Spätestens seit dieser Saison ist Guido Burgstaller bei ​Schalke 04 einer der meist diskutierten Personalien. Auf der einen Seite Fan-Liebling und Malocher erster Güte, auf der anderen Seite der Torlos-Stürmer mit Einsatzgarantie. Im Burgstaller-Dilemma scheiden sich die Geister, beide Seiten haben ihre Argumente.


216. So oft ging Guido Burgstaller in den bisherigen sieben Spielen in den Sprintmodus. Damit steht er momentan auf Platz Eins aller Spieler ligaweit, gefolgt von Ihlas Bebou (212) und Marco Reus (201). Dieser Wert zählt zu den Aspekten des Malocher-Typen Burgstaller. Ein Stürmer, der auf dem Platz viel arbeitet, der ehrgeizig ist und in allen sieben Ligaspielen in der Startelf stand. 


0. So oft traf Guido Burgstaller in den bisherigen sieben Spielen das Tor. Trotz siebenfacher Benennung für die Startaufstellung inklusive 621 Minuten auf dem Feld, trotz zahlreicher, sehr guter Gelegenheiten. Diese Werte zählen zu den Aspekten des Torlos-Stürmers Burgstaller. Ein Stürmer, der als alleinige Spitze in David Wagners System primär dafür zuständig ist, Tore zu erzielen.


Trotz Tor-Flaute: Schneider und Wagner stellen sich vor "Burgi"


Anhand dieser zwei Absätze erkennt man schnell, wieso der 30-Jährige in den letzten Wochen unter den Schalke-Fans viel diskutiert wird. Symbolisch dafür stand Burgstallers gute Gelegenheit gegen den ​1. FC Köln, das vermutlich entscheidende 2:0 zu erzielen - er traf nur den Pfosten und am Ende musste man sich mit einem 1:1 und zwei verlorenen Punkten begnügen. Diese Situation hat die Diskussionen, verständlicherweise, noch mehr angefacht. 


"Wie Guido für die Mannschaft arbeitet, ist phänomenal und nicht hoch genug zu bewerten", wird S04-Sportvorstand Jochen Schneider vom kicker zitiert. Worte, die den einen Fans Recht geben, und die anderen erstaunt zurücklassen. Er werde sich immer vor ihn stellen, so Schneider weiter. Dabei verliert er immer mehr Unterstützer - Burgstaller droht mittlerweile, obwohl er unter Wagner bisher gesetzt war, die Bank.


Im 4-2-3-1 System ist er der einzige Stürmer. Natürlich ist es wichtig, dass er sich ins Spiel einbringt, arbeitet und wichtige Wege geht. Die Stichworte Mentalität und Malochen fallen einem dabei schnell ein. Das hat den Österreicher bislang retten können, doch viele fragen sich: Ein Ahmed Kutucu, der vor dem Tor immer eiskalt war, der nach seinen Einwechslungen immer frischen Wind ins Spiel brachte, ein Typ der immer Bock hat - der malocht doch auch?


Unterstützung und Argumente schwinden


Und genau an dieser Stelle wird momentan ein Nerv getroffen. Das Arbeiten, die vielen Sprints, die Einstellung Burgstallers - das sind alles ehrenwerte Aspekte, die man benötigt. Sie sind jedoch kein Alleinstellungsmerkmal. Kombiniert mit der Torflaute schwinden die Argumente für eine erneute Berufung in die Startelf im nächsten Spiel gegen die ​TSG Hoffenheim. Das merkt man unter den Fans, doch wird das auch am kommenden Sonntagabend zu sehen sein?


David Wagner hat sich über die letzten Wochen als ​ein großer Bewunderer Burgstallers gezeigt. Nicht nur durch seine wiederholten Aufstellungen und die langen Einsatzzeiten, sondern auch durch die Worte, die er u. a. gegenüber DAZN und der Sportbild über ihn verloren hat. Sie kamen Lobliedern gleich, doch mittlerweile wird auch Wagner sich fragen müssen, ob es nicht zunächst besser wäre, Burgstaller eine Pause zu gönnen, wodurch er ein paar Spiele eher von der Bank aus ins Spiel kommen kann. 


Eine solche Formkrise gibt es im Sport immer wieder, und doch ist es immer wieder schwer, sie zu überwinden. Nimmt man einen kriselnden Stürmer aus dem Spiel, um ihm eine Pause zu gönnen, oder lässt man ihm in Spiel, wo durch einen einzigen Moment der Knoten platzen könnte? Das wird die Frage sein, die Wagner mit seinen Co-Trainern beantworten muss. Ein Ahmed Kutucu würde dem Spiel guttun, auch wenn er für manche kein richtiger Mittelstürmer ist. 


Weniger arbeiten als Burgstaller würde er allerdings nicht, und mehr Chancen vergeben kann er - bei allem Respekt - auch nicht. So spräche zunächst nur sehr wenig dagegen, den 2017 zu Schalke gewechselten Burgstaller eine Auszeit zu geben.