Heute ist Massimo Mariotti Integrationsbeauftragter des FC Schalke 04, begonnen hat sein Werdegang allerdings bei Borussia Dortmund. Im Interview mit ​Goal erinnert er sich unter anderem an die Anfänge beim BVB und sprach offen über sein Verhältnis zu Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé. 


Eigentlich hatte sich Massimo Mariotti seine berufliche Zukunft anders vorgestellt. 1992 beendete der frühere Abwehrspieler seine Karriere beim MSV Duisburg, danach strebte er eine Trainerlaufbahn im Nachwuchsbereich an. Nach Stationen beim VfL Bochum sowie dem DFB führte die Spur zu Borussia Dortmund, wo er zunächst als Trainer der U13 begann und später als Co-Trainer von David Wagner bei der Reserve fungierte.


"Leider musste ich recht schnell nach Saisonstart wieder aufhören, da mein Vater erkrankt war und ich bei ihm in Italien sein musste", erinnert sich Mariotti, der nach seiner Rückkehr wieder die U13 betreute, ehe sich Platzwart Willi Droste nach einem eigentlichen Scherz bei Sportdirektor Michael Zorc meldete. "Der BVB suchte damals einen Dolmetscher für die Profis. Ich stand eines Tages mit Willi zusammen, wir haben eigentlich nur ein bisschen geflachst. Ich meinte: 'Mensch Willi, warum suchen die einen Dolmetscher? Da können sie auch mich nehmen, ich kann ja mehrere Sprachen.'" 

Dolmetscher Massimo Mariotti,nach dem

  Als Dolmetscher war Mariotti auf dem Trainingsplatz und an der Seitenlinie ein gefragter Mann. Mit der Zeit kümmerte er sich auch privat um die Profis.


Droste habe ihm nicht vom Telefonat mit Zorc erzählt, nur wenige Stunden später stand der 57-Jährige daher plötzlich mitten im Geschehen, schließlich ist ein Dolmetscher für die Kommunikation zwischen Spieler und Trainer unersetzlich: "Für mich war das alles natürlich total spannend: Unter Jürgen Klopp für Top-Spieler wie [Pierre-Emerick] Aubameyang oder [Henrikh] Mkhitaryan und Sokratis zu übersetzen und sehr nah an der Mannschaft zu sein. Trotzdem wusste ich nicht wirklich, was überhaupt auf mich zukommen würde."


Mit der Zeit veränderte sich jedoch sein Aufgabengebiet. Mariotti war nicht nur reiner Übersetzer, sondern half frisch aus dem Ausland verpflichtete Profis dabei, sich in Deutschland zurechtzufinden: "Die Haussuche, Termine organisieren, Behördengänge, die Familienmitglieder oder Kinder im Kindergarten anmelden" - alltägliche Dinge, die in einem fremden Land nicht immer einfach sind. "Wichtig ist letztlich, diese Dinge so schnell und zuverlässig wie möglich zu erledigen, damit die Spieler merken, sie können mich immer anrufen und auf mich bauen." Eine Besonderheit sei dieser Job wahrlich nicht, doch "einer muss ihn halt machen."


Mariotti: Aubameyang "ein ganz lieber Mensch"


Besonders zu Pierre-Emerick Aubameyang habe er einen engen Draht. "Er ist ein ganz lieber Mensch. Für ihn habe ich alles erledigt: Ich habe mich um seine Post gekümmert, bei Übersetzungen geholfen, war beim Hauskauf und Notar dabei. Er hat das zwar nicht gefordert, aber sehr gerne gesehen", so Mariotti über den Gabuner, ​der sich vor wenigen Tagen ein Wortgefecht mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lieferte.


Rückendeckung für Dembélé


Schwieriger schien die Betreuung von Ousmane Dembélé. Der Flügelspieler ließ sein Talent in Dortmund häufig aufblitzen, erzwang aber nach nur einem Jahr den Transfer zum FC Barcelona. Dort ist er häufig verletzt, in den Medien werden ihm immer wieder disziplinarische Verfehlungen nachgesagt. 


Angeblich soll er sein Haus in Deutschland vermüllt hinterlassen haben, der Eigentümer verklagte ihn daraufhin auf Schadensersatz in Höhe von rund 20.725 Euro, wie BILD berichtete. Mariotti weist die Vorwürfe zurück: "Sein Berater hatte mich gebeten, zu seinem Haus zu fahren, um es abzunehmen und Bilder zu machen. Das habe ich im März nach seinem Wechsel getan und dort alles fotografiert. [...] Und da habe ich keinen Müll gesehen. Er hat das Haus in einem Top-Zustand hinterlassen und auch noch Miete bezahlt. Letztlich wurde die Klage gegen Ousmane ja auch abgewiesen."

FC Barcelona v Inter: Group F - UEFA Champions League

Auf dem Platz gilt Ousmane Dembélé als begnadetes Talent, abseits davon besitzt er jedoch den Ruf eines Enfant terrible.


Während seiner Zeit in Dortmund habe Dembélé "viel, viel Unterstützung" benötigt. "Sein Cousin und sein bester Kumpel lebten mit ihm. Auch die Mutter kam immer wieder vorbei. Die waren einfach völlig überfordert", so Mariotti. "Ousmane selbst war eher entspannt und meinte immer: Der Massimo macht das schon. [...] Letztlich war sein Lebensstil gut genug, um die starken Leistungen zu bringen, die er beim BVB gebracht hat."


"Von heute auf morgen" verschwunden


Komplizierter wurde es dann, als Dembélé auf einmal aus Dortmund verschwand. "Ousmane war wirklich von heute auf morgen weg und ich war der einzige, der später dann Kontakt zu ihm hatte." Er habe ihn darum gebeten, "dass er zurückkommen soll, damit wir das anders regeln und er auch den BVB verstehen und sich professionell verhalten muss", berichtet Mariotti. Dazu kam es allerdings nie - und Dembélé wechselte kurzerhand für 105 Millionen Euro zu den Katalanen.