Es ist nicht alltäglich, dass der amtierende Kapitän einer Mannschaft auf die Bank verdrängt wird. So geschieht es allerdings aktuell bei ​Eintracht Frankfurt. David Abraham ist derzeit ein wenig außen vor, dafür erhalten andere Spieler den Vorzug in der Innenverteidigung. Wie geht es für den Routinier weiter?


David Abraham mauserte sich in Frankfurt vom durchschnittlichen Innenverteidiger zu einer wahren Größe​. Nach seinem Wechsel von ​Hoffenheim nach Frankfurt im Sommer 2015 bekam seine Karriere einen neuen Schub und der argentinische Nationalspieler (sechs Spiele) wurde nicht nur Stammspieler, sondern auch einer der besten Innenverteidiger in der ​Bundesliga.


David Abraham für Eintracht Frankfurt:

Wettbewerb​Spiele​Tore​Vorlagen
​Bundesliga​109​1​5
​Relegation​2​/​/
​DFB-Pokal​11​/​1
​DFL Super Cup​1​/​/
​Europa League​9​/​1
​Europa League-Quali​3​/​/
​Gesamt​135​1​7

Doch inzwischen nagt auch der Zahn der Zeit an Abraham. Neben einem deutlichen Leistungsabfall plagen den 33-Jährigen auch vermehrt Verletzungen. Nur in neun der bisher 16 Pflichtspiele kam der Verteidiger zum Einsatz. In der Bundesliga war Abraham seit dem vierten Spieltag nicht mehr auf dem Platz zu sehen. Einmal fehlte er verletzt, die anderem Male saß er auf der Bank. Schon in der vergangenen Saison kam Abraham nur auf 17 Ligaeinsätze.


Toure derzeit vor Abraham


Unter Trainer Adi Hütter sind momentan andere Spieler gesetzt. Allen voran Almamy Toure verdrängte den Argentinier auf die Bank. Toure - im Winter 2019 für gerade einmal 750.000 Euro aus Monaco verpflichtet - überzeugt aktuell durch gute Leistungen und gibt dem Trainer keinen Anlass, wegen sportlicher Gründe die Innenverteidigung umzubauen.

Natürlich hat ein Kapitän eine gewisse Sonderstellung im Kader. Der mentale Wert des Spielers ist enorm hoch, seine Meinung hat Gewicht und er ist ein führender Kopf auf dem Feld. Dennoch muss sich auch ein Kapitän den sportlichen Regeln unterordnen. Sind die eigenen sportlichen Leistungen derart abgesackt, dass selbst die Rolle des Kapitäns eine Aufstellung nicht mehr rechtfertigen kann, muss sich auch ein Leader wie Abraham mit der Bank zufrieden geben.


Im Endeffekt muss also Hütter entscheiden, ob er mit Toure einen sportlich besseren oder mit Abraham einen mental wichtigen Spieler aufstellt. Dass ein Kapitän auf die Bank verdrängt wird, ist allerdings weniger selten als man denken mag. Bekannte Fälle gab es etwa in Dortmund (Marcel Schmelzer) oder Wolfsburg (Diego Benaglio).


Eintracht Frankfurt und Abraham: Gegenseitige Wertschätzung


Obwohl David Abraham auf dem Platz ein ziemlich emotionaler Spieler sein kann, ist davon auszugehen, dass er auch mit einer sportlichen Rolle als Ersatzspieler umgehen könnte. Der Profi befindet sich im Herbst seiner Karriere und hat in Frankfurt prinzipiell eine sehr angenehme und auf gegenseitiger Wertschätzung beruhende sportliche Heimat gefunden. Eine weitere Nicht-Berücksichtigung des Kapitäns ist wohl auch für ihn nachvollziehbar und vertretbar. 


Allerdings sollte man bei der Eintracht in diesem Fall auch offen gegenüber einer neuen Kapitänsfrage sein, da im Zweifelsfall schon der erste Kapitän auf dem Platz stehen sollte. Doch dazu ist es Stand jetzt noch zu früh. Möglicherweise kommt Abraham noch einmal zurück - sei es durch eine Verletzung eines Konkurrenten oder aus sportlichen Gründen. Möglicherweise sieht er sich sogar noch in der Lage, bei einem anderen Verein anzuheuern. Eine mindestens ausreichende Qualität hat der Argentinier definitiv noch, auch wenn seine Geschwindigkeitsnachteile mittlerweile immer offensichtlicher werden.