​Man weiß nicht, welches Gefühl angesichts derartiger Bilder einen mehr überkommt:  Fremdschämen darüber, dass man mit gewissen Individuen die Gattung Mensch teilt oder einfach nur Zorn. Auf sozialen Netzwerken kursieren seit gestern Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Brügge-Anhänger sich über Bettlerinnen lustig machen, sie ehrverletzend behandeln - und sogar um ihren verdienten Lohn prellen. 


Erschütternde Bilder von der Plaza Mayor


Tatort: Madrid, Plaza Mayor. Auf diesem zentralen Platz der spanischen Hauptstadt versammeln sich täglich tausende von Menschen, Einheimische wie Touristen, um in den zahllosen Bars und Cafés eine Erfrischung zu sich zu nehmen. 


Auch für die Fans der jeweiligen Gast-Mannschaften, die anlässlich eines Europapokal-Spiels nach Madrid kommen, ist die Plaza Mayor ein beliebtes Ziel. Bei großen Menschenaufläufen bleibt es naturgemäß nicht aus, dass auch Bettler sich in der Menge befinden, mit der vagen Hoffnung, angesichts der großen Anzahl von Personen vielleicht ein paar Euro ergattern zu können.


Auf jetzt aufgetauchten Handy-Aufnahmen (Quelle: ​marca.com) ist zu sehen, wie mehrere Brügge-Fans versuchen, einer Bettlerin ihr Kopftuch zu entreißen oder ihr einfach das von ihr bereitgestellte Bier wegnehmen, ohne hinterher zu bezahlen. Des weiteren wurde der Plastikbecher, mit der die Betroffene um Geld gebeten hatte, mit Bier gefüllt. Das alles unter dem johlenden Applaus der anderen Gruppenmitglieder.


Fern ab der Heimat scheint so mancher, der sich "Mensch" nennt, alles abzustreifen, was ihn vom Tier unterscheidet. Doch - Stopp: ist es statthaft ein solches Verhalten mit "tierisch" zu beschreiben? Eher nicht. Denn keine mir bekannte Tierart schikaniert und erniedrigt andere nur aus Spaß. Diese Art der Behandlung anderer ist nur dem Menschen vorbehalten. 


Auch der vom Rädelsführer der Gruppe stolz vor der Kamera enthüllte Bierkonsum ("Zwölf halbe Liter?!") kann ein solch schändliches Verhalten nicht entschuldigen. Auch ich hab schon öfter mal einen im Kahn gehabt - und bin trotzdem nie auf die Idee gekommen, einen Mitmenschen derart erniedrigend zu behandeln. Aber ich habe zum Glück, und im offensichtlichen Gegensatz zu diesen Vollidioten, eine gute Kinderstube genossen. Wurde gelehrt, dass jeder Mensch gleich viel wert ist und dass daran auch keine Hautfarben, körperliche Makel oder Armut etwas ändern. 


Im Grunde genommen können Täter wie die Brügge-Fans einem im Tiefsten der Seele nur leid tun. Denn sie werden die wahre Schönheit des Menschseins nie genießen können. Wenn man dann noch hört, dass der Anführer dieser Un-Menschen zuhause, in seinem heimischen Flandern, Polizeiinspektor ist, braucht man sich über so manche andere Dinge, die heutzutage in unserer globalen Gesellschaft fehl laufen, nicht mehr zu wundern. 


FC Brügge reagiert mit halbgarem Statement


Der​ FC Brügge jedenfalls veröffentlichte mittlerweile ein Statement zu den Vorfällen, in dem er das Verhalten dieser Fans aufs Schärfste verurteilte und sich von ihnen distanzierte. Dem Fehlverhalten angemessener wäre es jedoch, da ja alle Übeltäter (die jauchzenden Mit-Täter, die sich hinter ihrem "Boss" versteckten, gehören genauso dazu) bildlich identifiziert werden konnten, den Zugang zum Stadion für ein paar Jahre zu verweigern. 


Heißt es nicht überall: kein Platz denen, die keinen Respekt vor anderen haben? Dann fang doch einfach mal an, FC Brügge. Und lass den vollmundigen Ankündigungen auch mal Taten folgen. Oder sind die Euros am Ende doch wichtiger als menschliche Werte?


Und den Übeltätern von Madrid sei noch gesagt: schämt Euch! Und wir von 90min.de werden nicht aufhören, derartige Verhaltensweisen, wo immer sie auch passieren mögen, anzuzeigen und zu verurteilen.