Die Testspiel-Niederlage des ​SV Werder Bremen gegen den FC St. Pauli (0:1) zeigte Florian Kohfeldt nur eines auf: Auf der Torwart-Position haben die Werderaner keinen Grund zur Sorge. Anstelle von Jiri Pavlenka durfte Ersatztorhüter Stefanos Kapino über 90 Minuten ran, der Grieche konnte sich mit  zahlreichen Paraden auszeichnen. Ansprüche auf einen Stammplatz zwischen den Pfosten äußerte er nicht, langfristig verfolgt er aber das Ziel, die Nummer eins zu werden.


Werder Bremen ist bereits Kapinos zweite Station in Deutschland. Der 1,96 Meter große Schlussmann wechselte 2014 von Panathinaikos Athen zum FSV Mainz 05, nach nur einem Jahr ging es zurück in die griechische Heimat. Über Olympiakos Piräus und Nottingham Forest landete er vor einem Jahr bei Werder Bremen, im Juli wurde der auslaufende Vertrag verlängert.


Hinter Pavlenka ist Kapino nur die Nummer zwei. Es ist ein Luxusproblem in der von Verletzungen gebeutelten Bremer Mannschaft, die beim FC St. Pauli nur mit 0:1 verlor. Dass das Ergebnis nicht höher ausfiel, war dem Ersatzkeeper zu verdanken. "Ich habe heute gesehen, dass wir einen sehr, sehr guten zweiten Torhüter haben, das ist eine positive Erkenntnis", wird Kohfeldt vom Weser Kurier zitiert. Auch im Training hinterlasse Kapino stets einen guten Eindruck, an der Hierarchie gebe es jedoch nichts zu rütteln. "Pavlenka ist die klare Nummer", machte Kohfeldt deutlich.


Auch vom Gegner gab es großes Lob. St. Paulis Innenverteidiger Marvin Knoll beobachtete das Spiel von der Tribüne aus, sagte auf Twitter zur Halbzeit: "Der Torwart zeigt heute, dass er ein Weltklasse-Torwart ist. Selten so eine gute Torwartleistung gesehen."

Kapino selbst war mit seiner Leistung ebenfalls zufrieden. "Wir hatten viele Probleme im Spiel, [...] aber dadurch konnte ich mich oft auszeichnen. Ich habe gezeigt, wer ich bin, darüber bin ich natürlich trotz der Niederlage froh." Der 25-Jährige weiß um seine Rolle innerhalb der Mannschaft, weshalb er sich mittel- bis langfristig in den Fokus spielen will.


Kapinos Ziel: Pavlenkas Nachfolge


"Als ich meinen neuen Vertrag bei Werder unterschrieben habe, wusste ich, dass Jiri hier ist und dass er einer der besten Torhüter der Bundesliga ist. [...] Ich bin wirklich zufrieden, auch mit meiner Rolle im Team und mit diesen Spielen wie nun bei St. Pauli. Alles andere wird kommen." 


Er wittere seine Chance, arbeite hart, um Pavlenka eines Tages zu beerben. "Ich versuche, den Verein jeden Tag davon zu überzeugen, dass er auf mich als Nummer eins setzt, sollte Jiri den Verein verlassen", sagt Kapino. Eine große Hilfe sei Torwarttrainer Christian Vander, der selbst jahrelang die Nummer zwei beim SV Werder war. Der 38-Jährige sei "einer der besten Torwarttrainer, die ich je hatte", lobte Kapino, "er verbessert mich, und das ist jetzt wichtiger, als ein paar Spiele zu machen." 


Allen voran Kohfeldt weiß, dass er stets ein Ass im Ärmel hat, sollte Pavlenka, der noch bis 2021 an der Weser unter Vertrag steht, den Klub verlassen. Bis es soweit ist, wird sich Kapino aber weiter gedulden müssen.