Beim Duell zwischen ​Schalke 04 und dem ​1. FC Köln am Samstagabend des siebten Spieltags geht es aus der S04-Sicht um viel. Die Bedeutung des Spiels ist groß, dazu gibt es einige Key-Points, die man beachten muss. Kann man die gute Stimmung aufrechterhalten? Wird man erneut zum Aufbaugegner für einen strauchelnden Klub?


Jedes einzelne Bundesligaspiel hat seine eigene Bedeutung. Ob es der dritte Spieltag gegen ​Hertha BSC ist, oder der siebte gegen die Kölner. Auf Schalke geht es derzeit primär darum, die mit dieser Saison angestoßene Entwicklung fortzusetzen, darin die nächsten Schritte zu machen, und die derzeit gute Form beizubehalten. Gegen den 1. FC Köln wird das alles andere als leicht, auch wenn die Vorzeichen ein anderes Bild erzählen. Hier die wichtigsten Key-Points aus Schalker Sicht. 


Amine Harit in bestechender Form - das braucht man auch

​Die vermutlich größte Überraschung derzeit ist Amine Harit. Auch wenn es noch sehr früh in der Saison ist, hat er sich im Gegensatz zur letzten Saison um 180 Grad gedreht. Dadurch ist er in den Spielen, besonders natürlich in den letzten vier Siegen, enorm wichtig geworden. Er ist zurzeit die Schnittstelle zwischen der stabilen Defensive und dem Aufbauspiel und den wichtigen Umschaltmomenten.


Er kann die bedeutsamen Räume ziehen, er ist am ehesten der Spieler, der mal ein oder zwei Gegenspieler im Dribbling stehen lassen kann, und er ist auch derjenige, der momentan die entscheidenden Pässe spielen kann. Das ist für alle Beteiligten von Vorteil, doch entsteht dadurch auch eine gewisse Abhängigkeit. Sollte Harit mal einen schlechten Tag haben - und der wird garantiert irgendwann kommen -, wie etwa gegen den Effzeh, fehlt ein wichtiger Teil des Offensivspiels. Deshalb ist es momentan sehr wichtig, dass er seine Formkurve weiter nach oben spielen kann. 


Die stabile Defensive muss weiterhin halten

Mit dem 0:0 gegen ​Borussia Mönchengladbach und dem 3:0-Sieg gegen Berlin hat man zum einen in bereits zwei von sechs Spielen eine weiße Weste behalten können, und drei der bisher erst sechs Gegentore hat man gegen ​Bayern München bekommen. Die S04-Defensive funktioniert aktuell sehr gut: Man verteidigt kompakt, als Einheit geschlossen und aggressiv nach vorne. 


Auch gegen Köln wird das wichtig sein. Mit Jhon Córdoba und Anthony Modeste hat man zwei starke Stürmer als Gegenspieler, die immer mal für ein Tor gut sein können. Sollte man (früh) in Rückstand geraten, besteht die Möglichkeit, dass sich die Kölner aufgrund der aktuellen Tabellensituation (Platz 17 mit drei Punkten) weit zurückziehen und auf Konter spielen werden - ihre Stärke. Schalkes Stärke besteht ebenfalls aus einem sehr guten Umschaltspiel. Dieses umzusetzen, wenn der Gegner sich auf das Verteidigen beschränkt und auch keinen Ballbesitz haben möchte, ist schwer. Zudem fehlt es S04 teilweise noch an Kreativität und Spielwitz aus dem Ballbesitz heraus - das hat man in einigen Bereichen gegen ​Mainz 05 gesehen. 


Deshalb wird es wichtig sein, dass man sich erneut sehr wenig bis gar keine Fehler erlaubt, die ausgenutzt werden könnten. Köln möchte unter Trainer Achim Beierlorzer aktiv mitspielen, dadurch verteidigen sie teilweise hoch und mutig. Dafür muss man in der Defensive gewappnet sein. 


"Comeback-Spieler" müssen bei 100 Prozent sein

Je nachdem, wie David Wagner aufstellen wird, können einige neue Spieler in die Startelf rücken oder in diese zurückkehren. Benito Raman ist nach wenigen Wochen wieder einsatzbereit, und auch Daniel Caligiuri könnte erneut von Beginn an spielen. Auf Markus Schubert wartet eventuell sein Pfichtspiel-Debüt, wenn Alex Nübel aufgrund seiner Adduktoren-Probleme nicht voll belastbar ist. 


Dementsprechend ist es wichtig, dass diese Spieler bei 100 Prozent sind. Genau das ist ein wichtiger Aspekt nicht-taktischer Natur, weshalb man zuletzt erfolgreich war: Man kämpft und spielt als Einheit und es wird kein einziger Meter gefürchtet, kein Ball verloren gegeben. Das müssen Raman und Co. direkt beweisen und auf den Platz bringen, sollten sie spielen. ​


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Wichtiger Kampf gegen Leipzig: Innenverteidiger Benjamin Stambouli


Besonders Caligiuri wirkte nach seiner Einwechslung gegen ​RB Leipzig rund zwanzig Minuten vor dem Ende nicht so, als würde er für das Team jeden einzelnen Meter gehen und jeden Zweikampf bestreiten, als könne direkt danach ein Gegentor fallen. Umso wichtiger, dass man diese Einstellung nun wieder annimmt. 


S04 als typischer Aufbaugegner? Gute Form bewahren!

Wenn man vier Spiele in Serie gewinnen kann und dabei gleichzeitig auch fußballerisch überzeugt, steigt die Euphorie - auch wenn David Wagner das Wort nicht mag. Gerade nach der letzten Saison sind viele Spieler sowie Fans leidgeprüft und umso glücklicher, eine solche Entwicklung zu sehen.

Über die letzten Jahre hat sich Schalke oft als dankbarer Aufbaugegner bewiesen. Sobald man einen wichtigen Schritt machen konnte, oder die Möglichkeit hatte, gegen einen taumelnden Verein Punkte zu holen, schien man plötzlich unfähig zu sein. Wichtig, dies zu vermeiden. Es wird interessant und spannend zu sehen, ob S04 im aktuellen Zustand auch solche Spiele richtig annehmen und souverän umsetzen kann.

Sollte man erneut ein starkes Spiel ablegen und gewinnen, wäre dies der fünfte Sieg hintereinander. Das könnte für zwei weitere, sehr schwierige Spiele im Oktober viel Rückenwind und Selbstvertrauen geben. Die TSG Hoffenheim befindet sich derzeit in einer ähnlichen (tabellarischen) Situation wie die Kölner, und danach folgt das wie immer offene Derby. Soweit darf man eigentlich noch nicht denken - zu wichtig und kompliziert die nun anstehende Aufgabe.

Nichtsdestotrotz hilft es dabei, dass größere Bild dahinter zu sehen. Man hat nun die Möglichkeit, durch die aktuelle Form und Stimmung Punkte zu sammeln, die im Endspurt wichtig sein können. Irgendwann wird die Serie reißen, das ist klar. Die Frage wird sein, ob man dann zum Steigbügelhalter für kriselnde Teams wird, wie in den letzten Jahren - oder ob sich dort tatsächlich langsam ein "neues Schalke" anbahnt...

Die voraussichtliche Startelf der beiden Vereine gibt es hier: