​Viele Anhänger von ​Borussia Mönchengladbach dürften sich dieser Tage die Tabelle der Bundesliga ausdrucken und einrahmen, belegen ihre Fohlen doch derzeit den ersten Tabellenplatz. Ex-Coach ​Dieter Hecking blickt zwar durchaus wohlwollend auf die Entwicklung der Borussen, zweifelt aber noch an der Aussagekraft des Zwischenstandes. Zum Kreis der Meisterschaftsfavoriten will er die Gladbacher daher (noch) nicht zählen.


Zweieinhalb Jahre hatte der 55-Jährige die Geschicke der Gladbacher gelenkt und sich dabei unterm Strich ein durchaus vorzeigbares Arbeitszeugnis erarbeitet. Bereits vor Ende der vergangenen Saison hatte sich Manager Max Eberl aber dennoch dazu entschieden, die Zusammenarbeit nach Ablauf der Spielzeit zu beenden und mit ​Marco Rose einem neuen Trainer das Vertrauen zu verschenken.


Da Hecking die Mechanismen im Profifußball sehr gut kennt und mit Eberl ein vertrauensvolles Verhältnis hatte, verlief die Trennung sehr sauber. Im Sommer heuerte der erfahrene Coach bereits beim Hamburger SV an und scheint, mit seiner Mannschaft in der 2. Bundesliga auf dem ersten Platz liegend, längst seinen Frieden mit der Trennung gemacht zu haben.


Gladbach profitiert von Schwächen der Konkurrenz


Die jüngsten Aussagen Heckings im Umfeld einer Trainertagung sind daher mit Sicherheit mehr als ehrliche Einschätzung, denn als Retourkutsche in Richtung seines Ex-Klubs zu verstehen. Dabei wird der gebürtige Westfale von der Rheinischen Post wie folgt zitiert: "Für mich zählt die Borussia noch nicht zu den Titelkandidaten."


Dass die Gladbacher in der Liga derzeit so blendend dastehen, habe vor allem mit der schwächelnden Konkurrenz, namentlich vor allem dem ​FC Bayern München und dem ​BVB, zu tun. "Aber wenn die anderen Mannschaften häufiger Punkte liegen lassen, sollte man schon schauen, dass man selbst punktet. Und dann wird man sehen, was passiert", so Hecking.


Hecking stellt die Qualitätsfrage


Nicht nur Hecking sind dabei zuletzt die Schwierigkeiten der vermeintlichen Favoriten in der Liga aufgefallen. Angesichts etwa der Tabellenposition eines SC Freiburg, der aktuell den fünften Tabellenplatz belegt, kommen bei dem HSV-Trainer allgemeine Fragen auf. "Ist vielleicht die Qualität in der Liga gerade nicht so hoch, sodass viele Mannschaften gerade oben stehen?", fragt sich der gebürtige Catrop-Rauxeler.


Womöglich hängt die aktuelle Situation nach Ansicht des Trainers aber auch mit dem bisherigen Spielplan in der Bundesliga zusammen. So müsse insbesondere die Borussia erst noch unter Beweis stellen, dass sie auch den kommenden, zumeist deutlich anspruchsvolleren, Aufgaben in der Liga gewachsen ist.


Gladbach absolvierte Pflichtaufgaben


Zugute halten muss man der Elf von Marco Rose dabei, zumindest in der Liga, dass sie ihrer Favoritenrolle zumeist gerecht werden konnte. So gaben sich die Fohlen bei den Partien gegen Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen bislang keine Blöße und fuhren bereits fünf sogenannte Pflichtsiege ein.


Die bisherige Saisonbilanz der Gladbacher

Siege​Remis​Niederlagen​Tore​Gegentore​
Bundesliga​​5​1​1​15​6
​Europa League​-​1​1​1​5
​DFB-Pokal​1​-​-​1​0

Um die ambitionierten Ziele in dieser Saison zu erreichen, sei dies laut Hecking aber auch unbedingt notwendig: "Das ist diese Diskrepanz in der Liga. Wenn du als Top-8-Verein der Bundesliga deine Leistung abrufst, gewinnt man in der Regel." 


Nach der Länderspielpause ​verändern sich die Vorzeichen bei den Gladbachern drastisch. Anstatt auf schon allein etatmäßig schwächere Teams zu treffen, stehen dann echte Brocken auf dem Programm. Erst nach den bevorstehenden Spielen gegen Dortmund, Frankfurt und Leverkusen lässt sich daher ein erstes glaubhaftes Bild darüber machen, wo die Borussen tatsächlich stehen.