Längst ist es offensichtlich, dass der Sand im Getriebe von ​Borussia Dortmund langsam anfängt, den Motor endgültig zu stoppen. In den letzten drei Bundesligaspielen holte der BVB lediglich drei Punkte - allesamt durch 2:2-Unentschieden. Nicht nur das Ergebnis, auch die Art und Weise des schwarz-gelben Spiels sorgt für Unmut. Nach dem Spiel gegen Freiburg machten Julian Brandt und Marco Reus ihre Sorgen öffentlich.


Inzwischen hat der BVB wohl alle Vorschusslorbeeren verspielt. Nach einer motivierten wie engagierten Vorbereitung und einer guten Punkteausbeute zu Beginn der Saison ließ Dortmund zuletzt mächtig Federn. Nach sieben Spieltagen hat man nun gerade einmal zwölf Punkte auf dem Konto und hinkt mit Tabellenplatz Acht deutlich den eigenen Erwartungen hinterher. Besonders offensiv enttäuschte das Starensemble ​der Borussia extrem. Trainer Lucien Favre rutscht immer mehr in die Kritik.


"Unsere Ballbesitzphasen sind in Ordnung, aber ohne jede Gefahr für den Gegner", bilanziert Kapitän Reus. "Es ist sehr, sehr bitter. Vor allem, weil du jetzt wieder Unentschieden gespielt hast, und das 2:1 nicht über die Bühne kriegst." In den drei vergangenen Partien verspielte der BVB jeweils eine 2:1-Führung.


Brandt fordert den Kampfmodus


Auch Offensivmann Brandt, der aktuell in einer kleinen ​Formkrise steckt, wirkt angezählt. Der Spieler wurde gegen den ​SC Freiburg für den verletzten Piszczek früh ein-, in der Schlussphase der Partie aber wieder ausgewechselt. Nachdem der Neuzugang zuletzt in der Champions League von Beginn an ran durfte und überzeugen konnte, verwundert der Jokereinsatz in der Bundesliga.


Auch Brandt ist irritiert von der Entscheidung des Trainers: "Es ist schwierig, klar. Wenn du viel auf der Bank gesessen hast, immer wieder Kurzeinsätze hast, dann spielst du 90 Minuten, dann sitzt du vielleicht wieder auf der Bank." Er akzeptiere die Entscheidungen des Trainers - "Er wird schon seine Gründe haben, warum er das macht" - und verstehe, dass er in der Schlussphase ausgewechselt worden sei. Aber warum er zu Spielbeginn auf der Bank saß, wisse er nicht, auch weil er noch nicht mit Trainer Favre hätte reden können.


Wie Reus kritisiert Brandt auch die eigene Spielweise. "Momentan sind wir zu schlampig, dann müssen wir in den Kampfmodus schalten", bemängelt der 23-Jährige die Fahrlässigkeit im Spiel des BVB. Brandt wirft zudem wieder ​die Frage nach der Mentalität in den Raum: "Es gibt halt Mannschaften, die sicherlich besser sind im Kämpfen als wir.“


Dem BVB droht das Chaos


Die Aussagen der beiden Nationalspieler zeigen deutlich, wie sehr der Haussegen des BVB inzwischen schief hängt. Am Beispiel von Brandt wird auch die fehlende interne Kommunikation im Klub deutlich. Allen scheint bewusst, dass Favre ein Konzept hat, wie man spielen soll. Doch dieses Konzept kommt aktuell nicht bei den Profis an.


Die fehlende offensive Durchschlagskraft verwundert, wenn man sich mit dem Kader des BVB auseinandersetzt. Auf dem Papier besitzt Dortmund wohl mit die beste Offensive Deutschlands, die sich auch international nicht zu verstecken braucht. Warum also bekommt Dortmund auf einmal nicht mehr die Pferdestärken auf den Rasen? Woher kommt die Ideenlosigkeit? Wo bleibt der Kampf?


Alles Fragen, die der Verein so schnell wie möglich beantworten muss. Der BVB ist als Einheit nun gefragt. Die Diskussionen um die Mentalität (Stichpunkt: Reus-Interview), um die Kommunikation (Stichpunkt: Personalentscheidungen von Favre) und das Spielsystem sollten dringend geklärt und behandelt werden. Ansonsten drohen Borussia Dortmund weitere Rückschläge.