dass Gnabry bereits ein Jahr später nach München weiter transferiert werde.


Bayern manipuliert? Wenger erhebt Vorwürfe


​Da die Bremer über nicht so große finanzielle Mittel wie die Münchner verfügen, konnten sie bei den Verhandlungen mit Arsenal die Ablösesumme auf gerade einmal sechs Millionen Euro drücken. Von den Münchnern hätten sich die Gunners mit dieser Summe wohl kaum abspeisen lassen. Nach einem durchaus erfolgreichen Jahr wechselte dann Gnabry wie angeblich zuvor ausgemacht tatsächlich zu den Bayern. Die Münchner legten dabei sieben Millionen Euro auf den Tisch und bescherten den Werderanern so nicht nur eine Gnabry-Saison, sondern auch ein Transferplus.


Angesprochen auf diese angeblichen Machenschaften wollen sich die Bayern seit jeher nicht äußern. Bremens Manager Frank Baumann geht sogar noch einen Schritt weiter und bestreitet vehement, dass es einen solchen Deal gegeben hat. Arsenals Ex-Coach Arsene Wenger, während der Gnabry-Verhandlungen noch in Amt und Würden, ​erhob jedoch unlängst bereits Vorwürfe, die in die gleiche Kerbe schlagen.


Das Spielerprofil von Serge Gnabry:

​PositionRA​
​Alter​24
​Marktwert​60 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2023
​Bayern-Spiele​51
​Bayern-Scorerpunkte​31


(Marktwert laut transfermarkt.de)


"Ich denke, dass der FC Bayern hinter den Kulissen manipuliert und dafür gesorgt hat, dass Serge Gnabry zu Bremen wechselt", so ​der 69-Jährige. Dabei habe es nach Ansicht des Fußballlehrers eine Einigung zwischen den beiden deutschen Klubs gegeben, die auf einen Wechsel zu den Bayern hinauslief. 


Gnabry hält sich bedeckt


Auch Gnabry selbst wollte auf Nachfrage der Sportzeitschrift kein Licht ins Dunkle bringen und betonte lediglich, dass sein Wechsel nach Bremen ​damals "goldrichtig" für ihn gewesen sei. „Ich wusste, dass Bayern auch Interesse hatte. Aber der Schritt nach München wäre zu groß gewesen. Mein Ziel war es dennoch immer, das einmal zu schaffen", so der DFB-Kicker.


​Nachdem er unmittelbar nach seiner Ankunft in München an die TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen worden war und auch dort zu überzeugen wusste, kehrte der Lockenkopf im Sommer 2018 zu den Bayern zurück und etablierte sich rasch als echte Stammkraft. Aktuell ist er aus dem Team von Niko Kovac nicht wegzudenken und ist daher wohl mittlerweile mindestens das Zehnfache seiner ursprünglichen Ablöse wert.