Zwölf Jahre lang trug Franck Ribéry das Trikot des FC Bayern, gewann in dieser Zeit alles, was es zu gewinnen gab und wurde im Herzen ein Münchner. Aktuell spielt er bei der AC Florenz, nach seinem Karriereende will er in die bayerische Landeshauptstadt zurückkehren. Im großen 90min-Ranking belegt König Franck Platz 15 in den Top 20 der besten Spieler des vergangenen Jahrzehnts.


​Er liebt das Eins-gegen-eins, dribbelt sich unwiderstehlich an mindestens einem Gegenspieler vorbei, überwindet den Torhüter mit einem Lupfer und greift sowohl in die Trickkiste als auch zu einer Ohrfeige, wenn die Emotionen im Spiel überkochen. Gezeichnet ist Franck Ribéry seit jeher von einer Narbe im Gesicht, sie stammt von einem Autounfall, bei dem der heute 36-Jährige im Alter von zwei Jahren verletzt wurde. In seiner Heimat Frankreich wird er nicht geliebt, in München verehren sie den langjährigen Flügelfiltzer mit der Rückennummer 7 dagegen.


Es ist der Sommer 2007. Der FC Bayern spielte zuvor die schlechteste Saison seit 1994/95, als Giovanni Trapattoni sein erste, nur ein Jahr währende Amtszeit mit einem sechsten Tabellenplatz besiegelte. Nach zwei Double-Erfolgen in Serie wird Felix Magath im Januar entlassen, Ottmar Hitzfeld soll das sinkende Schiff retten. Die Qualifikation für die Champions League ist in Gefahr, damals durften nur die ersten drei der Tabelle in Europas Königsklasse antreten.


"Ich habe keine Lust, in der nächsten Saison im UEFA-Cup zu spielen", sagte Torhüter Oliver Kahn im Februar (via ​Spiegel) - drumherum kam er jedoch nicht. Hitzfelds Rettungsmission misslingt. Meister wird der VfB Stuttgart, hinter Schalke 04 und Werder Bremen landet Bayern nur auf Rang vier. 


Also investiert der Rekordmeister. Rund 93 Millionen Euro fließen in neues Spielermaterial, neben Miroslav Klose, Marcell Jansen, Luca Toni, José Ernesto Sosa, Hamit Altintop, Rückkehrer Zé Roberto und Jan Schlaudraff kommt Franck Ribéry für stolze 30 Millionen Euro von Olympique Marseille. Der neue Rekordtransfer wird gefeiert, Sportartikelhersteller Nike titelt: "Bayern hat endlich wieder einen König."


Hitzfeld bleibt bis Sommer 2008, soll den Umbruch bewältigen. Im flachen 4-4-2 spielt Ribéry, der 2006 mit Frankreich Vizeweltmeister wurde, auf dem linken Flügel - wie in all seinen Spielen für den FC Bayern (hin und wieder wurden Überlegungen laut, Ribery auf die Zehn zu stellen - dann aber schnell wieder verworfen). In seiner Premierensaison 2007/08 ist er an 19 Toren direkt beteiligt, am zweiten Spieltag offenbart er beim 4:0-Auswärtssieg gegen Werder Bremen die erste Sternstunde. Per Elfmeter trifft Ribéry nach knapp einer halben Stunde zum 1:0, stellt mit dem Ball Dinge an, die in der Bundesliga eine Seltenheit waren. 


"Real oder nichts"


Ribéry - der Edeltechniker. In seiner zweiten Saison schießt er neun Tore, legt elf weitere Treffer vor. Doch Bayern, trainiert von Jürgen Klinsmann, wird hinter dem VfL Wolfsburg Vizemeister und droht, seinen König nach nur zwei Jahren zu verlieren. ​Real Madrid lockt, gegenüber L'Équipe erklärt Ribéry deutlich (via Spiegel): "Ich will weg. Es wird Real sein - oder gar nichts."


Quittiert wird der Wechselwunsch von den Verantwortlichen mit einer klaren Ansage: "Nächstes Jahr kommt eher der Gerichtsvollzieher nach Madrid als Franck Ribéry", sagt Uli Hoeneß bei Blickpunkt Sport, Karl-Heinz Rummenigge pflichtet ihm bei: "Ich interpretiere die Aussage von Franck so: Entweder Real oder nichts. Und da ist unsere klare Antwort: nichts. Franck bleibt."


Erfolgsgeschichte bis 2019


Die Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen: Gemeinsam mit Arjen Robben bildet Ribéry ab der Saison 2009/10 die neue Flügelzange des FC Bayern. Louis van Gaal führt den Klub zum Double und ins erste Champions-League-Finale seit 2001. Doch Ribéry fehlt im Endspiel von Madrid rotgesperrt, ohne ihn verlieren die Münchner mit 2:0. Bei der Doublefeier auf dem Rathausbalkon am Marienplatz folgt die Ankündigung, auf die viele Fans gewartet haben. 


Ribéry greift zum Mikrofon, verkündet: "Ich habe gemacht fünf Jahre mehr." Der Franzose verlängerte bis 2015, sagt viele Jahre später über Rummenigge und Hoeneß, die sich vehement gegen einen Wechsel wehrten (via Focus): "Heute bedanke ich mich dafür, dass sie mich zu dieser Entscheidung gebracht haben. Sie brauchten das Geld nicht, sie sind einfach hart geblieben, weil sie mich brauchen."


Mit Ribéry und Robben gelingt den Bayern 2013 das Meisterstück: Meister mit 25 Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund, im DFB-Pokalfinale wird der VfB Stuttgart mit 3:2 bezwungen und in der Champions League gelingt ein Jahr nach dem verlorenen 'Finale Dahoam' der große Wurf. Im Wembley-Stadion siegt Bayern mit 2:1 über Dortmund, Ribéry legt beide Tore auf. Der Rekordmeister gewinnt als erste deutsche Mannschaft das Triple.


Franck Ribéry: Alle Titel und Auszeichnungen im Überblick:

​TitelJahr
Fußballer des Jahres2007 (Frankreich), 2008 (Frankreich, Deutschland)​
Europas Fußballer des Jahres2013
​Türkischer Pokalsieger2005​
​Deutscher Ligapokalsieger2008​
​Deutscher Superpokalsieger2010, 2012, 2016, 2017, 2018
​DFB-Pokalsieger2008, 2010, 2013, 2014, 2016, 2019​
​Deutscher Meister2008, 2010, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019​
​Champions-League-Sieger2013​
​UEFA Supercup-Sieger2013​
​FIFA Klub-Weltmeister2014​

Schattenseiten einer Weltkarriere


Doch es gibt auch die Schattenseiten des Franck Ribéry: Immer wieder wird er während eines Spiels handgreiflich, lässt sich provozieren. Im Champions-League-Finale 2013 erhält Robert Lewandowski einen Ellbogenschlag, im DFB-Pokalfinale 2016 sticht er Gonzalo Castro ins Auge. Immer wieder kommt Ribéry ungeschoren davon, fliegt aber auch vier Mal vom Platz.


Hinzu kommen verhängnisvolle Skandale. 2009 hat Ribéry mit einer minderjährigen Prostituierten Geschlechtsverkehr, auch andere Spieler der französischen Nationalmannschaft sollen involviert sein. Als Frankreich bei der WM 2010 kläglich scheitert, steht Ribéry im Vordergrund. "Ich wurde vom Liebling zum Störfaktor", sagte er acht Jahre später laut ​WELT gegenüber Canal PlusPlötzlich wurde er als "Bandenführer aus Boulogne", betitelt, genoss einen alles andere als guten Ruf. 


Unvergessen: Nach den negativen Reaktionen auf ein vergoldetes Steak schimpft Ribéry im Januar dieses Jahres in den sozialen Medien über seine Kritiker, hält sich dabei mit vulgären Ausdrücken nicht zurück. Vom Verein bekommt er dafür eine Geldstrafe aufgebrummt.


Mit all dem dürfte er sich aber kaum noch beschäftigen. Statt Frankreich ist München seine Wahlheimat, nach dem Ende seiner Karriere will er dorthin zurückkehren. Bis 2021 steht er bei der AC Florenz unter Vertrag, im Mai verabschiedete er sich tränenreich vom FC Bayern. Viele Jahre zählte Franck Ribéry zu den zweifelsfrei begnadeten Fußballern der Welt.


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min Ranking


Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: ​Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: ​Kevin De Bruyne - das belgische Genie