Die Unentschieden-Serie von ​Borussia Dortmund wirft Fragen auf, so recht können Spieler und Verantwortliche aber keine Antworten finden. Trainer Lucien Favre wirkt zunehmend ratloser, Kapitän Marco Reus klagte nach der erneuten Enttäuschung beim SC Freiburg über mangelnde Qualität im Spiel nach vorne. Der kicker warf einen Blick auf die Leistungsdaten vom Wochenende, um Gründe für die so harmlose Borussia ausfindig zu machen. Ein Hinweis, so das Fachmagazin, könnte die Laufleistung sein.


Im Schwarzwaldstadion spulte der BVB knapp 118 Kilometer ab, der SC Freiburg hingegen verzeichnete eine Laufleistung von 123 Kilometern. Auch bei den sogenannten intensiven Läufen hat der SCF die Nase vorn (253 zu 224). Ein weiterer interessanter Punkt: Sowohl die Durchschnitts- als auch die Höchstgeschwindigkeit in den Sprints war bei den Freiburgern höher, ein Erklärungsansatz sei laut kicker der Kontrollverlust des BVB in Durchgang zwei.

​Dass die Mannschaft kein Laufwunder ist, kann gleichzeitig aber auch durch die hohen Spielanteile begründet werden. In Freiburg verzeichneten Marco Reus & Co. 66 Prozent Ballbesitz, spielten insgesamt 767 Pässe und waren in den Zweikämpfen hauchzart überlegen (52 Prozent). Auch in den vorherigen Bundesligaspielen gegen Union Berlin, Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen war Schwarz-Gelb läuferisch unterlegen; doch einzig gegen Leverkusen verzeichnete man weniger Ballbesitz als der Gegner (34 Prozent), gegen Union lag die Quote beispielsweise bei 74 Prozent.


Laufleistung vor einem Jahr ähnlich


Auch ein nicht unwichtiger Faktor: In der Vorsaison befand sich die Laufleistung in einem ähnlichen Bereich. Beim kuriosen 4:3 über den FC Augsburg am siebten Spieltag standen 114 Kilometer zu Buche, zuvor waren es 124 Kilometer beim verrückten 4:2 in Leverkusen; und als der 1. FC Nürnberg mit 7:0 aus dem Signal-Iduna-Park geschossen wurde, wurden nur 113 Kilometer verzeichnet.


Die Werte aus den oben genannten Partien: 119 Kilometer gegen Union (126), 112 Kilometer gegen Leverkusen (115), 110 Kilometer gegen Frankfurt (115) und 121 Kilometer gegen Bremen (124). Einzig die Zahlen aus dem Gastspiel in Frankfurt wirken erschreckend schwach, können aber durch die hohe Kontrolle in der ersten Halbzeit begründet werden.


Vermutlich sind andere Gründe ausschlaggebend


Der gesamten Mannschaft fehlende Fitness vorzuwerfen, erscheint nicht gerecht. Es war aber kaum zu übersehen, dass ein Jadon Sancho nach langer Zeit ebenso eine Pause brauchte wie Thorgan Hazard, der diese unter der Woche bei Slavia Prag erhielt. Die schwachen Leistungen von Spielern wie Manuel Akanji oder Marco Reus dürften allerdings kaum mit mangelnder Fitness zusammenhängen. Viel mehr wirkt die so hoch veranlagte Mannschaft gehemmt, offenbar besitzt sie ein Kopfproblem.


So sagte Reus nach Schlusspfiff (via kicker): "Die Freiburger hatten einfach, glaube ich, mehr Vertrauen in ihr eigenes Spiel. Das haben wir, zumindest in der zweiten Halbzeit, auf jeden Fall nicht gezeigt." Thomas Delaney, ebenfalls vom kicker zitiert, kritisierte derweil den Ansatz von Favre, das Ergebnis durch die immer wieder geforderte Kontrolle über die Zeit zu bringen: "Das Spiel muss tot sein. Wir brauchen nicht nur ein Tor, sondern zwei, drei. Das fehlt uns im Moment. Wir kontrollieren, vielleicht kontrollieren wir zu viel und greifen nicht genug an."


Noch soll Favre intern nicht zur Diskussion stehen, ​doch der Druck steigt. Es sind die sich wiederholenden Symptome, wegen denen die Mannschaft sechs Punkte weniger sammelte, als ihr zustehen könnte. Als Trainer steht man in der Pflicht, Lösungen zu finden. Vielleicht erkennt Favre in der Länderspielpause einen neuen Hebel, den er in den Köpfen seiner Spieler betätigen kann.