​​Borussia Dortmund schlitterte zuletzt in eine ​kleine Formkrise und konnte nur eines der letzten fünf Pflichtspiele für sich entscheiden. Die Kluft zwischen Anspruch - vor der Saison war von nicht weniger als der Meisterschaft die Rede - und Wirklichkeit wächst zunehmend. Die Stimmung ist angespannt und so manche Maßnahme von Cheftrainer Lucien Favre kommt bei seinen Schützlingen nicht gerade gut an.


Für Panikmache ist es nach gerade einmal sechs Bundesligaspieltagen mit Sicherheit viel zu früh. Auffällig ist aber dennoch, dass die Borussen derzeit scheinbar nicht in der Lage sind, ihre zumeist vorhandene Feldüberlegenheit schlussendlich auch in drei Zähler umzuwandeln. Nach dem 2:2-Remis gegen den SV Werder Bremen, was die dritte Punkteteilung in Folge darstellte, schrillten daher nicht nur bei ​Kapitän Marco Reus alle Alarmglocken.


Reus und Zorc vermissen letzten Punch


Dabei richtete sich der Spielführer mit mahnenden Worten in Richtung seiner Teamkollegen und gab laut der Sport BILD zu, dass er sich Sorgen mache: "Wir müssen schon aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verlieren.“" Noch beträgt der Abstand zum ärgsten Konkurrenten FC Bayern München zwar lediglich drei Zähler, die Tendenz spricht derzeit aber eindeutig gegen die Schwarz-Gelben.


Nicht nur ​Sportdirektor Michael Zorc ist eine große Schwachstelle seiner Mannschaft aufgefallen. "Fakt ist, dass wir generell zu viele Gegentore kriegen – speziell nach Standardsituationen. Da fehlt die nötige Konzentration und die absolute Konsequenz. In solchen Situationen muss ich mich als Spieler anders verhalten", so der 57-Jährige.


Spieler plädieren für Abkehr von der Raumdeckung


Mit seinen Aussagen legt der Manager den Finger in eine tiefsitzende Wunde des BVB. So kassierten die Dortmunder in der Amtszeit von Favre bei 40 Ligaspielen bereits sage und schreibe 17 Gegentore nach ruhenden Bällen. Dieser enorm hohe Wert gibt auch den Spielern längst zu denken und daher setzten sie in der vergangenen Rückrunde mit Zähneknirschen ihres Coaches durch, dass man sich von einer Raumdeckung auf eine Mischung aus Mann- und Raumdeckung einigte.


Zu Beginn der neuen Spielzeit setzte Favre, zum Unbehagen seiner Spieler, aber seine Autorität durch und veranlasste sie wieder zu einer reinen Raumdeckung - der Misserfolg dieser Maßnahme (drei Standardgegentore sprechen eine eindeutige Sprache) brachte ihm dabei definitiv keine Pluspunkte ein​.


Favre setzt kaum verbale Ausrufezeichen


Ein weiterer Punkt in der Arbeitsweise des Schweizers, der seinen Spielern angeblich immer mehr sauer aufstößt, ist seine absolute Bierruhe, die bisweilen gar den Eindruck einer gewissen Teilnahmslosigkeit erweckt. Dabei erwartet niemand von dem 61-Jährigen ähnliche Motivationsreden und verbale Spitzfindigkeiten wie von der BVB-Legende Jürgen Klopp, in Sachen Spielanlage wünschen sich die Spieler aber doch etwas mehr Mut und Entschlossenheit.


So lautet Favres Credo in eigentlich jeder Spielphase: Ruhe. Da der Taktiker dabei von seinen Spielern ein Höchstmaß an Disziplin einfordert, vermissen gerade die Edeltechniker im Kader der Borussen etwas Spielfreude und fühlen sich vom taktischen Korsett eingeengt. Bestes Beispiel dafür, dass zu viel taktische Vorgaben einen kreativen Spieler hemmen können, ist bislang ​Julian Brandt. Der Neuzugang von Bayer 04 Leverkusen konnte von Favre bislang überhaupt noch nicht integriert werden. 


Favre braucht Ergebnisse


Favre würden daher, fast schon mehr als seinen Spielern, baldige Erfolge gut tun. Dabei geht es nicht darum seinen Job zu sichern, schließlich wird an dem Coach ​von Seiten der sportlichen Leitung noch überhaupt nicht gerüttelt. Vielmehr geht es darum, die Spieler wieder für seine Art von Fußball zu begeistern.


Die bisherige Saisonbilanz des BVB

​BundesligaChampions League​​DFB-Pokal
​Siege​3​-​1
​Remis​2​1​-
​Niederlagen​1​-​-
​Tore​17​0​2
​Gegentore​9​0​0

Mit jedem Sieg im Rückspiegel kann Favre seine Schützlinge besser für seinen eingeschlagenen Weg begeistern. Sollten Erfolge aber auch weiterhin zu selten ausfallen, täte Favre gut daran, auch seine eigene Arbeit zu hinterfragen. Die Zielsetzung für diese Saison ist schließlich alles andere als ein Pappenstiel und nur dann halbwegs realistisch, wenn der ganze BVB an einem Strang zieht.