​Auf ​Borussia Dortmund kommen bereits früh in der Saison ​Wochen der Wahrheit zu, die über Wohl und Wehe dieser mit so viel Ambitionen gestarteten Spielzeit entscheiden könnten. Obwohl Cheftrainer Lucien Favre laut Sport Bild mit seinen Spielern gleich gegen mehrere Brandherde ankämpfen muss, ist die Situation bei den Borussen keineswegs aussichtslos.


Zugute kommt den Dortmundern derzeit, dass auch die anderen Spitzenklubs der Liga noch nicht richtig in Schwung gekommen sind und sich ebenfalls den einen oder anderen Ausrutscher erlaubt haben. Dass die Borussen nach sieben Spieltagen den 8. Tabellenplatz belegen und nunmehr seit drei Ligaspielen auf den nächsten Dreier warten, ist definitiv alarmierend - angesichts des geringen Abstands auf Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach von vier Zählern, sollte bei den Schwarz-Gelben aber auch noch längst nicht der absolute Notstand ausgerufen werden.


Fehlende Rückendeckung für Favre


Eines der größten Probleme bei den Dortmundern ist derzeit mit Sicherheit, dass ​Coach Lucien Favre von seinen Vorgesetzten und dabei insbesondere von Geschäfts​führer Hans-Joachim Watzke in dieser aufgeheizten Stimmung nicht öffentlich der Rücken gestärkt wird. Dass derzeit vielmehr das neu erschienene Buch des 60-Jährigen und seine darin enthaltenden ​Huldigungen für den ehemaligen BVB-Coach Jürgen Klopp in aller Munde sind, könnte dazu führen, dass sich Trainer und Vorstand weiter distanzieren.


Nun hat Watzke die Veröffentlichung seines literarischen Werks mit Sicherheit nicht bewusst in eine Schwächephase der Borussen gelegt, auffällig ist aber doch, dass der BVB-Boss derzeit keine Möglichkeit auslässt, sein tolles Verhältnis zu Klopp medienwirksam zu inszenieren. Favre betont zwar bislang gebetsmühlenartig, dass ihn das nicht stört, selbst dem kühlen Analytiker aus der Schweiz dürfte aber mal ein warmes Wort in seine Richtung gut tun.


Um den Bayern im Laufe der Saison die Stirn bieten zu können, müssen die Dortmunder an einem Strang ziehen. Sollte die sportliche Führung von der Arbeit ihres Cheftrainers weiterhin überzeugt sein, muss sie dies auch nach außen noch klarer kommunizieren. Wie sehr ein Verzicht auf diese Rückendeckung oder gar eine öffentliche Bloßstellung einem Trainer schaden kann, beweist der Fall Niko Kovac, der nach den negativen Aussagen von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge lange kämpfen musste, um sich an der Säbener Straße halbwegs zu etablieren.


Verlust von BVB-Leistungsträgern droht


Sollten die Dortmunder nicht rasch wieder zurück in die Spur finden, wird sich dies negativ auf die Kaderplanungen für die kommende Saison auswirken. So sind Stammspieler wie ​Jadon Sancho und Manuel Akanji wohl nur dann zu halten, wenn die Borussen bis zum Schluss um die Meisterschaft mitspielen und sich für die Champions League qualifizieren. Doch selbst dann dürfte Sancho, der bereits wiederholt seinen Traum von der Premier League hinterlegt hat, kaum zu halten sein.


Auch Ex-Manager Michael Meier weiß um die wirtschaftliche Lage der Schwarz-Gelben. "Der BVB ist zwar eine europäische Größe, aber noch nicht unter den vier Top-Klubs angesiedelt​", wird der 69-Jährige von der Sport Bild zitiert. Solange, bis die Dortmunder keinen bedeutenden nationalen und vor allem auch internationalen Titel erringen, wird sich daran auch nichts ändern.


Die bisherige Saisonbilanz des BVB

Siege​​Remis​Niederlagen​ToreGegentore​
Bundesliga​​3​3​1​19​11
​Champions League​1​1​-​2​0
​DFB Pokal​1​-​-​2​0
​DFL-Supercup​1​-​-​2​0
​Insgesamt​6​4​1​25​11

Um es den wechselwilligen Spielern, darunter auch Real-Leihspieler Achraf Hakimi, schwer zu machen, dem BVB den Rücken zu kehren, müssen die Dortmunder ihren Weg konsequent fortführen und dabei auch den Spaß nicht zu kurz kommen lassen. Hierbei ist Favre gefordert, den Spielern aussichtsreiche Perspektiven aufzuzeigen und sie mit einer offensiven, und vor allem direkteren, Spielweise wieder für sich zu begeistern. 


Dass schlussendlich nicht alle Spieler gehalten werden können, ist abzusehen. In der Vergangenheit konnten die Dortmunder jedoch durch kluge Verpflichtungen bereits so manchen Abgang kompensieren und ihren Kader in der Breite verbessern. 


Unzufriedene Spieler


Auch beim BVB sind (wie bei jedem Klub, der etwas auf sich hält und ehrgeizige Spieler in seinen Reihen hat) einige Profis derzeit sehr unzufrieden. Zu den unglücklichsten Figuren zählt dabei Mario Götze, der von Favre zuletzt trotz des Ausfalls von Paco Alcacer mit Missachtung bestraft wurde. Das Tischtuch droht daher endgültig zu zerreißen und eine Trennung im kommenden Winter wird aus außenstehender Sicht wahrscheinlicher.


Ein weiterer Spieler, der mit seiner derzeitigen Rolle nicht zufrieden sein kann und dies zuletzt auch öffentlich zum Ausdruck gebracht hat, ist Julian Brandt. Seit seinem 25 Millionen Euro schweren Wechsel von Bayer 04 Leverkusen zeigt der Angreifer im Ruhrgebiet doch arge Anpassungsprobleme und kommt über eine Dauerrolle als Edeljoker kaum hinaus.


Ähnliches gilt für Nationalspieler ​Nico Schulz, der zuletzt aber auch von einer Verletzung ausgebremst wurde. Noch sucht Favre nach einer schlagkräftigen Startelf und scheitert dennoch bei seinem munteren Wechselspiel daran, alle Spieler bei Laune zu halten. Um zumindest nach außen wieder für Ruhe zu sorgen, brauchen der BVB und vor allem Favre aber schlussendlich eines: Siege.


Mit jedem weiteren Punkt auf der Habenseite wird das Vertrauen der Spieler in die Herangehensweise ihres Trainers zurückkehren. Was noch vor Wochen gemeinhin als gut bezeichnet wurde, kann schließlich nicht innerhalb weniger Wochen komplett ins Negative gedreht worden sein. Eine Teilschuld an der sportlichen Misere muss sich Favre nichtsdestotrotz mit Sicherheit ans Revers heften lassen.​