​Die Deutsche Nationalmannschaft mühte sich am Sonntagabend in der EM-Qualifikation zu einem wenig überzeugenden ​3:0-Pflichtsieg beim Underdog Estland. Nach der Partie zeigten sich die Spieler angesichts ihrer mäßigen Leistung überraschend unkritisch. Ilkay Gündogan beschäftigte sich zudem noch mit Vorgängen vor der Partie. Im Netz hingegen legten viele Fußballfans die Finger in die offenen Wunden.


Die DFB-Elf hatte sich bereits früh im Spiel in Persona von Emre Can selbst in die Bredouille gebracht. So sah der 25-jährige Defensivspezialist in der 15. Spielminute nach einer Notbremse die rote Karte. Infolgedessen taten sich die Schützlinge von Bundestrainer Joachim Löw insbesondere in der ersten Hälfte extrem schwer und konnten erst im zweiten Spielabschnitt, durch drei, teilweise glückliche Treffer den Pflichtsieg einfahren.


Löw zeigt sich milde


Angesichts der langen Unterzahl zeigte sich Löw laut Spox dennoch halbwegs zufrieden: "Es war ein schweres Stück Arbeit, keine Frage, wir mussten uns erstmal fangen. Aber in der zweiten Halbzeit hat es die Mannschaft ganz gut gemacht. Wir sind nicht nervös geworden und haben am Ende die Tore erzielt." Dass am Ende dennoch ein 3:0-Auswärtssieg verbucht werden konnte, lag laut dem Nationaltrainer vor allem daran, dass sein Team das Tempo in der zweiten Halbzeit hatte erhöhen können. 


Unterm Strich räumte der 59-Jährige jedoch laut dem kicker ein, dass der Abend schwieriger verlaufen sei, "als wir uns das vorgestellt haben". Auch die deutschen Fußballfans im Stadion hatten sich ihren Ausflug nach Estland mit Sicherheit weitaus vergnüglicher vorgestellt und sahen sich zwischenzeitlich sogar zu Löw-raus-Rufen veranlasst. Diese Rufe wollte Löw nach Nachfrage aber nicht gehört haben und erklärte lediglich schmallippig, dass dies "das gute Recht" der Anhänger sei.


Instagram-Ärger bringt Gündogan auf die Palme


Im Vorfeld der Partie waren Ilkay Gündogan und Emre Can dafür kritisiert worden, dass sie ein auf Instagram veröffentlichtes​ Bild der türkischen Nationalmannschaft beim Ausüben eines militärischen Grußes geliked hatten. Nach einem kurzen aber intensiven Shitstorm hatten die beiden DFB-Kicker ihren Like rasch wieder zurückgenommen. Mit zwei Treffern gegen Estland konnte zumindest Gündogan die richtige, sportliche Reaktion zeigen.


Nach dem 3:0-Erfolg sah der Mittelfeldspieler von Manchester City die Zeit gekommen, sich zu dem Vorfall zu äußern. "Es ist krass, was für Geschichten heutzutage geschrieben werden. Ich dachte, ich like ein Foto eines guten Freundes von mir, der gerade eine schwierige Zeit bei Everton durchmacht und kaum spielt, und jetzt ein Tor schießt und seine Mannschaft zum Sieg führt. Das haben vielleicht 200.000 Leute gelikt, Fußballer aus der ganzen Welt. Dass gerade wir zwei herausgepickt werden und so eine Geschichte daraus gemacht wird, ist ein bisschen schade", so Gündogan laut Spox.


​Dabei betonte der Nationalspieler ausdrücklich, dass er sich entschieden gegen "jeglichen Terror und Krieg stellt". Auch Can unterstrich, dass sein Like "nichts mit Politik zu tun" hatte und er vielmehr tagtäglich dafür bete, "dass auf der Welt Frieden herrscht".


Löw äußert sich zur Torwartfrage


Beim Spiel gegen Estland war wie erwartet ​Manuel Neuer im deutschen Gehäuse gestanden. Wie die Konstellation bei den bevorstehenden Länderspielen im November aussehen wird, lies Joachim Löw jedoch offen und erklärte, dass man sich "zu gegebener Zeit" unterhalten werde. Auch Marc-Andre ter Stegen, der zuletzt seinen Anspruch auf die Nummer Eins eingefordert hatte, kann sich also weiterhin zumindest Hoffnungen machen.


Wenn alles wie prognostiziert abläuft und "nichts Außergewöhnliches" passiert, bleibt Neuer jedoch auch bis zur EM 2020 der Stammkeeper der Nationalelf. Nach der Partie äußerte sich auch der Bayern-Keeper zu dem mühsamen Sieg gegen die Esten: "Wir spielen nach einer Viertelstunde in Unterzahl, dann ist alles schwieriger, man muss sich neu orientieren. Ich fand die Leistung deshalb nicht blamabel. Es war eine Frage der Zeit. Wir haben sie über die Fitness bekommen, hatten ein gutes Positionsspiel, das war nicht so schlecht."


Reus und Werner fokussieren sich auf Positives


Auch Marco Reus, der abgesehen von seiner Vorlage vor dem 2:0 von Ilkay Gündogan einen wenig überzeugenden Auftritt hingelegt hatte, hatte nach Abpfiff erstaunlich wenig zu meckern: "Es war wichtig, dass wir Geduld haben und unser Spiel aufziehen. Das haben wir in der zweiten Halbzeit auch getan. Auswärts ist es egal, wo der Spieler in der Weltrangliste steht, da kann viel passieren. Es war wichtig, dass wir die Ruhe bewahren und unser Spiel aufziehen."


Timo Werner war erst in der 66. Spielminute für den ebenfalls blassen Luca Waldschmidt eingewechselt worden und brachte zumindest deutlich mehr Tempo ins Spiel der Deutschen. Nicht nur wegen seinem Treffer zum 3:0 war der Leipziger schlussendlich zufrieden: "Es war ein schweres Spiel. Am Ende ist es ein verdienter Sieg. Wir haben uns gute Torchancen herausgespielt und hinten nichts mehr anbrennen lassen. 3:0 mit einem Mann weniger ist schon gut. In der Nationalmannschaft hat es bei mir in den letzten Monaten etwas gehapert, ich bin froh, dass ich heute ein Tor erzielen konnte:"


Internetgemeinde weitaus kritischer​


Auf den sozialen Netzwerken zeigten sich die Fußballfans im Gegensatz zum DFB-Tross größtenteils überhaupt nicht überzeugt, ob der dargebotenen Vorstellung.



So manch einer hätte sich im Nachhinein daher eine andere Gestaltung seines Wochenendausklangs gewünscht.