Mahmoud Dahoud wechselte vor zweieinhalb Jahren aus Gladbach zur Namenscousine nach Dortmund. Der deutsche U21-Nationalspieler scheint sich aber noch immer zu akklimatisieren - einen Fuß in die Tür kriegt Dahoud auch in dieser Saison nicht. Dabei fehlen dem feinen Techniker nur einige wenige Prozente.


Der BVB hat am Samstag auch gegen Werder Bremen Federn gelassen und wichtige Punkte im Meisterschaftsrennen verschenkt. Was der Borussia fehlte, weiß man nicht so recht. Die Ursachenforschung hätte man sich beim Vizemeister auch sparen können, wenn kurz vor dem Pausentee das 3:1 gefallen wäre: nach feinem Zuspiel von Mario Götze scheiterte jedoch Mahmoud Dahoud am glänzend reagierenden Jiri Pavlenka. Und diese Szene ist bezeichnend für Dahouds Zeit in Dortmund.


Der deutsche U21-Nationalspieler kommt auch nach zweieinhalb Jahren in schwarz und gelb nicht so wirklich ins Rollen. Gegen Bremen stand Dahoud erstmals in dieser Saison in der Startelf, konnte sich jedoch nicht für weitere Einsätze empfehlen. Dass er will, zeigte er, indem er viel Aufwand betrieb. Das alleine reicht aber nicht, um sich bei einer Spitzenmannschaft durchzusetzen - die Leistung fehlt. Es sind diese wenigen Prozente, die Dahoud nicht auf den Rasen kriegt. Seit zweieinhalb Jahren steht dem Mittelfeldspieler ein Jiri Pavlenka im Weg. 


Der BVB glaubt an Dahoud


Dass der 23-Jährige überhaupt noch in Dortmund unter Vertrag steht, zeigt, dass der Vizemeister von seinem Potenzial überzeugt ist. Im Sommer sortierte die Borussia konsequent aus und verschiffte einige Ladenhüter. Mo Dahoud wurde zu den heißesten Streichkandidaten gezählt, schien in Dortmund aber nie wirklich zur Disposition zu stehen. Sein Status wird allerdings immer antastbarer; die Zeit, zu liefern, ist jetzt. Dass er seine Chance gegen Bremen nicht nutzte, ist kein gutes Zeichen. 


Mahmoud Dahouds Leistungsdaten beim BVB

Spiele​ToreVorlagen​
​58​1​6

Was Dahoud zu fehlen scheint, ist das nötige Selbstvertrauen, um sein Spiel aufzuziehen. Der 23-Jährige ist keiner für den Sicherheitsball, sondern eher ein Fachmann der feinen Klinge. Beim BVB braucht es einen guten Mix, den Dahoud aber nicht so wirklich auf die Kette kriegt. Zu häufig trifft er falsche Entscheidungen, wählt den Sicherheitsball, wenn Risiko angebracht ist, geht in ebenjenes, wenn der kurze Pass die bessere Option wäre. Seine fußballerische Klasse kommt somit zu selten zur Geltung - es bleibt oft bei der brotlosen Kunst. 


Mo Dahoud: Kein Platz in Favres System?


Im Dortmunder System sucht Dahoud zudem nach seiner Rolle. Auf der Sechs ist der U21-Nationalspieler falsch aufgehoben. Vorgezogen auf der Acht oder der Zehn kann er seine Qualitäten zur Geltung bringen lassen; das bewies er im Sommer auch bei der U21-Europameisterschaft. Die richtige Position für Dahoud gibt es beim BVB jedoch nicht: Spielmacher Marco Reus ist nicht nur gesetzt, sondern zudem auch eher zweite Spitze, als klassischer Zehner. Die Achter beim BVB spielen zu flügellastig, als dass Dahoud die Positionen bekleiden lassen. Und so muss er im zentralen Mittelfeld aushelfen - eine Position, die er zwar spielen kann, für die ihm aber das nötige Selbstvertrauen fehlt. 


Was dem Jungen guttun würde, wäre ein Erfolgserlebnis. Das klingt zwar nach Glückskeksweisheit, könnte allerdings genau der Initiator sein, den Dahoud braucht. In der letzten Saison hatte der U21-Nationalspieler genau so einen Brustlöser: am ersten Spieltag glich Dahoud kurz vor der Pause gegen RB Leipzig aus, der BVB gewann das Spiel noch 4:1. In den darauffolgenden drei Partien war Dahoud dann gesetzt und spielte deutlich befreiter auf. Doch letzten Endes fehlte die Konstanz. Und wieder einmal die paar Prozente, die Mo Dahoud fehlen, um endlich in Dortmund anzukommen. Das wichtige 3:1 gegen Bremen hätte der Moment sein können, in dem sich der Schalter umlegt. Doch so läuft Dahoud weiter die Zeit davon.